Philologen-Verband NRW
Kopfnoten – "Abschuss" im Schnellverfahren
Verantwortung wird den Schulen zugeschoben!
Mehr zu: Kopfnoten, Nordrhein-Westfalen, Personalia, Zeugnis, SchuleZu den ersten Maßnahmen der neuen Landesregierung gehört die Abschaffung der verbindlichen Kopfnoten. Konkret wird die Verantwortung für die Dokumentation des Arbeits- und Sozialverhaltens auf jede einzelne Zeugnis- oder Versetzungskonferenz delegiert. Die bereits für die Schulstruktur angekündigte "Politik des Flickenteppichs" wird nunmehr im Pädagogischen fortgesetzt.
Während in der einen Klasse weiterhin Kopfnoten gegeben werden, geschieht dies nicht beispielsweise in der Parallelklasse. Während in der einen Schule die Dokumentation vorgenommen wird, entfällt sie beispielsweise an der Nachbarschule. Auf die Reaktionen von Wirtschaft und Industrie in konkreten Einstellungsgesprächen darf man gespannt sein. Leidtragende jedenfalls werden Schülerinnen und Schüler sein, die gegebenenfalls nicht gegebene Kopfnoten rechtfertigen müssen.
"Es ist bemerkenswert, dass die neue Landesregierung bei aller Beschwörung von "Demokratisierung von Schule" die Abschaffung der Kopfnoten im Eilverfahren durchpeitscht. Weder werden Eltern, noch die Wirtschaft oder Verbände gefragt. Eine "Evaluation" der bisherigen Praxis spielt ebenfalls keine Rolle. Allein die simple Behauptung: "Kopfnoten beschämen Kinder" (vgl. Koalitionsvertrag) reicht, um alle pädagogischen Bemühungen und Anstrengungen der Lehrerinnen und Lehrer als indiskutabel und letztlich überflüssig darzustellen", kommentiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes das Vorgehen der Landesregierung
Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband gratuliert der neu gewählten Schulministerin Frau Sylvia Löhrmann zur Übernahme ihrer verantwortungsvollen Aufgabe.
Der Verband wünscht ihr Geschick und Sensibilität für die schulpolitischen Entscheidungen. "Wir hoffen, dass mit den ersten bildungspolitischen Entscheidungen nicht das Signal an die Schulen verbunden ist, dass die Gültigkeitsdauer pädagogischer Vorgaben ausgesprochen kurz ist. Das nämlich widerspricht jeder notwendigen Kontinuität im pädagogischen Arbeiten, höhlt die Verlässlichkeit sämtlicher schulpolitischer Entscheidungen aus und macht schulische Anliegen letztlich zum Spielball der Tagespolitik".
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