Bündnis 90/Die Grünen
Schulinspektion offenbart erheblichen Verbesserungsbedarf
Zahl der "durchgefallenen" Schulen gestiegen
Mehr zu: Hauptschule, Niedersachsen, Schulentwicklung, Schulinspektion, Statistik, SchuleDie Landtagsgrünen haben die Landesregierung aufgefordert, bei der Niedersächsischen Schulinspektion "an einen Personalabbau noch nicht mal zu denken". Die Antwort auf ihre Kleine Anfrage habe deutlich gemacht, dass die systematische Überprüfung "erheblichen Verbesserungsbedarf an Niedersachsens Schulen offenbart", sagte die schulpolitische Sprecherin Ina Korter heute (Freitag) in Hannover. So sei die Zahl der Schulen, die nicht den Anforderungen entsprachen und nachinspiziert werden müssen, von 5 auf 7,4 Prozent gestiegen.
Die häufigsten Kritikpunkte der Inspektoren bezogen sich auf Aspekte des Lehrerhandelns im Unterricht und die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler, die Qualitätssicherung und –entwicklung und die Führungsverantwortung der Schulleitungen.
Der Erfolg der Schulinspektion zeige sich, so Korter jedoch in den guten Ergebnissen der nachinspizierten Schulen. 46 von 49 bis zum Schuljahresende 2008/2009 nachinspizierten Schulen hätten die gesetzten Standards erreicht und ihre Qualität deutlich verbessert.
Die Grünen-Politikerin kritisierte, dass die Kultusministerin auf ihre Anfrage nach einem geplanten Personalabbau keine klare Antwort gegeben habe. "Es kann nicht sein, dass die Landesregierung die Schulinspektion klammheimlich reduziert, weil ihr die Ergebnisse nicht so passen."
Die Inspektion sei das wichtigste externe Instrument der Qualitätssicherung, "über deren Ergebnisse künftig nicht immer erst auf Nachfrage sondern regelmäßig im Landtag berichtet werden muss", so Korter abschließend.
Die Anfrage und die Antwort:
annover, den 22.02.10
Kleine Anfrage zur mündlichen Beantwortung
Abgeordnete Korter (Grüne)
Welche Pläne hat die Landesregierung mit der Schulinspektion - werden die Schulen endlich zeitnah unterstützt?
Einem Bericht der Braunschweiger Zeitung vom 22. Februar 2010 zufolge hat der Präsident der Niedersächsischen Schulinspektion vor der Frühjahrstagung des Verbandes der Elternräte der Gymnasien erklärt, dass die Niedersächsische Schulinspektion ihr Ziel verfehlt habe, innerhalb von vier Jahren alle niedersächsischen Schulen zu inspizieren. Vielmehr sei es mit dem derzeitigen Personalbestand nur möglich gewesen, 60 % der Schulen zu besichtigen. Demgegenüber sind Überlegungen aus CDU-Kreisen bekannt geworden, dass die Personalstärke der Schulinspektion weiter deutlich reduziert werden soll.
Weiterhin hat der Präsident der Niedersächsischen Schulinspektion dem gleichen Pressebericht zufolge mitgeteilt, dass der Anteil der bei der Inspektion "durchgefallenen" Schulen, bei denen eine Nachinspektion erforderlich sei, von 5 auf 7 % gestiegen sei. Probleme gebe es insbesondere beim Qualitätskriterium "Lehrerhandeln im Unterricht – Zielorientierung und Strukturierung". Von Seiten der Elternvertreter sei kritisiert worden, dass die Schulen zu wenig dabei unterstützt würden, bei der Schulinspektion festgestellte Mängel zu beheben.
Ich frage die Landesregierung:
Wie will die Landesregierung die Personalstärke der Niedersächsischen Schulinspektion entwickeln, damit zukünftig das Ziel erreicht werden kann, turnusmäßig alle niedersächsischen Schulen innerhalb von vier Jahren zu inspizieren und die erforderlichen Nachinspektionen vorzunehmen?
Wie stellt sich der Prozentsatz der inspizierten Schulen, bei denen eine Nachinspektion erforderlich ist, beim derzeitigen Stand aufgegliedert nach den einzelnen Schulformen dar und welche Qualitätskriterien wurden am häufigsten nicht erfüllt?
Wie will die Landesregierung die Ausstattung und die Struktur des Entwicklungs- , Beratungs- und Unterstützungssystems für die Schulen zeitnah so verbessern, dass allen Schulen, bei denen eine Nachinspektion erforderlich wird oder die in einzelnen Qualitätskriterien nur schwach abgeschnitten haben, kurzfristig ein gezieltes professionelles Unterstützungsangebot gemacht werden kann?
Korter
Antwort der Landesregierung vom 18.03.2010:
Schulinspektionen sind ein wichtiges Instrument zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im niedersächsischen Schulwesen. Die Schulen des Landes erhalten durch die Schulinspektion eine umfassende Rückmeldung über Stärken und Schwächen und damit eine verlässliche Grundlage für eigene Planungen und Schwerpunktsetzungen. In den Blick genommen wird der Unterricht als "Kerngeschäft" und die Schule insgesamt.
Die weit überwiegende Zahl der Schulen erzielt gute Inspektionsergebnisse. Der Erfolg der Schulinspektion zeigt sich aber besonders bei den nachinspizierten Schulen: 46 von 49 bis zum Schuljahresende 2008/2009 nachinspizierten Schulen haben die gesetzten Standards erreicht und damit deutlich die Qualität ihrer Arbeit verbessert. Die Niedersächsische Schulinspektion schafft also durch ihre differenzierte Analyse der Schulqualität nachweislich wichtige Voraussetzungen für gezielte und passgenaue Verbesserungsmaßnahmen der Schulen. Darüber hinaus stellt sie Steuerungswissen für Führungskräfte in Schulen und Behörden bereit.
Zur ständigen Überprüfung der eigenen Arbeit fasst die Schulinspektion die Inspektionsergebnisse der Einzelschulen nach unterschiedlichen Kriterien zusammen und legt sich selbst und dem Niedersächsischen Kultusministerium gegenüber die Arbeitsergebnisse offen. Darüber hinaus werden die zusammengefassten Ergebnisse veröffentlicht, denn sie geben in wichtigen Teilbereichen Auskunft über die Qualität unseres öffentlichen Schulwesens.
Die erhobenen Zahlen bedürfen einer fachlich differenzierten Interpretation, um daraus bildungspolitischen Handlungsbedarf ableiten zu können. Entscheidend ist das Gesamtbild und nicht einzeln herausgegriffene statistische Daten, die politisch instrumentalisiert werden.
Dies vorausgeschickt, beantworte ich namens der Landesregierung die Fragen im Einzelnen wie folgt:
Zu 1.:
Die erste Runde der Inspektion wird im Frühjahr 2012 abgeschlossen sein. Dass in der ersten landesweiten Inspektionsrunde die zeitlichen Planungswerte nicht erreicht werden, ist vorwiegend in ihrem Pilotcharakter begründet. Außerdem musste die volle Personalstärke der Niedersächsischen Schulinspektion erst aufgebaut und das Personal entsprechend geschult werden. Dieser Prozess ist fast abgeschlossen: Im Haushaltsplan 2010 sind 9 A16-Stellen eingestellt, wovon aktuell 8 belegt sind, sowie 53 A15-Stellen, von denen aktuell 50 belegt sind.
Der in der ersten Runde benötigte Zeitraum von 6 Jahren für Inspektion und ggf. Nachinspektion aller niedersächsischen Schulen wird bei der zweiten Runde voraussichtlich deutlich unterschritten werden, weil basierend auf den Erfahrungen aus der ersten Runde das Inspektionsverfahren effektiver gestaltet und schulformspezifisch ausgerichtet werden kann.
Die notwendigen Arbeitsschritte für die Überarbeitung des Verfahrens werden derzeit im Kultusministerium vorbereitet, sollen noch in diesem Jahr aufgenommen und rechtzeitig vor Beginn der zweiten Runde abgeschlossen werden.
Zu 2.:
In den einzelnen Schulformen wurden für folgende Prozentanteile der inspizierten Schulen Nachinspektionen angeordnet:
Förderschulen: 1,4 %
Grundschulen: 7,5 %
Grund- und Hauptschulen: 12,3 %
Grund-, Haupt- und Realschulen: 7,7 %
Hauptschulen: 9,9 %
Haupt- und Realschulen: 11,5 %
Realschulen: 8,3 %
Gymnasien: 10,0 %
Gesamtschulen: 4,9 %
Berufsbildende Schulen: 0,0 %
Im Durchschnitt beträgt der Anteil 7,4 %.
Die am häufigsten von Schulen mit Nachinspektion nicht ausreichend erfüllten Qualitätskriterien betreffen:
5: Lehrerhandeln im Unterricht – Unterstützung eines aktiven Lernprozesses
4: Lehrerhandeln im Unterricht – Stimmigkeit und Differenzierung des Unterrichts
16: Ziele und Strategien der Qualitätssicherung und -entwicklung
2: Schuleigenes Curriculum
3: Lehrerhandeln im Unterricht – Zielorientierung und Strukturierung des Unterrichts
8: Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im Lernprozess
13: Führungsverantwortung der Schulleitung
Zu 3.:
Die Ergebnisse der Schulen mit Nachinspektion lassen den Schluss zu, dass ein angemessenes Angebot an Beratung und Unterstützung für die Schulen vorgehalten wird. Alle Schulen haben sich im Vergleich zu den Ergebnissen der Erstinspektion deutlich verbessert.
Die Unterstützungsangebote umfassen Schulentwicklungsberatung, die Fachberatung für Unterrichtsqualität und für die Fächer, die Schulpsychologie und nicht zuletzt die Begleitung und Beratung der Schulleiterinnen und Schulleiter durch ihre schulfachlichen Dezernentinnen und Dezernenten.
Ina Korter, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag,
Tel. 0511-3030-3312, mail Ina.Korter@lt.niedersachsen.de
Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag
Reinhard Tydecks
Referent für Schule und Jugend
Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 1
30159 Hannover
Tel. 0511-3030-4210
Fax 0511-3030-99-4210
E-mail
Internet www.gruene-niedersachsen.de
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