Bündnis 90/Die Grünen
GRÜNE fragen nach Bundeswehrveranstaltungen an niedersächsischen Schulen
Mit Waffen hantiert? Neutralität gewährleistet?
Mehr zu: Bildungswesen, Bundeswehr, Neutralitätsgebot, Niedersachsen, Politische Bildung, Werteerziehung, Zivildienst, SchuleDie schulpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen Ina Korter fordert mit einer parlamentarischen Initiative Auskunft über Veranstaltungen der Bundeswehr in niedersächsischen Schulen. Die Grünen-Politikerin fragt danach, in welchem Umfang und auf Grundlage welcher Kooperationsvereinbarung Bundeswehr-Informationsveranstaltungen in und mit Schulen stattfinden und wie dabei das Neutralitätsgebot gewährleistet wird.
Anlass für Korters Anfrage sind Berichte aus anderen Bundesländern, wonach bei derartigen Veranstaltungen Schülerinnen und Schüler sogar mit Waffen oder Waffensimulatoren hantiert hätten. "Wie ein Beispiel aus Todendorf in Schleswig-Holstein zeigt, soll dabei offenbar auch mit Simulationen für den Kriegsdienst begeistert werden", sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch (heute) in Hannover. Dieses Vorgehen habe mit ausgewogener Information wenig zu tun. Korter möchte in Erfahrung bringen, "in welcher Weise und in welchem Ausmaß die Bundeswehr in den Schulen für sich als Arbeitgeber wirbt."
Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung der Abgeordneten Korter (GRÜNE),
Veranstaltungen der Bundeswehr in der und für die Schule
Seit 1958 werden in den Schulen Jugendoffiziere eingesetzt, um aus Sicht der Bundeswehr über Fragen der Außen- und Militärpolitik zu informieren. Auf das Angebot der Jugendoffiziere wird auch auf der Internetseite NiBiS der Niedersächsischen Landesregierung hingewiesen.
Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Verteidigung heißt es zu den Aufgaben der Jugendoffiziere: "Als Referenten für Sicherheitspolitik sind Jugendoffiziere ein wesentlicher Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr. (…) Über das Land verteilt gibt es 94 Jugendoffiziere, die allesamt über mehrjährige Erfahrung als militärische Vorgesetzte verfügen. Vielfach können sie auch auf eigene Erlebnisse in Auslandseinsätzen in Afghanistan, dem Kosovo oder vor der Küste Libanons zurückblicken. Im Einvernehmen mit den Kultusministerien und streng am Beutelsbacher Konsens orientiert, versuchen die Jugendoffiziere zu helfen, das Verständnis für das komplexe Gebiet der Sicherheitspolitik zu fördern."
Ich frage die Landesregierung:
Welche Vereinbarungen zwischen der niedersächsischen Landesregierung und der Bundeswehr gibt es zum Einsatz von Jugendoffizieren und von anderen Werbeveranstaltungen der Bundeswehr in bzw. für Schulen?
Gibt es vergleichbare Vereinbarungen zur Durchführung von Veranstaltungen in der Schule zu Themen der Außen- und Militärpolitik auch mit anderen Institutionen und Vereinbarungen? Wenn ja, mit welchen?
Aus welchen Gründen wird in der NiBiS-Dantenbank auf die Jugendoffiziere der Bundeswehr und nicht auch auf andere Anbieter von Veranstaltungen zu Themen der Außen- und Militärpolitk hingewiesen?
Aus welchen Gründen können Vertreter der Bundeswehr eine besondere Rolle bei der Darstellung von Themen der Außen- und Militärpolitik in der Schule spielen und nicht Vertreterinnen und Vertreter von neutraleren Institutionen, wie es zum Beispiel die aufgelöste Landeszentrale für politische Bildung gewesen ist?
Wie wird sichergestellt, dass bei Veranstaltungen der Bundeswehr in der und für die Schulen die Grundprinzipien des sog. Beutelsbacher Konsenses, das Überwältigungs- bzw. Indokrinationsverbot, das Gebot der Kontroversität und das Prinzip der Schülerorientierung eingehalten werden?
Wie wird insbesondere sichergestellt, dass die Schülerinnen und Schüler bei Besuchen von Jugendoffizieren die Möglichkeit haben, sich mit Hilfe anderer Quellen eine eigene Meinung zu bilden?
Ist es in Niedersachsen zugelassen, dass Schülerinnen und Schüler bei Veranstaltungen der Bundeswehr für Schulen selbst mit Waffen oder Waffensimulatoren hantieren? Wenn ja, mit welcher pädagogischen Begründung?
Ina Korter, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag,
Tel. 0511-3030-3312, mail Ina.Korter@lt.niedersachsen.de
Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag
Reinhard Tydecks
Referent für Schule und Jugend
Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 1
30159 Hannover
Tel. 0511-3030-4210
Fax 0511-3030-99-4210
E-mail
Internet www.gruene-niedersachsen.de
Ansprechpartner
Sehr geehrte Frau Korter,
laut Webseite des Bundesverteidigungsministeriums sollen Jugendoffiziere Werbung für Auslandseinsätze machen.
Eltern können sich nicht darauf verlassen,daß eine Gegenposition dargestellt wird.Ein Beispiel findet man im Land Brandenburg, wenn bei GoogleWeb eingetragen wird: Bundeswehr wirbt in Schule um Nachwuchs.
Besorgte Eltern teilen der Schule schriftlich mit: Wir erziehen unser Kind gewaltfrei mit dem Ziel, daß der Wehrdienst verweigert wird. Deshalb beantragen wir die Befreiung von der Teilnahmepflicht am Unterricht mit der Bundeswehr.
Unabhängig von parlamentarischen Bemühungen müssen die Eltern dann von den Grünen und von wehrdienstkritischen Organisationen unterstützt werden. Werden Sie sich dafür einsetzen?
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Reth
Absoluter Unsinn. Wenn Eltern Ihre Kinder tatsächlich erziehen würden und nicht in Kitas parken,könnte durch ein tägliches Frage und Antwortspiel Einfluß auf diese Dinge genommen werden.Auch Fernsehsendungen manipulieren unsere Kinder. Die eingeforderte Gegenpolsition wäre auch hier nicht darstellbar.Abstrus finde ich,
dass staatliche Institutionen mit Liebe in Misskredit gebracht,sofern das Wort Bundeswehr oder
Polizei verwendet wird.Wer kontrolliert unsere Politiker?
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert:
Weder Lehrkräfte noch Schüler/innen dürfen zur Teilnahme an einer Veranstaktung mit der Bundeswehr gezwungen werden.
Die Grundsätze für die politische Bildung in der Schule schreiben vor, daß Gegenpositionen dargestellt werden. Es ist vernünftig, daß eine einseitige Beeinflussung
vermieden werden muß.
Da irrt Herr Reth, wenn er sich auf die Seiten von Bundeswehr und Ministerium beruft. Die Jugendoffiziere werben eben gerade nicht für Auslandeinsätze. Herr Reth unterliegt einem leider weit verbreiteten Irrtum, der die Aufgabe der Jugendoffiziere, nämlich sicherheitspolitische Information, mit der Aufgabe von Wehrdienstberatern und Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr in unzulässiger Weise vermengt.
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