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Hamburg

Ergebnisse der Längsschnittstudie für die Klassenstufe 8

Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern (KESS 8)

Mehr zu: Bildungsbericht, Grundschulempfehlung, Hamburg, Hauptschule, Statistik, Übertritt, Schule
Hamburg, 19.04.2010 -

Die Ergebnisse der Längsschnittstudie ´Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern` (KESS) für die Klassenstufe 8, in der die Lernstände und die Leistungsentwicklung eines gesamten Schülerjahrgangs im Leseverständnis, in Mathematik, Englisch, Orthografie und in den Naturwissenschaften untersucht wurden, sind ab heute im Internet zugänglich (www.hamburger-bildungsserver.de/).

Mit KESS 8 konnte der dritte Messzeitpunkt dieser Studie realisiert werden, an dem im Sommer 2007 rund 13.900 Hamburger Schülerinnen und Schüler am Ende der achten Jahrgangsstufe teilnahmen. Da derselbe Schülerjahrgang bereits flächendeckend in den beiden vorangehenden Studien KESS 4 im Jahr 2003 und KESS 7 im Jahr 2005 getestet und befragt wurde, kann nun mit KESS 8 die gesamte Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler vom Ende der Jahrgangsstufe 4 bis zum Ende der Jahrgangsstufe 8 nachvollzogen werden.

Die zentralen Ergebnisse:

Am Ende der Jahrgangsstufe 8 sind beträchtliche Unterschiede in den mittleren Lernständen der Schülerinnen und Schüler an den verschiedenen Schulformen zu finden. Erwartungsgemäß erreichen im Durchschnitt die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien die höchsten Lernstände. Insbesondere die Hauptschülerinnen und Hauptschüler erreichen im Vergleich erheblich niedrigere Lernstände. Trotz dieser Unterschiede zeigen sich auch deutliche Überschneidungen zwischen allen Schulformen des gegliederten Schul­systems. Ein beachtlicher Anteil der Schülerinnen und Schüler an (integrier­ten) Haupt- und Realschulen erreicht Lernstände, die denen der leistungs­schwächeren Gymnasiastinnen und Gymnasiasten entsprechen oder sie sogar überragen. Offenbar liegen hier unerkannte Potenziale der Schülerinnen und Schüler vor, die stärker als bisher ausgeschöpft werden könnten. Am Ende der Jahrgangsstufe 8, d. h. zum Zeitpunkt der Erhebung, ist allerdings noch nicht absehbar, ob diese Jugendlichen im Anschluss an die Jahrgangsstufe 10 die Übergangsmöglichkeiten in die gymnasiale Oberstufe nutzen.

Schülerinnen und Schüler, die unterschiedliche Schulformen besuchen, starten bereits am Anfang der Jahrgangsstufe 5 mit deutlich unterschiedlichen mittleren Lernständen. Diese Differenzen bleiben bis zum Ende der Jahrgangsstufe 8 erhalten. Die Leistungsentwicklung verläuft nach der Grundschule bis zum Beginn der Jahrgangsstufe 7 etwas positiver für die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler der Gymnasien. Deutliche Unterschiede lassen sich in den Lernentwicklungen von Mädchen und Jungen bilanzieren: Während die Mädchen bereits am Ende der Grundschulzeit mit günstigeren Kenntnissen der deutschen Sprache im Leseverständnis und in der Rechtschreiben sowie mit besseren Englischleistungen in die Sekundarstufe starten, gelingt es in den folgenden Schuljahren nicht, diese Leistungsrückstände der Jungen auszugleichen. Vielmehr vergrößert sich der Leistungsrückstand der Jungen. In Mathematik und in den Naturwissenschaften hingegen gelingt es den Mädchen im Verlauf der Sekundarstufe, den Vorsprung, den die Jungen noch am Ende der Grundschule aufweisen konnten, deutlich zu verringern.

Für Schülermerkmale wie den Migrationsstatus, das elterliche Bildungs­niveau oder die soziale Lage der Schülerfamilien lassen sich teilweise beträchtliche Unterschiede in den Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler bereits am Ende der Grundschulzeit feststellen. Diese deutlichen Niveauunterschiede bleiben erhalten, da die Lernentwicklungen zum großen Teil gleichförmig verlaufen.

Auch in den Jahrgangsstufen 7 und 8 finden noch Schulformwechsel statt. Der Anteil dieser Übergänge ist allerdings im Vergleich zu den Quoten der ersten zwei Jahre der Sekundarstufe deutlich geringer und betrifft 3,7 Prozent der Schülerschaft. Von diesen wechselt der Großteil zwischen den Haupt- und Realschulklassen, nur wenige Schülerinnen und Schüler gehen in den Jahrgangsstufen 7 und 8 auf ein Gymnasium über. Dies zeigt, dass Schulformentscheidungen hauptsächlich in der Beobachtungsstufe bzw. im Übergang von der sechsten in die siebte Jahrgangsstufe korrigiert werden.

Immerhin verbleiben 66,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler ohne Gymnasialempfehlung bis zum Ende der Jahrgangsstufe 8 auf dem Gymnasium. Da zu diesem Zeitpunkt die Schullaufbahn noch nicht abgeschlossen ist, kann zwar kein abschließendes Urteil über die Zuverlässigkeit der Grundschulempfehlung getroffen werden, dennoch scheinen diese Schülerinnen und Schüler den Leistungsanforderungen des Gymnasiums bislang standhalten zu können.

Mit der nach Abschluss der Beobachtungsstufe erfolgten weiter differenzierten institutionellen Aufteilung der Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe 7 in die Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium sind bildungswirksame Effekte verbunden. Schülerinnen und Schüler am Gymnasium und – in etwas geringerem Ausmaß – an der Realschule, profitieren im Vergleich zu den Hauptschülerinnen und Hauptschülern in ihrer Lernentwicklung in doppelter Weise, nämlich vom positiven institutionellen Effekt dieser Schulformen und von einem durchschnittlich höheren Vorwissen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Umgekehrt stellt die Hauptschule im Vergleich zu den übrigen Schulformen kein günstiges Lernmilieu dar. Diese bildungsgangspezifischen Nachteile lassen sich nicht allein auf die leistungsbezogene und soziale Komposition der Schülergruppen zurückführen. Vielmehr sprechen die Befunde dafür, dass sowohl Effekte der Schülergruppierung als auch institutionell erzeugte Unterschiede in den Lernbedingungen, die unter anderem auf schulformspezifische Stundentafeln, Bildungspläne und Unterrichtskulturen zurückgeführt werden können, für die Entstehung differenzieller Entwicklungsverläufe von Bedeutung sind. Beispielsweise führt auch in Hamburg die höhere Zahl an erteilten Unterrichtsstunden am achtstufigen Gymnasium erwartbar zu höheren Leistungen.

Der Bericht zu KESS 8 wurde in Kooperation zwischen dem Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund und dem Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) der Freien und Hansestadt Hamburg erstellt.

Ansprechpartner

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von wüg, am 19.04.2010, 16:05

Wenn die Ergebnisse in den Hauptschulen und Realschulen also "zu gut" sind wird das Potential angeblich nicht ausgeschöpft. Wenn sie "zu schlecht" sind zeigt das das Scheitern dieser Schulformen. Aha.

Nicht jeder muss aufs Gymnasium. Die Wege guter Bildung sind unterschiedlich.


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