Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann setzt bei der Literaturförderung des Landes neue Akzente auf die literarische Jugendbildung. Ich möchte die Lese- und Schreiblust gerade bei jungen Menschen fördern, sagte die Ministerin heute in einer Pressekonferenz. Unter dem Motto ,Jugend schreibt soll es daher in diesem Jahr erstmals einen Schülerliteraturwettbewerb für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren geben. Dafür sind rund 22.000 Euro vorgesehen. Außerdem wird der Hessenslam, ein Dichterwettbewerb der jungen Literaturszene, mit 5.000 Euro gefördert.
Wer einen Schwerpunkt für junge Leserinnen und Leser, für junge Autorinnen und Autoren setzen will, muss innerhalb des Budgets der Literaturförderung umsteuern. Das tut bewährten, bisher mit anderen Beträgen unterstützten Institutionen womöglich weh, angesichts der Haushaltslage gibt es aber zurzeit keine andere Möglichkeit, sagte Kühne-Hörmann. Im Hinblick auf die zur Literaturförderung zur Verfügung stehende Summe von rund 650.000 Euro hob sie hervor: Es werden etwa 27.000 Euro umverteilt. Ich spare nicht an der Literatur, sondern ich will neue Möglichkeiten für die Literatur eröffnen.
Um die genannten Beträge für die literarische Jugendbildung anbieten zu können, wird die Romanfabrik in Frankfurt im Rahmen der Projektförderung des Landes 10.000 Euro erhalten (2009 waren es 19.000 Euro, worin 2.000 Euro für eine einmalige Sonderveranstaltung enthalten waren). Der Friedrich Boedecker Kreis e.V. bekommt 23.000 Euro Projektfördermittel (2009: 28.000 Euro). Das Preisgeld für den Rheingau Literatur Preis, bisher 10.000 Euro, wird auf 5.000 Euro aus Landesmitteln festgesetzt. Für das vom Hessischen Literaturrat vergebene Literaturstipendium, das Auslandaufenthalte hessischer Autoren und Besuche ausländischer Autoren finanziert, sind 5.000 Euro vorgesehen (2009: 10.000 Euro). Das vom Land gestellte Preisgeld des vom P.E.N.Zentrum Deutschland vergebenen Hermann Kesten Preises für besonderes Engagement für verfolgte Autoren wird auf 5.000 Euro festgesetzt (2009: 10.000 Euro).
Der neue Wettbewerb Jugend schreibt, der in Zusammenarbeit mit der Kinderakademie Fulda e.V. veranstaltet wird, richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren. Die Idee dazu ist nach den Worten der Ministerin aus den Erfahrungen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen entstanden: Dieser in Deutschland einzigartige Wettbewerb verzeichnete voriges Jahr die Rekordbeteiligung von 734 jungen Autorinnen und Autoren zwischen 16 und 25 Jahren (2008 waren es noch 482).
Die enorme Steigerung der Teilnehmerzahl zeigt, dass es jungen Menschen Spaß macht, zu schreiben, unterstrich Kühne-Hörmann. Allerdings habe man bisher jedes Jahr viele Gedichte und Geschichten ablehnen müssen, weil die Autoren die Altersgrenze unterschritten. 12- bis 16-Jährige passen einfach nicht in denselben Wettbewerb, an dem schon fast fertige Autoren von 25 Jahren teilnehmen. Das wäre unfair gegenüber den ganz Jungen. Der Wettbewerb ,Jugend schreibt soll ihnen nun Chancen eröffnen, sagte die Ministerin. Die Förderung mit 22.000 Euro reiche aus, um den Wettbewerb noch in der zweiten Jahreshälfte auszuloben und auf den Weg zu bringen. Die Preise sollen Anfang 2011 vergeben werden.
Der Hessenslam repräsentiert eine Literaturbewegung, an der die hessische Literaturförderung bisher vorbeiging. Die noch relativ neue Disziplin des poetry slam hat in den vergangenen Jahren insbesondere unter Jugendlichen ganz neue Leser- und Autorenkreise erschlossen: Bei diesem literarischen Vortragswettbewerb werden selbstverfasste Texte innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens vor Publikum vorgetragen, wobei alles erlaubt ist, was mit Stimme und Körpersprache möglich ist. Das Publikum bewertet sowohl den jeweiligen Text als auch die Art des Vortrags. Mit der Förderung des in Marburg geplanten Hessenslam 2010 möchte ich die Entwicklung dieser engagierten jungen Literaturszene unterstützen, sagte Kühne-Hörmann.