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Sachsen

Demokratie im Kindergarten: Bundespräsident besucht Modellkita in Sachsen

Mehr zu: Frühkindliche Bildung, Kinderrechte, Politische Bildung, Sachsen, Stiftungen, Kindergarten / Vorschule
Dresden / Berlin, 02.09.2010 -

Christian Wulff möchte sich in seiner Amtszeit als Bundespräsident besonders dem Thema Demokratie widmen. Wie die im Kleinen aussehen kann, darüber informierte er sich nach seiner Rede im sächsischen Landtag in einer Kindertagesstätte bei Dresden - mit dabei seine Frau Bettina und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit Gattin.

Das Freinet Kinderhaus des Trägers Kinderland Sachsen e.V. in Friedewald hat sich in den letzten zwei Jahren begleitet von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und im Rahmen des bundesweiten Modellvorhabens "Demokratie von Anfang an" als ein besonderer Lernort für Demokratie profiliert. Ein bisschen Aufregung herrscht schon in der den Räumen der Kita am Mittwochmorgen. Aber nicht bei den Kindern. Sie gehen seelenruhig ihren Beschäftigungen nach (buddeln im regennassen Sandkasten z.B.) und lassen sich durch die Fragen der Großen nicht beeindrucken. Wer denn in Deutschland bestimmen würde, will einer von denen wissen. Die Antworten fallen vielfältig aus: "Der Bürgermeister", "Der eine aus Sachsen", "Itta (die Leiterin des Kinderhauses)", "Wir, die Kinder, die nicht mehr schlafen!"

Doch um solches Wissen geht es hier gar nicht, viel wichtiger ist es, wie Demokratie ganz praktisch gelebt werden kann: Wie man mit Konflikten umgeht, Regeln aushandelt, mitentscheidet oder einander achtet. In der Gesprächsrunde mit Erzieherinnen, Eltern und Kindern erfahren die Besucher, was Demokratie im Kindergartenalltag heißt. "Die Kinder bestimmen, wo sie spielen und wann wir rausgehen", erzählt ein Junge. Bei der Auswahl, was es zum Mittag geben, oder wo der nächste Ausflug hingehen soll, dürfen sie genauso mitreden. Und auch für den Mittagsschlaf haben Erzieherinnen mit den Drei- bis Sechsjährigen gemeinsam eine von allen akzeptierte Lösung gefunden.

"Ich hab den Eindruck, Kinder werden hier ausgesprochen ernst genommen", lobt Christian Wulff Konzept und Pädagogen vor den mitgereisten Kameras. Noch eine kurze Führung durch die Einrichtung und dann verabschieden sich die Gäste. Jetzt sind auch die Kinder beeindruckt. Allerdings nicht so sehr von ihrem Bundespräsidenten als von den Polizisten seiner Begleitstaffel. So tolle Motorräder wollen auch alle mal fahren!

Das Programm "Demokratie von Anfang an – Kindertageseinrichtungen als Lernorte der Demokratie" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung wird an 18 sächsischen Kindertageseinrichtungen durchgeführt, darunter das Freinet Kinderhaus Friedewald in Trägerschaft von Kinderland Sachsen e.V.

"Demokratie von Anfang an" wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Vielfalt tut gut" und aus Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums des Innern, Programm "Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz".

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1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Denis Gäbler, am 03.09.2010, 09:51

Von den Sachsen kann man lernen. Publikumswirksam werden Reden gehalten über frühkindliche Bildung und eine Kita eines freien Trägers besucht, die sich auch dadurch auszeichnet, daß eine sehr enge Bindung mit der nahegelegenen freien Schule besteht.

Für die Landtagssitzungen Mitte Dezember ist geplant über die Kürzungen für die freien Schulen abzustimmen. Dabei geht es auch um die Zuschüsse für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können, was aber nötig ist um die gesellschaftliche Vielfalt auch in freien Schulen sicherzustellen. Konkurenz belebt die Bildungslandschaft.

Ein Schelm wer dabei denkt, für die Selbstdarstellung der Sächsischen und Berliner Politik sind die freien Träger gut genug und ein paar Monate später wird signifikant eingespart.

Die guten Pisaergebnisse Sachsens sind ein Blick in die Vergangenheit. Was heute an Fehlern begangen wird und an Kürzungen stattfindet, merkt man erst in 5-10 Jahren, doch dann ist es zu spät.

Die Statistik selbstverständlich wird anderes behaupten. Natürlich weiß jeder daß die 40 Millionen Euro Baukosten für die Schulen in Dresden in der Statistik als Bildungkosten auftauchen, natürlich neben den Betriebskosten, Gehältern, bürokratischem Überbau. Das erklärt auch warum die überdurchschnittlich hohen Bildungsausgaben pro Schüler vor allem in östlichen Bundesländern zu finden sind, hier ist der Nachholbedarf bei Sanierung und Neubau am größten. Es ist nicht zu bestreiten, daß Baumaßnahmen die Kosten senken und ein angenehmes Lernumfeld schaffen. Indes motivierte, geschulte Pädagogen, eine vernünftige Ausrüstung, kleine Lerngruppen und Experimentierfreude neue Wege zu gehen erschließen sich durch die in Sachsen überdurchschnittlich hohen "Bildungsausgaben" nicht. Nicht selten sind auch die Kitas bis auf den letzten Platz gefüllt, diese Jahrgänge wechseln nun und zukünftig in die Schulen.

Wer einige in der SZ abgedruckte Schulanfängerfotos gesehen hat, wird denken, kleine Klassen. Aus vielfältigen Gründen fehlte oft die Zustimmung zu den Gruppenfotos oder zum Drucken der Namen, daher sind auf nicht wenigen Schulanfängerfotos nur 20 Kinder, obwohl die Klassen mit 27 oder mehr Kindern mehr als vollgestopft sind. Da bleibt kein Raum für individuelles Lernen und Förderung.

Es sei dem Herrn Bundespräsidenten Christian Wulff gewünscht, daß das Wahlvolk vergessen hat und er nach dem Beschluß der Kürzungen im Dezember 2010 nicht mehr damit in Verbindung gebracht wird. Die sächsische Landesregierung erweist ihm einen Bärendienst.


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