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Letzte Änderung: 09.02.2012, 18:25
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"Die Muttersprache ist der Schlüssel für die zweite Sprache"

Interview mit Gila Hoppenstedt zur Förderung von Mehrsprachigkeit im Kindergarten

Mehr zu: Deutsch, Fremdsprachen, Frühe Förderung, Integration, Interviews, Migration, Muttersprache, Sprachförderung, Kindergarten / Vorschule
Troisdorf / Köln, 08.06.2010 -

Wer seine Muttersprache beherrscht, hat den Grundstein zum Erlernen weiterer Sprachen gelegt. Und das bedeutet: Kindergartenkinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist, müssen zweisprachig gefördert werden: in ihrer Muttersprache und in der Fremdsprache Deutsch. Wie sich dies in den Kindergartenalltag einbauen lässt, erläutert Gila Hoppenstedt vom German Institute for Immersive Learning (GIFIL), Kiel. Sie ist Autorin der Reihe "Meine Sprache als Chance - Förderung von Mehrsprachigkeit für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache".

Frau Hoppenstedt, für rund ein Drittel der Kita-Kinder ist Deutsch nicht ihre Muttersprache. Sie sollten aber in dieser Institution möglichst früh die deutsche Sprache lernen. Mit Ihrem Buch wollen Sie Erzieherinnen Handreichungen zur Sprachförderung dieser Kinder geben. Was ist das Besondere an Ihrem Konzept?

Gila Hoppenstedt: Das Besondere an dem Konzept ist, dass wir die Bedeutung der Muttersprache für den Erwerb der deutschen Sprache sehr ernst nehmen. Die Muttersprache ist der Schlüssel für die zweite Sprache, und die Kinder greifen lange darauf zurück. Die Muttersprache ist Teil ihrer Identität, nur in ihr können sie anspruchsvolle Inhalte verstehen und sich vollständig altersgemäß ausdrücken. Sie ist solange Motor ihrer kognitiven Entwicklung, bis die deutsche Sprache diese Rolle übernehmen kann. Das wissen wir schon lange, und das wird immer wieder von der Forschung bestätigt. Inzwischen wird es endlich auch von der Politik angemahnt.

Wie kann es gelingen, beide Sprachen - also die Muttersprache und Deutsch - zu fördern? Schließlich sind Erzieherinnen in der Regel nicht mehrsprachig.

Gila Hoppenstedt: Wünschenswert wären mehr Fachkräfte in den Muttersprachen der Kinder. Wir können aber über Medien beide Sprachen dadurch fördern, dass wir gleiche Inhalte in beiden Sprachen anbieten. Dafür bieten sich kleine interkulturell verständliche Geschichten an. Die Kinder erhalten über den muttersprachlichen Text einen Zugang zu dem deutschen Text. Sie wissen, worum es geht, sind motiviert und können sich auf das Einhören konzentrieren, das so wichtig für den Spracherwerb ist.

Schließt das Konzept auch die Eltern mit ein?

Gila Hoppenstedt: Ja, die Eltern sind ganz wichtig. Wir wissen aus Projekten, die nach unserem Konzept arbeiten, dass die Eltern sehr glücklich sind, wenn sie erfahren, dass die Kinder auch in der Muttersprache gefördert werden. Dadurch wird ihre Muttersprache ernst genommen, sie werden als kompetente Partner angesprochen, und sie werden motiviert und interessiert sein, sich mit den Kindern über die Inhalte zu unterhalten. Die Einbeziehung der Eltern ist Sprachförderung im besten Sinne.

Welche Rolle spielen die mehrsprachigen Bilderbücher und Hörbücher und wie können sie eingesetzt werden?

Gila Hoppenstedt: Die Bilderbücher und Hörbücher bieten die jeweils gleiche Geschichte in jeweils zwei Sprachen. Die Kinder haben also verschiedene Zugänge: Die Geschichte wird ihnen vorgelesen, sie betrachten die Bilder, sie hören die Geschichte. Sie können an Hörstationen alleine hören. Das Tolle an den Medien ist die Wiederholbarkeit. Da Kinder Geschichten gerne immer wieder hören, ist hier der Weg von der einen in die andere Sprache leicht gemacht. Sie erleben einen Kompetenzzuwachs, der sie motivieren wird.

Können auch Kinder mit Deutsch als Muttersprache von dem Konzept profitieren?

Gila Hoppenstedt: Ja, natürlich. Die Mehrsprachigkeit wird nicht mehr als "Behinderung" der Kinder mit Migrationshintergrund erfahren, sondern als Selbstverständlichkeit. Die Kinder erfahren mehr über Sprache und über den Spracherwerb, sie werden Sprachvergleiche anstellen und sich für Mehrsprachigkeit überhaupt interessieren. Ein erweitertes Sprachbewusstsein (language awareness) ist ein wichtiges Bildungsziel auch in der Frühförderung.

Haben sie bereits Rückmeldungen aus den Kitas?

Gila Hoppenstedt: Die ersten Rückmeldungen sind positiv. Sie zeigen, wie wichtig der Ansatz ist. Das Bewusstsein für die wichtige Rolle der Muttersprache ist gewachsen und die Fachkräfte haben endlich etwas, womit sie anfangen und Brücken zu den Eltern bauen können.


- Fachtagung
Am 21. Juni veranstaltet der Bildungsverlag EINS in Mainz eine Fachtagung zum Thema "Meine Sprache als Chance". Die zwölf Workshops werden unter anderem geleitet von Gila Hoppenstedt, Prof. Dr. Johannes Merkel (Universität Bremen), Prof. Dr. Ernst Apeltauer, (Universität Flensburg, Projektleiter des Kieler Modells) und Prof. Dr. Otto Filtzinger (Institut für Interkulturelle Pädagogik im Elementarbereich Mainz). Weitere Informationen zur Tagung: www.bildung-von-anfang-an.de/_download/Fachtag_Mainz.pdf

- Zweisprachige Materialien
Die Reihe "Meine Sprache als Chance – Förderung von Mehrsprachigkeit" mit Handbuch sowie zweisprachigen Bilder- und Hörbüchern gibt es in den Sprachen Deutsch-Englisch, Deutsch-Russisch und Deutsch-Türkisch. Weitere Informationen: www.bildung-von-anfang-an.de/mehrsprachigkeit

Bildung von Anfang an

Mit einem Angebot rund um die Bildung von Anfang an unterstützt der Bildungsverlag EINS Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer alltäglichen Bildungsarbeit in den Kindertagesstätten. Ausgangspunkt für das Angebot ist der ganzheitliche Bildungsgedanke, so wie ihn auch die Bildungspläne der Bundesländer vorsehen. Das Konzept des Bildungsverlag EINS ist darauf ausgerichtet, Schritt für Schritt alle Bereiche des Bildungsplans abzudecken. Erzieherinnen und Erzieher können so aus einer Hand alles erhalten, was sie in ihrer Bildungspraxis unterstützt.

Pressekontakt zu dieser Meldung

Tanja Weppler
Marketing

Bildungsverlag EINS GmbH
Sieglarer Straße 2
53842 Troisdorf

Telefon: +49 2241 39 76-256
Telefax: +49 2241 39 76-888
E-Mail:
www.bildungsverlag1.de

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