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Elternarbeit

VBE: Klartext in der Schule mit Eltern sprechen

Negatives Verhalten der Kinder als solches auch benennen

Mehr zu: Baden-Württemberg, Elternarbeit, Kopfnoten, Werteerziehung, Zeugnis, Schule
Stuttgart, 25.05.2010 -

Nach Aussage des Sprechers des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg hat sich in der Pädagogik immer mehr eine Sprache eingeschlichen, die eher verharmlost, beschönigt und der Schulwirklichkeit nicht gerecht wird. Es scheint nicht mehr politisch korrekt zu sein, klar zu sagen, was im Unterricht zu beanstanden und welche Verhaltensänderung des Schülers nötig ist. Stattdessen werden von Lehrern wichtige Hinweise gefiltert und verklausuliert an Eltern weitergegeben, Negatives in Schulbe­richten und Zeugnissen meist viel zu diffus umschrieben. Das wissen Eltern dann oft nicht richtig einzuordnen und vor allem hilft es ihnen nicht weiter.

Wie so oft in der modernen Pädagogik traue man sich nicht mehr, klare und deutliche Worte zu formulieren, moniert der VBE-Sprecher. Dies führe immer wieder zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. In Zeugnissen sind die Lehrer verpflichtet, den Schüler in den verbalen Beurteilungen positiv aufbau­end darzustellen, was in der Praxis Pädagogen mitunter zu verschleiernder Wortakrobatik verleitet.

"Strafarbeiten" dürfen nicht als solche benannt werden, sondern sollten als "Zusatz- oder Sonderaufgaben" etikettiert werden. "Nachsitzen" sei schon lange verpönt und werde gerne beschönigend mit "den Stoff in der Schule nachholen" umschrieben. "Das heißt nun nicht, dass sich Lehrer für aufsässige Schüler wie­der den `Karzer´ herbeisehnen. Dass aber unter `Rektoratsarrest´ eindeutig eine Strafmaßnahme für negatives Verhalten und kein Beschäftigungsprogramm für gelangweilte Schüler gemeint ist, könnte man Eltern und Schülern wesentlich besser vermitteln als mit weich gespülten, gekünstelten Wortschöpfungen", ver­sichert der VBE-Sprecher.

Pädagogen trauen sich kaum noch, Eltern gegenüber Klartext zu sprechen, aus Angst anzuecken, als reaktionär, autoritär oder als nicht "modern und weltoffen" zu gelten. Was sich Grundschullehrer(innen) heute von so manchem wenig erzo­genen Schüler an Kraftausdrücken anhören müssen, ist nicht mehr zu tolerieren. Trotzdem wird in Elterngesprächen viel zuviel Verständnis für diese Ausfällig­keiten aufgebracht, beschwichtigt, beschönigt. "Eine klare Sprache mit gemein­samen Zielvereinbarungen ist jedoch unumgänglich, wenn man eine Verhaltens­änderung des Schülers herbeiführen möchte", behauptet der VBE-Sprecher. Er­ziehung sei bisweilen Schwerstarbeit - für Eltern und Lehrer.

Ansprechpartner

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Franz Josef Neffe, am 26.05.2010, 23:43

Der Klartext wäre sehr hilfreich, wenn damit nicht einfach nur der Schwarze Peter weitergeschoben wird. Statt Eltern damit zu konfrontieren, was ihr Kind verkehrt macht, wäre es wesentlich hilfreicher, über die pädagogischen Initiativen und ihre ersten Erfolge zu berichten und die Eltern zur Mitarbeit am Erfolg zu gewinnen. In der neuen Ich-kann-Schule hab ich schon vor 25 Jahren in einem Kapitel die üblichen Elterngespräche mit Druck denen der Ich-kann-Schule mit Sogwirkung gegenübergestellt.

Klartext reden macht erst Sinn, wenn man über Erfolg berichten kann; solange man keinen Erfolg zustande bringt, schweigt man besser - auch klar.

Ich grüße freundlich.

Franz Josef Neffe


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