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Pressemeldung
GEW Baden-Württemberg
Baden-Württemberg

Schluss mit den Bildungshäppchen

Arbeitsgemeinschaften bei Engpässen nicht streichen

Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungswesen, G8, Ganztagsschule, Hauptschule, Klassenfrequenz, Schülerzahlen, Schulsozialarbeit, Sonderschulen, Unterrichtsversorgung, Werkrealschule, Schule
Stuttgart, 02.09.2010 -

Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet, dass neben dem Projekt Stuttgart 21 die Bildungspolitik die Landtagswahlen am 27. März 2011 entscheiden wird. "Die Wählerinnen und Wähler wollen nicht länger Bildungshäppchen, die am Gaumen kitzeln. Stückwerk hatten wir in den vergangenen Jahren genug. Die Wahl werden die Parteien gewinnen, die ein sinnvolles bildungspolitisches Gesamtkonzept mit Bildungs- und Lebensperspektiven für alle Kinder und Jugendlichen anbieten", sagte am Donnerstag (02.09.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Bildungsgewerkschaft rechnet trotz der Klassenteilersenkungen mit einer ähnlich unzureichenden Unterrichtsversorgung wie im vergangenen Jahr. "Die Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten arbeiten am Limit. Es gibt kaum Spielräume für Arbeitsgemeinschaften und individuelle Förderung. Die rückläufigen Schülerzahlen führen an den Grund- und Hauptschulen nicht zu einer Entlastung und pädagogischen Verbesserungen, sondern alle freiwerdenden Stellen werden umverteilt", so Moritz. An den Sonderschulen und Beruflichen Schulen gibt es große strukturelle Defizite. Diese beiden Schularten erhalten nicht einmal genug Stellen, um den Pflichtunterricht abzusichern.

Die GEW macht sich unter anderem für eine Stärkung des Ergänzungsbereichs, der Ganztagsschulen sowie den Ausbau der Lehrerreserve und der Schulsozialarbeit stark. "Die Eltern werden es sich nicht gefallen lassen, wenn Kultusministerin Marion Schick Stütz- und Fördermaßnahmen als Manövriermasse im Krankheitsfall benutzt. Es ist absurd, dass es an einer Schule, an der sich eine Lehrerin ein Bein bricht, weniger Arbeitsgemeinschaften gibt", sagte Moritz. Die GEW will erreichen, dass in den Kontingentstundentafeln aller Schularten die ergänzenden Angebote in die Pflichtzuweisung aufgenommen werden. Bisher können sie bei Engpässen von den Schulen gestrichen werden.

Werkrealschulen sind kein Zukunftsmodell

Die GEW wird vor der Landtagswahl auf Veranstaltungen in ganz Baden-Württemberg über ihr Schulentwicklungsgutachten informieren und für modernere Schulstrukturen im Südwesten werben. "Die Werkrealschulen sind keine Antwort auf die Frage, wie in den nächsten zehn Jahren bei weiter zurückgehenden Schülerzahlen wohnortnahe Schulstandorte für Hauptschüler/innen ermöglicht werden können. Sie sind schon gar keine konstruktive Lösung für die Tatsache, dass fast die Hälfte der Kinder einen höheren Schulabschluss erzielt als den, dem sie in der 4. Klasse zugeordnet werden", sagte Moritz. Aufgrund der weiter zurückgehenden Schülerzahlen wird ein Großteil der jetzt gegründeten Werkrealschulen schon in wenigen Jahren wieder geschlossen werden müssen.

Doppeljahrgang am Gymnasium

An den Gymnasien beginnt die gemeinsame Kursstufe von G 8 und G 9. "Die nächsten beiden Jahre stellen für die Lehrkräfte eine große Herausforderung dar. Die Landesregierung setzt alles daran, um den ersten Jahrgang des G 8 zum Erfolgsmodell werden zu lassen. Wir erwarten, dass der Erfolgsdruck dieser Kursstufe nicht zu Lasten der jüngeren Jahrgänge durchgezogen wird", sagte Moritz. Die Bildungsgewerkschaft hat auf ihrer Internetseite ein Portal eingerichtet, über das Vorschläge zur Reform des G 8 gemeldet werden können.

Orientierungsplan verbindlich machen statt "Singen – Bewegen – Sprechen"

Die GEW nennt das Projekt "Singen, bewegen, sprechen" eine Fehlplanung. "Wie schon beim Schulreifen Kind versucht ein Ministerpräsident mit einem Projekt zu punkten statt ernsthaft die Rahmenbedingungen in den KiTas zu verbessern. Wir brauchen kleinere Gruppen, mehr Zeit für das Personal und zusätzliche Qualifizierung", sagte Moritz.

Zwischenbilanz Mappus/Schick: Bildungshäppchen

"Ein neuer inhaltlicher Kurs in der Bildungspolitik ist von Ministerin Schick nicht eingeschlagen worden. Bildungskonzeptionen aus einem Guss fehlen auch im Kochbuch der neuen Kultusministerin: Sowohl in der Schule als auch in der frühkindlichen Bildung. Aus Bildungshäppchen, die am Gaumen kitzeln, wird leider kein Menü für eine gesunde Bildungs- und Lebensperspektive", sagte die GEW-Chefin.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

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