Deutsches Studentenwerk
Wenn die Eltern nicht zahlen können, jobben die Studierenden dafür
Neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW): Für 59% der Studierenden bezahlen die Eltern die Gebühren - 30% der Studierenden bezahlen mit Mitteln aus eigenem Verdienst - Nur 11% nehmen Studiengebühren-Darlehen in Anspruch - Deutliche Unterschiede nach sozialer Herkunft - In hohen Herkunftsgruppen zahlen die Eltern, Studierende aus niedriger Herkunftsgruppe jobben mehr und nehmen stärker Darlehen in Anspruch
Mehr zu: Auslese, BAföG, Bildungsbericht, Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Statistik, Stipendien, Studiengebühren, Studienwahl, HochschuleDie neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) belegt erstmals, wie die Studierenden in Deutschland ihre Studiengebühren bezahlen: Für 59% bezahlen die Eltern, 30% der Studierenden greifen auf Mittel aus eigenem Verdienst zurück, nur 11% nehmen ein Studiengebühren-Darlehen in Anspruch. Derzeit werden Studiengebühren noch in sechs Bundesländern erhoben; 59% der Studierenden sind davon betroffen, faktisch bezahlen müssen die Gebühren 48% der Studierenden.
Bei der Vorstellung der Zahlen heute in Berlin betonte DSW-Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat: "Studiengebühren belasten die Studierenden unterschiedlich, und zwar je nach dem, aus welcher sozialen Schicht sie kommen."
"Studierende aus der niedrigen sozialen Herkunftsgruppe, also aus tendenziell hochschulfernen, einkommensschwächeren Familien, müssen mehr jobben als ihre Kommilitonen aus hochschulnahen, einkommensstarken Haushalten, sofern sie nicht zu der geringen Zahl derjenigen gehören, die ein Studiengebühren-Darlehen in Anspruch nehmen. In hochschulnahen Elternhäusern zahlen die Eltern in der Regel die Gebühren", führte Dobischat aus. Je nach Land und Hochschule betragen die Gebühren zwischen 300 und 500 Euro im Semester.
Dobischat sagte: "Schafft es ein Kind – trotz der Selektion im Schulsystem – aus einer hochschulfernen und einkommensschwächeren Familie zur Hochschule, dann steht es schon wieder vor einer neuen Hürde."
Fast ein Viertel der Gebührenzahler, beklagte Dobischat, lebe in einer finanziell angespannten Situation. Er führte aus: "Studiengebühren sind ein Kostenfaktor, und die Studierenden reagieren mit kostensparenden Gegenstrategien. Sie jobben mehr, sie weichen auf preisgünstige Wohnformen wie das Elternhaus oder das Wohnheim aus."
Veränderungen im Sozialgefüge der Studierenden oder Wanderungsbewegungen in gebührenfreie Länder aufgrund von Studiengebühren sind bisher kaum signifikant, gibt Dobischat zu. "Aber daraus zu folgern, Studiengebühren seien kein Problem, ist fahrlässig. Für diejenigen Studierenden, die sie aus eigenen Mitteln bezahlen müssen, stellen sie eine reale Belastung dar."
Hintergrund: 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks
Alle drei Jahre werden die Studierenden in Deutschland im Rahmen der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage befragt. Finanziert wird die repräsentative Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, wissenschaftlich durchgeführt vom Hochschul-Informations-System. An der jüngsten, 19. Sozialerhebung nahmen im Sommer 2009 16.370 Studierende von 210 Hochschulen teil. Zu diesem Zeitpunkt waren 59% der Studierenden an Hochschulen eingeschrieben, die allgemeine Studiengebühren erheben.
Das vollständige Statement von DSW-Präsident Rolf Dobischat zum Download.
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