Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Zum KMK-Ländervergleich "Bildungsstandards" - Zöllner: "Berlin kennt seine Schwächen – und seine Stärken"
Mehr zu: Berlin, Bildungsbericht, Bildungschancen, Bildungsstandards, Deutsch, Föderalismus, Fremdsprachen, Heterogenität, Statistik, SchuleBerliner Schülerinnen und Schüler entwickeln teilweise zu geringe Kompetenzen im Fach Deutsch, zeigen dagegen in Englisch durchaus akzeptable und in Französisch gute Leistungen. Dies ist die Kernbotschaft des Ländervergleichs zur Überprüfung der von der Kultusministerkonferenz vereinbarten Bildungsstandards.
Der Vergleich ist das Ergebnis einer Untersuchung des IQB (Institut zur Qualitätsent-wicklung im Bildungswesen) im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Im Rahmen des Ver-gleichs wurden im Mai 2008 (Fach Französisch) und im April/Mai 2009 (Englisch, Deutsch) bundesweit Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse getestet. Grundlage der Untersuchungen waren die Standards zum Erreichen des Mittleren Bildungsabschlusses. Diesen erwerben die Schülerinnen und Schüler in der Regel nach der Klassenstufe zehn.
Kompetenzen in Deutsch: Große Herausforderungen, differenzierte Analyse
Die Werte für Berlin zeigen ein differenziertes Bild: Bei den Kompetenzbereichen Lesen, Zuhören und Orthografie gehört das Land gemeinsam mit den beiden anderen Stadt-staaten Bremen und Hamburg sowie Brandenburg zu den Ländern, die deutlich unter dem Mittel erzielter Leistungen liegen. Wie bereits bei PISA-E zeigt sich eine breite Streuung der Berliner Werte und das sich dahinter verbergende hohe Maß an Heterogenität der Berliner Schülerschaft. Am Beispiel der Werte für die Kompetenzen im Fach Deutsch (Lesekompetenz) zeigt sich, dass die besten 10 % der Berliner Schülerinnen und Schüler Werte wie der Spitzenreiter Bayern erreicht, teils sogar darüber liegt. Dagegen fallen die schlechtesten umso deutlicher hinter die Werte der Spitze zurück [1]. Betrachtet man Berlins Gymnasien, so liegt Berlin bei der Lesekompetenz im unauffälligen, hinteren Mittelfeld [2]. Bei den Kompetenzen "Zuhören" und "Orthografie" dagegen in der Gruppe der Länder, die deutlich unter den Mittelwerten liegen.
Kompetenzen im Fach Englisch: Berlin im Mittelfeld
Im Fach Englisch liegen die Länder insgesamt näher zusammen. Die Ergebnisse der Berliner Schülerinnen und Schüler bei Hörverstehen und Leseverstehen liegen auf dem gleichen Niveau im Mittelfeld (8. bzw. 9. Platz). Auch bei den Gymnasial-Schülerinnen und Schülern belegt Berlin wiederum einen Platz im Mittelfeld, hier u.a. vor Niedersachsen [3].
Kompetenzen im Fach Französisch: Spitzenwerte im Bundesvergleich
Besonders positive Ergebnisse erreicht Berlin im Fach Französisch, das allerdings nur in den sechs Ländern untersucht wurde, die Französisch als erste Fremdsprache anbieten. Auf der Skala des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens erreichen die Schülerinnen und Schüler sowohl aus dem gymnasialen, als auch aus dem nicht-gymnasialen Bereich gute Ergebnisse. Berlin führt die Rangfolge der Gruppe der Schülerinnen und Schüler mit der höchsten Kompetenzstufe an. 23,2 % erreichen diese vor z.B. Hessen mit 20 % [4].
Soziale Herkunft, Migrationshintergrund: Berlins besondere Herausforderungen
Den Grad der Herausforderungen für Berlin zeigt ein Blick auf die "sozialen Disparitäten" und die Frage nach der Bildungsbeteiligung. Die Abhängigkeit des Kompetenzerwerbs von der sozialen Herkunft ist in Berlin im deutschlandweiten Vergleich mit Abstand am größten: So heißt es im Bericht zu Berlin wörtlich "Über 16 % im Lese- und 15 % im Zu-hören können durch die soziale Herkunft der Eltern erklärt werden." [5]. Berlin steht also vor Herausforderungen, die sich in anderen Bundesländern nur in sehr viel geringerem Maße stellen. Gleichzeitig hebt der Bericht hervor, dass Berlin bei der Frage nach der Bildungsbeteiligung besonders gute Werte erzielt. In Bayern hat dem Bericht zufolge ein Kind mit mindestens einem Elternteil aus der "oberen Dienstklasse" (z.B. höhere u. mittlere Ränge der akademischen Berufe) eine 6,5fach höhere Chance ein Gymnasium zu besuchen als ein Kind einer leitenden Arbeiterin – trotz gleicher Kompetenz. Der Bericht bemerkt hier zu Berlin: "Einzig in Berlin lässt sich nach Kontrolle der Lesekompetenz kein signifikanter Effekt der sozialen Herkunft auf den Gymnasialbesuch mehr zeigen." [6]
Der Bericht hält auch fest, dass Jugendliche türkischer Herkunft in der Kompetenz Lesen/Textverständnis deutschlandweit die schlechtesten Werte erzielten, wobei innerhalb der einzelnen Herkunftsgruppen eine erhebliche Spreizung der Werte festgestellt wurde. [7] (Langfassung, S. 211 und 212). Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund reicht bundesweit von 5,2 % (Brandenburg) über eine Gruppe zwischen rund 13 bis 18 % (Niedersachsen: 13,3 %, Bayern: 16,2 %) bis zum Spitzenwert von 31 % (Berlin).
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner (SPD): "Berlin kennt seine Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen gehört, dass zu viele Schülerinnen und Schüler in Deutsch nur den unteren Kompetenzbereich erreichen. Zu den Stärken unserer Stadt gehört, dass die Bildungsbeteiligung und die Durchlässigkeit nach oben, zu möglichst hohen Bildungsabschlüssen, trotz schwierigster Ausgangsbedingungen groß ist. Mit der Schulreform wird diese Stärke weiter ausgebaut. Die Integrierte Sekundarschule ist die richtige Antwort, da sie allen Schülern den gemeinsamen Zugang ermöglicht und die individuelle Förderung stärkt. Sie wirkt selbstverständlich auch bei der Herausbildung sprachlicher Kompetenzen."
[1]Die hier wiedergegebenen Aussagen finden sich entweder in der Zusammenfassung des Berichts wieder, kurz Zusammenfassung, oder in dem ausführlicheren Gesamtbericht "Sprachliche Kompetenzen im Ländervergleich.Hier: Zusammenfassung, S.6.
[2] Zusammenfassung, S.9.
[3] Zusammenfassung, S. 13.
[4] Langfassung, u.a. S. 123 und 138.
[5] Zusammenfassung, S.19.
[6] Zusammenfassung, S.22.
[7] Langfassung, S. 211 und 212, Zusammenfassung S. 23 - 24
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