"Bürgerschaftliches Engagement für und in der Demokratie wird in der Kindheit und Jugend grundgelegt. Schon die schulische Erziehung muss auch zur Teilhabe an Demokratie und Gesellschaft befähigen und ermutigen". Dies erklärte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck auf der Eröffnung der größten deutschsprachigen Bildungskonferenz am 15. März 2010 in Mainz. Auf dem 22. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) werden drei Tage lang rund 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über eine Vielzahl von Fragen im Spannungsfeld von Politik und Pädagogik diskutieren. Unter ihnen namhafte Experten wie der Schulreformer Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Edelstein und der neue Chef des deutschen PISA-Konsortiums Prof. Dr. Eckhard Klieme. Veranstaltungsort ist die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Medienpartner die Stiftung Lesen.
Die besondere Relevanz eines funktionierenden Bildungssystems für die politische und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unseres Landes hob Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, hervor: "Wir sind verpflichtet, allen Menschen bestmögliche Bildungs- und damit Lebenschancen zu gewährleisten."
Es begrüßten außerdem die nationalen und internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel sowie Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Eine kritische Bestandsaufnahme aktueller Tendenzen der modernen Arbeitswelt leistete der renommierte Philosoph und Soziologe Prof. Dr. Dr. h.c. Oskar Negt in seinem Eröffnungsvortrag: "Dieser allseitig verfügbare Mensch ist, glaube ich, politisch eine sehr gefährliche Figur" Die so genannten "leistungsbewussten Mitläufer" bedeuteten eine "große Massengefahr für die Demokratie."
Nach Auskunft von Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, ist das zentrale strategische Ziel des Kongresses eine kritische Standortbestimmung: "Wir fragen, welche Möglichkeiten zur Stärkung der Demokratie in Bildungsprozessen liegen, jedoch auch, wo die Grenzen von Erziehung und Bildung gesehen werden müssen." Die beiden Sprecher des Kongresses und Professoren am Institut für Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg- Universität Mainz betonten, dass die Pädagogik weit mehr Impulse für die Politik vermitteln könne, als dies bislang geschehe. "Voraussetzung ist jedoch, dass die Politik bereit ist, diese Impulse auch anzunehmen und realisieren, dass Bildung und Demokratie eng miteinander verbunden sind", betonte Prof. Dr. Stefan Aufenanger. Und sein Kollege Prof. Dr. Franz Hamburger fügte hinzu: "Wir möchten und werden die vielfältige praktische Relevanz der Erziehungswissenschaft verdeutlichen: und im Sinne von Politikberatung Wege aufzeigen, wie gegenwärtige und künftige Herausforderungen wissenschaftlich gut begründet angegangen werden können."