Nach den zähen Verhandlungen zwischen TdL, GEW und dbb tarifunion über eine erstmalige tarifliche Entgeltordnung für angestellte Lehrkräfte zu Wochenbeginn in Berlin hat heute in Köln eine weitere Protestaktion der Gewerkschaften stattgefunden. Auf einer Kundgebung vor dem Messegelände der Bildungsmesse didacta forderten führende GEW-Vertreter die öffentlichen Arbeitgeber auf, endlich in zielführende Verhandlungen einzutreten. Andernfalls müsse in den nächsten Wochen bundesweit mit weiteren Protestmaßnahmen in den Schulen gerechnet werden. Die Geduld der Tarifbeschäftigten sei am Ende, man wolle jetzt wissen, wohin die Reise gehe. Insbesondere von der Landesregierung in NRW erwarten die Beschäftigten einen konstruktiven Part innerhalb der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL).
"Die GEW wird die Benachteiligung der Lehrerinnen und Lehrer gegenüber anderen Akademikern im öffentlichen Dienst der Länder nicht länger hinnehmen. Finanzminister Linssen muss jetzt öffentlich erklären, was die Landesregierung will", sagte GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber auf der Kundgebung. Für die GEW sei es nicht akzeptabel, dass angestellte Lehrkräfte derzeit trotz vollwertigem Hochschulabschluss um bis zwei Gehaltsgruppen schlechter als andere Akademiker bezahlt würden. So werden angestellte Lehrerkräfte beispielsweise an Grund- und Hauptschulen in die Entgeltgruppe 11 eingruppiert, andere Akademiker im öffentlichen Dienst in die Entgeltgruppe 13. Dieser Gehaltsunterschied allein beträgt ca. 400 EURO brutto pro Monat. Eine voll ausgebildete Lehrerin habe überdies noch ein zweijähriges Referendariat mit Staatsexamen absolviert. Das müsse zusätzlich bei der Eingruppierung honoriert werden.
GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad benannte die entscheidenden Punkte, zu denen die Arbeitgeber in der nächsten Gesprächsrunde Position beziehen müssten. "Die Gewerkschaften wollen eine tarifliche Lösung für alle 200.000 angestellten Lehrkräfte. Ausbildung und Tätigkeit müssen die entscheidenden Kriterien für die Eingruppierung sein", unterstrich die Tarifexpertin. "Zudem ist jedermann verständlich, dass wissenschaftlich ausgebildete Lehrkräfte nicht schlechter behandelt werden dürfen als andere Akademiker im öffentlichen Dienst. Wer gute Schulen will, muss auch die Lehrer anständig bezahlen." Außerdem sei die Ost-West-Angleichung der Vergütungen erforderlich.
"In dem weiteren Verlauf der Gespräche sind noch viele Details zu verhandeln. Die Arbeitgeber sind den Lehrerinnen und Lehrern jedoch ein klares Signal schuldig, wie die Eckpunkte des neuen Tarifvertrags gestaltet werden sollen", fügte die Tarifexpertin der GEW hinzu.
Die nächste Verhandlungsrunde findet am 28. April in Berlin statt. Die Gewerkschaften bereiten weitere Aktionen vor, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Schon in der nächsten Woche, am 26. März, werden die Proteste in Hannover mit der Übergabe tausender Unterschriften an Niedersachsens Finanzminister Möllring fortgesetzt. Er ist zur Zeit der Vorsitzende des Vorstands der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL).