Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)
IQB-Ländervergleich vorgestellt: Hamburger Schüler in Deutsch erneut auf den unteren Rängen
Stärken in Englisch
Mehr zu: Bildungsgerechtigkeit, Bildungsstandards, Deutsch, Föderalismus, Fremdsprachen, Hamburg, Hauptschule, Statistik, SchuleHeute ist in Berlin der Ländervergleich 2009 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) vorgestellt worden. Hamburgs Schülerinnen und Schüler belegen dabei im Fach Deutsch in allen getesteten Kompetenzbereichen im Ländervergleich untere Ränge und liegen signifikant unter dem deutschen Mittelwert. In Englisch-Leseverstehen belegt Hamburg einen mittleren Rangplatz (Rang 7). Positiv ist, dass die Hamburger Schülerinnen und Schüler im englischsprachigen Hörverstehen nach Bayern und Baden-Württemberg den dritten Rang belegen. Der Zusammenhang zwischen dem sozialen Status der Familie und dem Bildungserfolg ist nach wie vor hoch.
"Die Herkunft zählt häufig mehr als die Leistung und die Leistungen sind insgesamt nicht gut genug. Die Untersuchung zeigt: Es ist höchste Zeit für längeres gemeinsames Lernen in kleineren Klassen in der Primarschule und für stärkere individuelle Förderung aller Kinder. Damit wir in Hamburg bei Gerechtigkeit und Leistung in der Schule besser werden", sagt Bildungssenatorin Christa Goetsch.
Der IQB-Ländervergleich zeigt erneut, dass ein erheblicher Teil der Schülerinnen und Schüler in der Unterrichts- und Verkehrssprache Deutsch große Defizite aufweist. Die bereits unternommenen erheblichen Bemühungen zur Förderung der Kompetenzen in der deutschen Sprache müssen fortgeführt und intensiviert werden.
Durch die Einführung von Englisch ab der ersten Jahrgangsstufe, mit einem starken Fokus auf die mündliche Sprachpraxis, werden sich die teilweise schon guten Englisch-Leistungen weiter verbessern können.
Es gilt weiter daran zu arbeiten, dass der in Hamburg nach wie vor sehr enge Zusammenhang von sozialer Herkunft und erreichten Lernergebnissen aufgebrochen wird.
Nach den Testergebnissen gibt es in der Jahrgangsstufe 9 einen nicht unerheblichen Anteil von Schülerinnen und Schülern, die den mittleren Schulabschluss anstreben, die gezielt gefördert werden müssen, damit sie die entsprechenden Regelstandards in Jahrgangsstufe 10 erreichen können. Gerade die Jugendlichen, die in Jahrgangsstufe 9 noch nicht über die als Mindeststandards definierten Kompetenzen verfügen, benötigen besondere Unterstützung (Deutsch-Lesen 11,9%, Englisch-Leseverstehen 24,3%).
Die Einführung der Stadtteilschule, in der Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Leistungsvermögens gemeinsam gefördert werden, erweist sich vor dem Hintergrund des hohen Einflusses der sozialen Zusammensetzung der Lerngruppe auf den Schulerfolg als wichtige Reformmaßnahme.
Ein großer Teil der Hamburger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten erreicht in einigen Kompetenzbereichen gute bis sehr gute Werte. Allerdings gibt es auch an den Gymnasien eine große Leistungsstreuung und eben auch einen Anteil von Schülerinnen und Schülern, die gezielt gefördert werden müssen, um in Jahrgangsstufe 10 die Regelstandards für den mittleren Schulabschluss zu erreichen.
Dem Bildungssystem kommt bei der Integration von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft in die Gesellschaft eine besondere Rolle zu. Die nach wie vor großen Leistungsunterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund zeigen, dass weitere erhebliche Anstrengungen zu leisten sind, damit diese Jugendlichen auch in Hinblick auf ihre schulische Bildung und ihre Abschlüsse faire Chancen erhalten.
Auch die Förderung der sprachlichen Kompetenzen von Jungen bleibt eine bildungspolitisch bedeutsame Aufgabe.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Die IQB-Ländervergleiche lösen die bisherigen Bundesländervergleiche ab, die als nationale Ergänzungsstudien zu IGLU und PISA durchgeführt worden waren. Getestet wurden diesmal die sprachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 aller Schulformen der Sekundarstufe I. Dabei stellten die 2003 von der Ständigen Konferenz der Kultusminister beschlossenen Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss die Grundlage für die Testung dar. Über die Leistungstests hinaus wurden Schüler- und Lehrerfragebögen eingesetzt.
Von den im Ländervergleich getesteten Kompetenzbereichen war nur das Leseverstehen deutscher Texte bereits Bestandteil der PISA-Studien. Alle anderen Kompetenzbereiche werden für die Sekundarstufe I erstmalig national verglichen. In Hamburg nahmen 144 Schulen an der Studie teil, davon 50 Gymnasien, 34 Integrierte Gesamtschulen, 24 Realschulzweige, 23 Hauptschulzweige und 13 Integrierte Haupt- und Realschulen.
Im Fach Deutsch erreicht Hamburg in allen getesteten Bereichen Werte, die signifikant unterhalb des Bundesdurchschnitts liegen (Lesen Rang 14, Hörverstehen Rang 13, Orthografie Rang 14). In allen Kompetenzbereichen, insbesondere im Lesen, ist die Leistungsstreuung vergleichsweise breit. Auch die Ergebnisse der Hamburger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten liegen in Deutsch in allen Kompetenzbereichen unter den im Ländermittel von dieser Schülerschaft erzielten Werten.
Betrachtet man nur die Schülerinnen und Schüler in Hamburg, die mindestens einen mittleren Schulabschluss anstreben, so zeigt sich folgender Befund: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in der Jahrgangsstufe 9 die Mindeststandards verfehlen, liegt zwischen 2,3 Prozent (Deutsch-Hörverstehen) und 11,9 Prozent (Deutsch-Lesen). Die Mindeststandards erreichen in Deutsch-Hörverstehen 14,8 Prozent und in Deutsch-Lesen 24,9 Prozent. Damit erreichen im Lesen 36,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe 9 noch nicht die für den mittleren Schulabschluss festgelegten Regelstandards. Umgekehrt heißt das, dass bereits zu diesem Zeitpunkt 63,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler diese Standards erfüllen.
Im Englischen als erster Fremdsprache liegen die Hamburger Schülerinnen und Schüler im Ländervergleich auf Rang 7 (Leseverstehen) bzw. 3 (Hörverstehen). Während die Leistungsstreuung im Leseverstehen nur im Saarland, in Bremen und Berlin größer ist als in Hamburg, fällt sie im Bereich Hörverstehen vergleichsweise klein aus. Die Leistungen der Hamburger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten unterscheiden sich im Bereich Leseverstehen nicht vom gesamtdeutschen Durchschnitt, während sie im Bereich Hörverstehen darüber liegen.
Betrachtet man nur die Schülerinnen und Schüler in Hamburg, die mindestens einen mittleren Schulabschluss anstreben, so zeigt sich folgendes Bild: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, der in der Jahrgangsstufe 9 die Mindeststandards nicht erreichen wird, beträgt 11,2 Prozent im Hörverstehen bzw. 24,3 Prozent im Leseverstehen. Nur die Mindeststandards erreichen in Englisch-Hörverstehen 42,4 Prozent und in Englisch-Leseverstehen 38,8 Prozent der Lernenden. Damit erreichen im Hörverstehen 53,6 Prozent und im Leseverstehen 63,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe 9 noch nicht die für den mittleren Schulabschluss festgelegten Regelstandards. Umgekehrt heißt das, dass bereits zu diesem Zeitpunkt 46,4 Prozent (Hörverstehen) bzw. 36,9 Prozent (Leseverstehen) der Schülerinnen und Schüler diese Standards erfüllen.
Insgesamt wird damit ein Befund bestätigt, der sich schon in früheren Studien gezeigt hat. Die auffälligen Leistungen im Hörverstehen können als Ergebnis des bereits in Jahrgangsstufe 3 einsetzenden Englisch-Unterrichts, des hohen Anteils bilingualer Züge und der traditionell stark kommunikativen Ausrichtung des Fremdsprachenunterrichts in Hamburg gewertet werden. Überdies weisen die Jugendlichen mit Migrationshintergrund insbesondere in diesem Bereich geringere bis keine Leistungsrückstände auf.
Wie bereits in den zurückliegenden Studien erkennbar, weisen die Daten auch im Ländervergleich 2009 in allen getesteten sprachlichen Kompetenzbereichen einen deutlichen Leistungsvorsprung für die Mädchen gegenüber den Jungen aus, der allerdings in den meisten anderen Bundesländern noch größer ausfällt als in Hamburg.
Der in allen Ländern gegebene Zusammenhang zwischen dem sozialen Status der Herkunftsfamilie und den erworbenen Kompetenzen des Jugendlichen verweist auf nach wie vor erhebliche soziale Disparitäten. Sie treten in den Stadtstaaten durchweg stärker hervor als in den Flächenländern, wobei der Zusammenhang in Hamburg in allen Kompetenzbereichen geringer ausgeprägt ist als in Bremen und Berlin. Die Chance eines Kindes aus der oberen Sozialschicht, in Hamburg ein Gymnasium zu besuchen, ist bei gleicher Leistung im Lesen deutscher Texte 2,6mal so hoch wie die Chance einer Schülerin oder eines Schülers aus unteren sozialen Schichten. Dieser Wert ist im Ländervergleich sehr klein und ergibt sich aus der hohen Gymnasialquote in Hamburg (41,2%).
In allen untersuchten Kompetenzbereichen der Unterrichts- bzw. Verkehrssprache Deutsch schneiden Jugendliche deutscher Herkunft signifikant besser ab als Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.
Die Befunde für das Fach Englisch ergeben, dass keine statistisch bedeutsamen Leistungsunterschiede zwischen Jugendlichen mit einem in Deutschland geborenen Elternteil und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund bestehen. Zwischen diesen beiden Gruppen und den Jugendlichen der ersten und zweiten Generation (Personen, die entweder selbst im Ausland geboren wurden und nach Deutschland zugewandert sind oder deren Elternteile beide im Ausland geboren wurden) bestehen allerdings wiederum signifikante Leistungsdifferenzen.
Die Autoren gingen auch der Frage nach, inwieweit die Leistungen der Schülerinnen und Schüler nicht nur von individuellen Merkmalen, sondern auch von der sozialen Zusammensetzung der Schülerschaft auf Klassen- oder Schulebene beeinflusst werden.
Für Hamburg beruhen demnach die im Bereich Lesen deutscher Texte gemessenen Leistungsunterschiede etwa je zur Hälfte auf individuellen und auf schulbezogenen Merkmalen wie dem durchschnittlichen sozialen Status der Schulklasse. Dies ist ein im Ländervergleich hoher Wert. Er bestätigt den hohen Einfluss, den die soziale Zusammensetzung der Lerngruppen auf den Schulerfolg ausübt.
Ansprechpartner
"Der IQB-Ländervergleich zeigt erneut, dass ein erheblicher Teil der Schülerinnen und Schüler in der Unterrichts- und Verkehrssprache Deutsch große Defizite aufweist. Die bereits unternommenen erheblichen Bemühungen zur Förderung der Kompetenzen in der deutschen Sprache müssen fortgeführt und intensiviert werden."
Warum? Kann es nicht auch sein, dass die Bemühungen in die falsche Richtung gehen? Warum wird an Maßnahmen festgehalten, die sich als nicht effektiv erweisen?
Hochschule
Elixiere der Exzellenz
25.05.2012. (Deutsche Universitätszeitung) Sie sind die Zukunftshoffnung mancher Universitäten: die Institutes for Advanced Studies. Konzipiert als Kreativlabore der Spitzenforschung, leben einige von ihnen vom Geld der Exzellenzinitiative. Doch was wird, wenn diese Quelle im Jahr 2017 versiegt und der Bund ...Schule
Sitzen bleiben bringt nichts
25.05.2012. (red/ots) - In vielen Familien leuchtet in diesen Wochen die Alarmstufe Rot. Der Grund: Bald gibt es Zeugnisse - und bei manchen droht die "Ehrenrunde". Genau diese würde Klaus Wenzel gern abschaffen. Warum erklärt der Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes im Interview mit ...Sonderthemen
Inklusionsfilm heute im Ersten
23.05.2012. (red/pm) Nach seiner erfolgreichen Ausstrahlung im vergangenen Dezember auf BR-alpha wird der Film INKLUSION – GEMEINSAM ANDERS nun auch im Ersten gezeigt, und zwar heute um 20:15 Uhr. Paul (Max von der Groeben) ist ein sportlicher, aber geistig leicht zurückgebliebener Junge. Steffi (Paula ...- „Von 1965 bis 1975 gab es den Deutschen Bildungsrat. Dieser wurde von den Politikern aufgelöst, als er zu fortschrittlich wurde ....“
- MRotermund zu Nationaler Bildungsrat gefordert
- „Sprachstandsfeststellung? Ok! Aber doch nicht so!“
- Philsmom zu Sprachtests in NRW: Es geht nicht um die Kinder
Aktuelle Lernhilfen
|
Aktuelle Lernhilfen finden
ein Service von lernklick.de
|







Interviews -



Newsletter
Feedback