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Letzte Änderung: 26.05.2012, 10:55
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Vergleichsarbeiten 2010

Vergleichsarbeiten 2010: Auch dieses Mal wenig Ertrag bei hohem Aufwand und oft unerfreulichen Nebenwirkungen

Mehr zu: Grundschule, VERA (Studie), Vergleichsarbeiten, Schule
Frankfurt am Main, 02.06.2010 -

Der Grundschulverband hat die Lernstandserhebungen am Ende der Grundschulzeit (VERA 3) seit ihrer Einführung 2004 kritisch-konstruktiv begleitet. Seine Stellungnahmen beziehen sich einerseits auf detaillierte fachdidaktische Analysen der konkret gestellten Aufgaben, zum anderen grundsätzlicher auf die Funktion bzw. Leistungsfähigkeit solcher Erhebungen und den Status der Test-Ergebnisse (vgl. Grundschule aktuell Nr. 89, 90, 99, 103).

Leider sind diese Hinweise bisher ohne erkennbare Folgen geblieben: Rückmeldungen aus den Grundschulen zur aktuellen Runde (Anfang Mai 2010) bestätigen erneut die mehrfach geäußerte Kritik. Wir verweisen deshalb auf unsere Anmerkungen in den o. g. Publikationen und erneuern dringlich unsere Forderungen:

  1. Beschränkung der Erhebungen auf Stichproben, die nur alle drei bis fünf Jahre gezogen werden: Dies ist für eine Systemevaluation auf Landesebene und auch für eine regelmäßige Rückmeldung an die Schulen ausreichend. Flächendeckende Erhebungen erübrigen sich zudem, da die diagnostische Information für eine gezielte Förderung einzelner Kinder zu gering ist: (a) wegen der Beschränkung jeder Testrunde auf kleine Ausschnitte der einbezogenen Fächer und (b) wegen der zu grobmaschigen Auswertung.

  2. Angebot von mindestens zwei (sich überlappenden) Teststufen zur Differenzierung der Anforderungen, damit auch Kinder mit schwächeren Voraussetzungen oder geringerer Sprachfähigkeit fachliches Können erleben und zeigen können. Zusätzlich sollten der zeitliche Bearbeitungsaufwand verringert bzw. die Bausteine in geeignete Blöcke (à 30-40 min) aufgeteilt werden, so dass sich die Belastung für die Kinder angemessen reduziert.

  3. Verringerung der Sprachlastigkeit von Mathematikaufgaben, damit nicht Leseschwierigkeiten die fachlichen Anforderungen überlagern. Anpassung von Sprache und Inhalt der Leseaufgaben an die Alltagserfahrung von Grundschulkindern.

  4. Reduktion des Aufwands für die Lehrpersonen bei der Vorbereitung und Auswertung – vor allem, solange die Ergebnisse keine Folgen haben für eine stärkere Unterstützung von Kindern, Lehrer/inne/n und Schulen, die - z. B. wegen erschwerter Bedingungen - die Ziele deutlich verfehlen. Zudem: Die Erhebungen erfolgen im Auftrag der Bundesländer, die Kosten werden in einigen von ihnen durch die Kommunen / Schulen getragen. Auch dieser Missstand ist zu beseitigen.

Eine Vergleichbarkeit wäre im Übrigen nur zu gewährleisten, wenn die Tests durch Schulexterne durchgeführten würden (was bei einer Beschränkung auf Stichproben und eine Wiederholung nur alle 3-5 Jahre auch finanziell möglich wäre). Auf alle Fälle ist die Durchführung so zu gestalten, dass das pädagogisch geprägte Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer/inne/n und Schüler/inne/n nicht gefährdet wird. Diese Gefahr besteht, solange eine Überforderung, Frustration und Beschämung leistungsschwacher Schüler/inne/n aufgrund testtheoretischer Konstruktionsnotwendigkeiten in Kauf genommen wird.

Es ist richtig, dass Lehrer/innen Hilfen für die Evaluation ihrer Arbeit und der Lernfortschritte bzw. - schwierigkeiten ihrer Schüler/innen brauchen. Diese müssen aber pädagogisch und didaktisch zum Unterricht kompatibel, inhaltlich ergiebig und alltagstauglich sein.

Für Schulen wäre der Ertrag höher, wenn sie aus einem Pool Testaufgaben selbst zusammenstellen und diese einsetzen könnten, nachdem sie die entsprechenden Unterrichtsinhalte tatsächlich bearbeitet haben (Unterrichtsevaluation). Die mit repräsentativen Stichproben erzeugten Normwerte aus dem Systemmonitoring könnten dann hilfreiche Vergleichswerte liefern. Aber die Politik steckt in einem selbst erzeugten Dilemma: Einerseits traut sie den Lehrer/inne/n nicht und macht deshalb die Lernstandserhebungen zu einer verpflichtenden Überraschung für alle; auf der anderen Seite lässt sie die Lehrpersonen die Tests selbst durchführen, auswerten und eingeben und öffnet damit Verfälschungen Tür und Tor.

Und ein letztes: Für die Evaluation einzelner Kinderleistungen brauchen Lehrer/innen förderdiagnostisch relevante Verfahren. Der Grundschulverband verweist deshalb erneut auf sein – mit Kolleg/inn/en aus Schule und Wissenschaft entwickeltes - Angebot differenzierter Aufgaben zur Lernbegleitung, die Beobachtungshilfen mit konkreten Förderhinweisen - für alle Lernbereiche über die ganze Grundschulzeit hinweg - verbinden:

Bartnitzky, H., u. a. (Hrsg.): Pädagogische Leistungskultur. Beiträge zur Reform der Grundschule. Grundschulverband: Frankfurt:
Bd. 119 (2005): Materialien für Klasse 1/2 (Deutsch, Mathematik, Sachunterricht)
Bd. 121 (2006): Materialien für Klasse 3/4 (Deutsch, Mathematik, Sachunterricht)
Bd. 124 (2007): Ästhetik, Sport, Englisch - Arbeits-/Sozialverhalten

Prof. Dr. Hans Brügelmann, Fachreferent im Grundschulverband für "Schulische Qualitätsentwicklung", 31.5.2010

V.i.S.d.P: Maresi Lassek, Vorsitzende, Niddastr. 52, 60329 Frankfurt/Main

Ansprechpartner

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Horst Költze, am 08.06.2010, 23:37

Nur eine Frage:

Seit 2004 kritisiert der Grundschulverband die Praxis von VERA bietet konstruktive Vorschläge, ohne dass die Verantwortlichen eine Korrektur vornehmen.

WAS MUSS GESCHEHEN, DAMIT DIESE

PÄDAGOGISCH UNSINNIGE UND AUFWENDIGE TESTEREI AUFHÖRT???

von Severin, am 07.12.2010, 09:18

Ich finde es auch unangemessen, einem Schüler nur einen Punkt zu geben, wenn die ganze Aufgabe richtig gelöst ist. Manchmal fehlt das Wissen, die Aufgabe richtig zu Ende zu bringen, aber wenn der Lösungansatz richtig ist, warum gibt es da nicht wenigstens einen halben Punkt?, so wie bei normalen Klassenarbeiten auch ? So werden die Ergebnisse immer schlecht bleiben und die Kinder fühlen sich ungerecht behandelt, weil man ja auch kaum für so einen Test lernen kann - WEIL: alles kann ´rankommen. :(


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