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Leseförderung

Online Lesen und Schreiben lernen – hinter Gittern!

Modifizierte Internet-Plattform für Analphabeten entwickelt

Mehr zu: Analphabetismus, Bildungschancen, Deutsch, E-Learning, Grundbildung, Hauptschule, Kulturelle Bildung, Leseförderung, Weiterbildung
Bonn / Berlin, 31.03.2010 -

Weiterbildung ist auch und gerade im Gefängnis das A und O, wollen sich die Betroffenen nach Verbüßung ihrer Strafe wieder in die Gesellschaft eingliedern. Viele von ihnen sind trotz Schulbesuchs nicht in der Lage, richtig zu lesen und zu schreiben. Sie sind so genannte funktionale Analphabeten. Auch ihnen kann nun geholfen werden – mit einer speziellen Software des Deutschen Volkshochschul-Verbandes: ich-will-lernen.de, mit Abstand Marktführer beim E-Learning in diesem Bereich, kann jetzt nämlich als Version ohne internettypische Funktionen wie Forum, Chat und Mailsystem von Strafgefangenen genutzt werden.

Die Sonderanfertigung der Internetplattform steht kostenlos zur Verfügung. Künftig müssen sich die rund 50 Justizvollzugsanstalten (JVA) in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und im Saarland dabei nicht mal mehr um die Einrichtung auf ihren eigenen Computern kümmern. Möglich macht das die vom IBI - Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft an der Technischen Universität Berlin betriebene Lernplattform-Plattform "elis" (E-Learning im Strafvollzug): Auf einer zugangsgeschützten Plattform können eine Vielzahl von Lernprogrammen ausgeführt werden, die auf einem zentralen Server vom IBI verwaltet werden. An der Software des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV), die in einzelnen Gefängnissen bereits eingesetzt worden war, bestand dort großes Interesse. Und der DVV war gerne bereit, sie zur Verfügung zu stellen: "Mit ich-will-lernen.de ergänzen wir das Lernangebot für die Strafgefangenen sinnvoll", erklärt die stellvertretende DVV-Direktorin, Gundula Frieling. "Denn sie können auf diese Weise vollkommen anonym Lesen, Schreiben und auch Rechnen lernen, ohne dass sie sich irgendwem gegenüber offenbaren müssen. Für die Resozialisierung nach ihrer Haftentlassung ist das ein Meilenstein." Prof. Dr. Wilfried Hendricks, Leiter des IBI, ergänzt: "Wir haben in den Haftanstalten von vielen Häftlingen gehört, dass für sie die Nutzung des Computers für Bildungszwecke erstmals ein selbstbestimmtes Lernen in angstfreier Atmosphäre erlaubt. Außerdem wird dadurch das Interesse am Lesen geweckt."

ich-will-lernen.de ist Deutschlands größtes offenes Lernportal mit etwa 27.000 interaktiven Übungen in verschiedenen Lernstufen zu Alphabetisierung und Grundbildung, aber auch zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss und zum Einstieg ins Berufsleben. Das Portal wurde vom Deutschen Volkshochschul-Verband mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt. Mit monatlich 10.000 bis 20.000 Lernenden ist es im Web zur wichtigsten Anlaufstelle für die geschätzten vier Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland geworden. Über 225.000 haben sich inzwischen als Lerner registriert.

Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen die rund 1000 Volkshochschulen in Deutschland.

Das IBI widmet sich seit 1995 in Forschung und Entwicklung dem Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt unter anderem in der Unterstützung von Haftanstalten in elf Bundesländern beim Lehren mit digitalen Medien.
Mit dem Deutschen Bildungsmedien-Preis digita vergibt das IBI jährlich eine der angesehensten Auszeichnungen im E-Learning-Sektor. 2006 ging dieser an ich-will-lernen.de.

Ansprechpartner

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Franz Josef Neffe, am 12.04.2010, 13:33

Funktionaler Analphabet ist man nicht TROTZ sondern WEGEN des Schulbesuchs. Wenn Lehrer 9 + 3 Jahre lang mit den Talenten ihrer Schüler so umgehen, dass diese Talente vor der Pädagogik die Flucht ergreifen, sich vor ihr verschanzen und sich ein Leben lang nicht mehr herauswagen, dann - so meine ich als Ich-kann-Schule-Lehrer - sollten wir doch endlich damit aufhören, so zu tun, als ob diese Pädagogik keinen Erfolg gehabt hätte: Wir haben über Jahre und Jahrzehnte immer mehr DAS GEGENTEIL von dem erreicht, was wir erreichen wollten. Und das hatte und hat auch ganz erhebliche Auswirkungen auf die menschliche und ggf. kriminelle Entwicklung der der Schule anbefohlenen Kinder und Jugendlichen. Wir sollten die Augenauswischerei und den Selbstbetrug beenden und uns endlich GENAU anschauen, was wir getan haben und immer noch tun.

Wir sollten endlich das Theater beenden, dass die Pädagogik immer alles richtig macht und die Probleme der Kinder auf immer noch unerklärlichere Weise von den Eltern, vom Millieu, von Erbanlagen und darüber hinauss scheints vom Heiligen Geist verursacht werden.

Wenn ich das in der Schule durch eine schablonengläubige Pädagogik misshandelte, erniedrigte, gekränkte, verprellte ICH-KANN in Achtung aufrichte und stärke, dann kommen nicht nur die wissenschaftlich wegdiagnostizierten Schreib-&Lese-Talente wieder zum Vorschein, entfalten und entwickeln sich und wachsen, dann wachsen endlich auch die Persönlichkeitstalente, die eine lebensblinde Pädagogik ständig für ihre künstlich-toten Schablonen kleinzukriegen suchte und ermöglichen dem betroffenen Menschen eine gesunde Persönlichkeit zu werden. Wir sollten aufhören, alles auf ein technisches Problem zu reduzieren und die Seele weiter verhungern zu lassen.

Ich grüße freundlich.

Franz Josef Neffe


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