Deutsches Studentenwerk
Der Bologna-Prozess ist noch längst nicht zu Ende
Deutsches Studentenwerk (DSW) zieht kritische Zwischenbilanz zum Bologna-Prozess - DSW-Präsident Rolf Dobischat: "Für die 20 Millionen Studierenden im europäischen Hochschulraum ist der Bologna-Prozess nicht zu Ende" - Defizite: Soziale Dimension, studentische Mobilität, Akzeptanz der Bachelor auf den Arbeitsmärkten - Dobischat: "Zahl der umgestellten Studiengänge oder eingeführten ECT-Systeme sagt nichts über Qualität"
Mehr zu: Bologna-Prozess, Mobilität, HochschuleFür das Deutsche Studentenwerk (DSW) gibt es auf der Bologna-Jubiläumskonferenz, die in Budapest und Wien beginnt, wenig Grund zu feiern. An die Adresse der verantwortlichen Ministerinnen und Minister aus den 46 Ländern, die am Europäischen Hochschulraum beteiligt sind, sagt DSW-Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat: "Die mehr als 20 Millionen Studierenden sind die Adressaten des Bologna-Prozesses. Für sie ist er mit dem Jahr 2010 der Prozess noch längst nicht abgeschlossen."
Dobischat: "Solange die Studierbarkeit von Bachelor-Studiengängen nicht überall sichergestellt ist, solange die studentische Mobilität nicht massiv ansteigt, solange die soziale Dimension des Bologna-Prozesses nicht engagierter angegangen wird und die Arbeitsmarktchancen von Bachelor-Absolventen unklar sind, solange fällt meine Jubiläums-Bilanz kritisch aus."
Mit Blick auf die angekündigten Studierenden-Proteste in Budapest und Wien sagt Dobischat: "Der Bologna-Prozess ist für die Studierenden gemacht. Sie tun gut daran, sich als eigentliche Adressaten weiter Gehör zu verschaffen und auf Defizite aufmerksam zu machen." Es sei falsch, den Studierenden pauschal zu unterstellen, sie lehnten den Bologna-Prozess insgesamt ab, meint Dobischat. "Welche Qualität die Hochschulbildung in Europa unter den Bedingungen von Bachelor und Master haben soll – das ist eine Kernfrage, der sich alle stellen müssen", so Dobischat.
Die von der European University Association (EUA) zur Bologna-Konferenz vorgelegte Studie "Trends 2010" zeichnet laut Dobischat ein differenziertes Bild der Bologna-Reformen in 16 Ländern. "Man muss die quantitativen von den qualitativen Aussagen unterscheiden. Dass 95% der Hochschulen das dreigliedrige Abschlusssystem von Bachelor, Master und Promotion übernommen habe, sagt noch nichts darüber aus, wie gut sie das getan haben und wie studierendenzentriert die Lehre tatsächlich ist", kommentiert Dobischat.
Ein großes strukturelles Defizit des Bologna-Prozesses sieht der DSW-Präsident darin, dass die so genannte "soziale Dimension" auch in Budapest und Wien nicht mit der Dringlichkeit behandelt werde, die sie seiner Meinung nach verdient hätte. "Studienfinanzierung, studienbegleitende Beratung, Kinderbetreuung – solche Themen gehören mit auf die Agenda. Die Studierenden brauchen nicht nur gute Lehre, sie brauchen auch eine gute soziale Infrastruktur", so Dobischat.
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