"Das Bildungs- und Qualifikationsniveau junger Menschen beeinflusst ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz heute mehr denn je. Es ist deshalb unsere Aufgabe, alles dafür zu tun, Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund noch besser zu fördern und keine Chance ungenutzt zu lassen." Das erklärte Kultusministerin Marion Schick anlässlich der Unterzeichung der gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Bildungsinitiative Teach First Deutschland am Dienstag (29. Juni 2010) in Stuttgart.
Ab dem kommenden Schuljahr werden erstmalig in Baden-Württemberg persönlich und fachlich herausragende Hochschulabsolventinnen und -absolventen aller Fachrichtungen an Schulen in herausforderndem Umfeld Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Die so genannten Fellows stellen sich vor ihrer beruflichen Tätigkeit für einen Zeitraum von zwei Jahren dieser sozialen Aufgabe. "Das Projekt schlägt eine wichtige Brücke zwischen sozial benachteiligten Kindern und den besonders Qualifizierten des Landes."
Der Geschäftsführer von Teach First Deutschland, Arist von Hehn, ist überzeugt von der Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg: "Mit Baden-Württemberg haben wir ein weiteres großes Bundesland als Partner für bessere Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen gewonnen." Zu Beginn des kommenden Schuljahrs werden 16 Fellows als Pädagogische Assistentinnen und Assistenten an Haupt- und Werkrealschulen in Bietigheim, Heidelberg, Hockenheim, Leonberg, Ludwigsburg, Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim, Pfullingen, Reutlingen und Stuttgart zum Einsatz kommen.
"Bei der Entkopplung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg hat sich in Baden-Württemberg seit PISA 2003 zwar schon einiges bewegt. Aber der in der vergangenen Woche vorgestellte KMK-Ländervergleich hat erneut deutlich gemacht, dass wichtige Zukunftsaufgaben vor uns liegen", hob Schick hervor. Zwar erzielten die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg mit Ausnahme des Bereiches Orthografie bundesweit die besten Ergebnisse in allen Testbereichen. "Wir dürfen uns aber auf den insgesamt sehr positiven Ergebnissen nicht ausruhen, denn wir sind noch keineswegs am Ziel."
Ein Schulabschluss und eine berufliche Ausbildung seien Grundvoraussetzungen für eine Lebensperspektive und wichtige Bausteine für die soziale Integration. Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien oder junge Menschen mit Migrationshintergrund seien keineswegs weniger begabt als der Durchschnitt der Gleichaltrigen. Für ihre soziale, schulische und berufliche Integration benötigten sie jedoch oftmals eine gezielte Förderung, die auf ihre individuelle Lebenssituation zugeschnitten ist, erläuterten Schick und von Hehn.
Durch den Einsatz der Fellows können mehr Schüler individuell gefördert werden. Die Fellows arbeiten als Pädagogischen Assistentinnen und Assistenten eng mit Lehrern zusammen und übernehmen Teilungsgruppen oder Einzelförderung. Sie werden darüber hinaus z. B. in Bewerbungstrainings oder Berufswahlkursen, fachlichen Projekten und Arbeitsgemeinschaften, Sportkursen oder in der Hausaufgabenbetreuung eingesetzt. Sie können bei der Schulentwicklung mitarbeiten, Schülerfirmen initiieren, Exkursionen und "Lernen an anderem Ort" organisieren. Teach First Deutschland leistet als gemeinnützige unabhängige Initiative eine engmaschige Betreuung und Weiterbildung der Fellows über den gesamten Einsatzzeitraum.
Zur Vorbereitung auf ihre Aufgabe nehmen die Fellows an einem intensiven, praxisnahen Training teil. Vorab wählt Teach First Deutschland sehr sorgfältig aus. Es kommen nur Bewerber mit hoher persönlicher Eignung, bewiesen durch soziales, kulturelles, politisches oder sportliches Engagement, sowie mit überdurchschnittlichen akademischen Leistungen für einen Einsatz in Frage. Die Schulen haben über eine Ausschreibung die Fellows ausgewählt. Während ihres Einsatzes werden sie durch die Schule und durch einen Teach First Deutschland Tutor begleitet.
Langfristig sollen sich die Fellows als Bildungsbotschafter auch nach dem zweijährigen Einsatz weiter für die Belange von Schülerinnen und Schülern engagieren, die unter herausfordernden Bedingungen aufwachsen.
"Wir erhoffen uns eine erfolgreiche Kooperation, die das Potenzial hat, in den kommenden Jahren mit weiteren Fellows nachhaltig fortgesetzt zu werden", erklärten Marion Schick und Arist von Hehn.
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