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Baden-Württemberg

Spitzenpositionen für Baden-Württemberg im ersten Ländervergleich der KMK-Bildungsstandards in allen Testbereichen

Kultusministerin Marion Schick: Weitsichtige und fundierte Bildungspolitik der vergangenen Jahre hat sich ausgezahlt - Hoher Schüleranteil erreicht Standards des mittleren Ab-schlusses bereits in Klasse 9 - Entkopplung Bildungserfolg von sozialer Herkunft wichtigste Zukunftsaufgabe

Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungsbericht, Bildungschancen, Bildungsmonitor, Bildungsstandards, Deutsch, Föderalismus, Fremdsprachen, Statistik, Schule
Stuttgart, 23.06.2010 -

"Die Spitzenpositionen Baden-Württembergs beim Ländervergleich belegen eindrucksvoll, dass wir dank der weitsichtigen und fundierten Bildungspolitik der vergangenen Jahre den richtigen Weg eingeschlagen haben. Das gute Abschneiden ist aber auch das Verdienst der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer. Sie können wirklich stolz sein auf diese hervorragenden Ergebnisse", sagte Kultusministerin Marion Schick anlässlich der Veröffentlichung des KMK-Ländervergleiches am Mittwoch (23. Juni 2010) in Stuttgart.

"Unsere nationale Vorreiterrolle bei Reformen wie der Einführung von Bildungsplänen und flächendeckenden Diagnose- und Vergleichsarbeiten hat sich ausgezahlt. Wir haben in den vergangenen Jahren die Chancen genutzt und die Qualität des Bildungssystems kontinuierlich weiterentwickelt."

Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) und die Kultusminister-konferenz (KMK) haben am heutigen Mittwoch die Ergebnisse der ersten zentralen Überprüfung des Erreichens der KMK-Bildungsstandards veröffentlicht. Getestet wurden Schülerleistungen der neunten Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch. Im Fach Deutsch wurden die Bereiche Lesen, Hörverstehen und Orthografie getestet, in den Fremdsprachen die Bereiche Lesen und Hörverstehen. In allen getesteten Fächern erreicht Baden-Württemberg im Ländervergleich Spitzenplätze und liegt hinter Bayern bundesweit auf dem zweiten Platz. Lediglich im Bereich Lesen im Fach Deutsch liegt Baden-Württemberg hinter Bayern und Sachsen auf dem dritten Rang - in allen Testbereichen aber trotzdem noch signifikant über dem Bundesdurchschnitt. In Französisch konnten aufgrund der zu geringen Zahl an Schulen, die Französisch als erste Fremdsprache anbieten, keine Ländermittelwerte ausgewiesen werden.

Im Kapitel "Blick in die Länder" wird für alle getesteten Bereiche das Erreichen der für die zehnte Jahrgangsstufe ausgewiesenen Bildungsstandards dargestellt. Dabei wird anhand fünfstufiger Kompetenzstufenmodelle transparent gemacht, inwieweit bereits in der neunten Klasse die Standards für die zehnte Jahrgangsstufe erreicht werden. "Im Fach Deutsch hat die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg in allen Testbereichen bereits in Klasse neun die Standards des mittleren Abschlusses erreicht", hob Ministerin Schick hervor. Beim Hörverständnis seien es 90, beim Lesen 73 und im Bereich Orthografie 87 Prozent. In Englisch prognostiziere die Studie, dass nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler die Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss verfehlten und dass über 60 Prozent die Erwartungen der Standards übertreffen würden.

"Der KMK-Ländervergleich zeigt sehr deutlich, wie wichtig Kontinuität und Verlässlichkeit in der Bildungspolitik sind. Die Spitzenländer Bayern und Baden-Württemberg haben ihre Schul- und Bildungssysteme besonnen, zielstrebig und ohne radikale Brüche weiterentwickelt. Es hat sich gelohnt, dass wir uns auf die wichtigsten Stellschrauben - nämlich die Qualität von Unterricht und Schule - konzentriert und diese stetig weiterentwickelt haben", sagte die Ministerin.

Die Befunde, wie sich die soziale Herkunft auf den Bildungserfolg auswirkt, sind vor dem Hintergrund, dass Baden-Württemberg einen überdurchschnittlichen Schüleranteil mit Migrationshintergrund aufweist, besonders in den Blick zu nehmen. Hierbei wird deutlich, dass es auch in Baden-Württemberg eine große Streuung in den Leistungen von Migranten und Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshin-tergrund gibt. "Hier ist aber mit Ausnahme des Bereiches Orthografie bemerkenswert, dass die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg bundesweit die besten Ergebnisse in allen Testbereichen erzielen", betonte Schick und versicherte aber zugleich, dass man sich mit diesem Ergebnis keinesfalls zufrieden zurücklehne.

Expertenrat zur gezielten Förderung bildungsferner Kinder

"Wir dürfen uns auf diesen insgesamt sehr positiven Ergebnissen nicht ausruhen, denn der Ländervergleich macht ebenfalls deutlich, dass wichtige Zukunftsaufgaben vor uns liegen. Wir müssen die breite Streuung der Schülerleistungen verringern, den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg weiter lockern und die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund noch gezielter fördern. Es hat sich in diesem Bereich seit PISA 2003 zwar schon einiges bewegt, so dass wir auf dem richtigen Weg, aber noch keineswegs am Ziel sind", erklärte die Kultusministerin. Mit dieser Problematik werde sich der bereits im Rahmen der 100-Tage-Bilanz angekündigte Expertenrat, der bundesweit einzigartig sei und der sich noch vor der Sommerpause konstituieren werde, vertieft auseinandersetzen und bis Ende des Jahres Handlungsempfehlungen ausarbeiten. "Wir wollen und wir werden hier gegensteuern und unsere Schulen im Land noch stärker darin unterstützen, dass sie unseren Schülerinnen und Schülern möglichst breite und differenzierte Unterrichts- und Hilfsangebote machen können."

Hintergrundinformation für die Redaktionen:

Mit den Bildungsstandards der KMK steht den Ländern ein bundesweit geltender Bezugsrahmen für die Kompetenzen zur Verfügung, die Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Bildungslaufbahn erreichen sollen. In Anbindung an die internationalen Tests PISA und IGLU hat das IQB zentrale Testverfahren entwickelt, die in einer repräsentativen Stichprobe das Erreichen der Bildungsstandards in regelmäßigen Abständen überprüfen. Im ersten Ländervergleich wurden nun Schülerinnen und Schüler aller Schularten der Jahrgangsstufe neun in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch getestet. Im Sinne der Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmonitoring lösen die Tests des IQB die bisherigen PISA-Ländervergleiche ab und überprüfen, inwieweit die Bildungsstandards in den 16 Ländern erreicht werden. Die getestete neunte Jahrgangstufe ist die erste Jahrgangsstufe in Baden-Württemberg, die komplett ab Klasse fünf (Schuljahr 2004/05) auf Grundlage der Bildungsstandards der neuen Bildungspläne unterrichtet wurde. Darüber hinaus liefert die Studie Erkenntnisse, inwieweit soziale Herkunft, Geschlecht oder Migrationshintergrund die Leistungen beeinflussen.

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