Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
Verschnaufpause von drei Wochen als Minimum
BLLV-Präsident Klaus Wenzel: "In der ersten Ferienhälfte keinen Schulstoff pauken" / Appell an Politik, Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen
Mehr zu: Bayern, Ferien, Lehrplan, Schulstress, SchuleDie Sommerferien sind die wichtigste und längste Erholungszeit für Schülerinnen und Schüler. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, appellierte an alle Eltern, ihren Kindern eine Verschnaufpause von mindestens drei Wochen zu gönnen, in der das Thema Schule keine Rolle spielt. "Der Schulalltag ist anstrengend und verlangt den Kindern viel ab. In der ersten Ferienhälfte sollte deshalb auch kein Schulstoff gepaukt werden müssen. Die zweite Hälfte kann - falls erforderlich - dazu genutzt werden, Lernstoff zu festigen oder zu wiederholen. Dazu könnten Eltern gemeinsam mit ihren Kindern "Lehrpläne" erarbeiten, in denen festgelegt wird, was gelernt werden soll. Sie sollten aber darauf achten, das tägliche Pensum nicht zu hoch anzusetzen. So reiche eine Stunde Lernzeit pro Ferientag völlig aus. Die restliche Zeit sollte unbedingt frei sein.
Wenzel wies darauf hin, dass beim Lernen nicht immer schulische Lerninhalte im Mittelpunkt stehen müssen: "Lernen kann überall stattfinden. Auch im Alltag können Eltern viel tun um ihre Kinder zu motivieren: Am wichtigsten ist die gemeinsam verbrachte Zeit. Spielen, Zuhören oder gemeinsame Aktivitäten können Kinder motivieren und sie anspornen."
Schülerinnen und Schüler haben eine arbeitsintensive Zeit hinter sich. In den Wochen vor den Ferien haben sie viele Prüfungen und Arbeiten absolvieren müssen. Die Schulwelt ist für sie genauso mit Stress und Belastung verbunden, wie für Erwachsene die Arbeitswelt. Kinder brauchen daher mindestens die ersten Wochen viel freie Zeit.
Wichtig ist, dass Eltern den Druck, den sie spüren, nicht auf die Kinder übertragen. "Jedes Kind braucht seine eigene Zeit zum Lernen und jedes Kind sucht sich seinen eigenen Weg. Es gibt Kinder, die mehr Zeit brauchen und im Lernen langsamer sind - sie brauchen diese Zeit auch. Leider bekommen sie die Zeit in unserem beschleunigten Schulsystem nicht", sagte der BLLV-Präsident.
"Viele Eltern suchen gerade in den Ferien für ihre Kinder private Bildungseinrichtungen und Lerninstitute auf. Sie hoffen, dort könnten schulische Defizite effektiv nachgeholt werden. Für viele Kinder ist der Besuch solcher Einrichtungen in den Ferien eine zusätzliche Belastung. Besser ist es, wenn Kinder Gelegenheit bekommen, in der Gruppe, mit Freunden oder Klassenkameraden zu lernen. Es sollte darum gehen, Schwächen in einzelnen Teilbereichen auszugleichen - nicht darum, den kompletten Stoff eines Schuljahres zu wiederholen. Auf keinen Fall sollten Eltern in die Rolle des Nachhilfelehrers schlüpfen. Das kann zu Streit, Verdruss und großen Spannungen führen."
Allen Schülern, Eltern und Lehrern wünscht der BLLV-Präsident eine erholsame und unbeschwerte Zeit. An die Bayerische Staatsregierung richtete er zum Schuljahresende den Appell, "bei allen schul- und bildungspolitischen Überlegungen immer die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt zu stellen."
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