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Bayern

Personalmangel überschattet Schuljahresbeginn

BLLV -Präsident Klaus Wenzel: "Das zentrale Problem der Bildungsungerechtigkeit nicht gelöst - Unterstützungsmaßnahmen gibt es nicht zum Nulltarif"

Mehr zu: Bayern, Bildungsausgaben, Bildungsgerechtigkeit, Lehrerbildung, Lehrermangel, Unterrichtsversorgung, Schule
München, 08.09.2010 -

Zum Schuljahresbeginn hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, eine Reihe von Forderungen an die Staatsregierung gerichtet: Zentrale Aufgabe müsse die Beseitigung der Bildungsungerechtigkeit sein. "Wir können bislang keine überzeugenden Maßnahmen erkennen", erklärte er heute in München.

Wenzel forderte "grundlegende Reformen von der Sohle bis zum Scheitel", also von der vorschulischen Förderung bis zur universitären Bildung. Er schlug familienpolitische Konzepte vor, die von der Erziehung ihrer Kinder überforderte Eltern unterstützen, sowie die Einführung des Faches "Erziehungskunde" an allen Schulen im Sekundarbereich. "Unterstützungsmaßnahmen von Kindern und Familien gibt es nicht zum Nulltarif", betonte er. Sie müssten zudem so früh wie möglich einsetzen und spürbar in den jeweiligen Einrichtungen ankommen. Leider sei gerade dies nicht der Fall: Kindertagesstätten und Schulen beklagten massiven Personalmangel und hohe Arbeitsbelastung. "Früh einsetzende, individuelle Förderung von Kindern wird so erschwert, in vielen Fällen unmöglich gemacht." Was die Schulen betreffe, habe das Kultusministerium zwar viele Baustellen eröffnet, was fehle, sei aber ein planerisches Gesamtkonzept. "Lehrer, Eltern und Schüler können nicht erkennen, was die einzelnen Baustellen miteinander zu tun haben."

Das Schuljahr 2010/2011 könnte man auch unter das Motto stellen: Es gibt viele Neuigkeiten, aber es bleibt alles beim Alten. "Wir haben es mit einem veränderten Übertrittsverfahren, der flexiblen Grundschule, mit Mittelschulen und Schulverbünden, mit der Realschule 21, mit überarbeiteten Gymnasiallehrplänen, mit einem doppelten Abitur-Jahrgang, mit dem Thema Inklusion durch Kooperation und mit der Modularisierung der Lehrerbildung an allen Universitäten zu tun. Die vielen Maßnahmen verwirren nicht nur, sie sind vielfach auch kontraproduktiv", sagte Wenzel. So lösen Mittelschulen und Schulverbünde langfristig weder das Problem der Schulschließungen noch tragen die "neuen" Schulformen etwas dazu bei, die Bildungsungerechtigkeit in Bayern abzubauen. Für die flexible Grundschule fehlen Lehrer - und weil das so ist, hat auch diese Maßnahme letztlich für die Kinder und deren Förderung keinen produktiven Effekt.

"Die Aufzählung könnte man fortsetzen - die beiden Beispiele zeigen aber bereits, dass zwar Maßnahmen ergriffen wurden, das Problem ist aber, dass mit ihnen nichts gewonnen wird. Hinzu kommt, dass alle Schulen unter Personalmangel leiden, Unterrichtsausfälle und übergroße Klassen sind programmiert. Gleichzeitig suchen über 4500 Lehramtsabsolventen einen Job. Was wir brauchen ist eine vernünftige Personalplanung, finanzielle Mittel für deutlich mehr Lehrerstellen und eine grundlegende Reform, nicht vom Scheitel bis zur Sohle, sondern von der Sohle bis zum Scheitel", betonte der BLLV -Präsident und forderte für das neue Schuljahr neben familienpolitischen Konzepten und der Einführung des Faches "Erziehungskunde"

  • den Ausbau aller Grundschulen zu lust- und leistungsorientierten Lern- und Lebensräumen
  • optimal ausgestattete jahrgangskombinierte Grundschulklassen, die nicht als Einsparmodelle dienen, sondern kindgerechtes Lernen in leistungs- und jahrgangsheterogenen Klassen ermöglichen. Basis hierfür ist das BLLV -Konzept 20/20, d.h. max. 20 Schüler pro Klasse und 20 zusätzliche Lehrerstunden
  • möglichst vielen Schülern/innen eine möglichst lange gemeinsame Schulzeit als lokal passgenaues Konzept anzubieten
  • mehr Kooperation zwischen den einzelnen Schularten
  • eine Lehrerbildung, die den Anforderungen und Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.

Der BLLV wird sich im neuen Schuljahr mit den Themen Inklusion, Schulleitung und Schulentwicklung, Reform des achtjährigen Gymnasiums, Reform der Lehrerbildung und Lernen im 21.Jahrhundert befassen. Für die Landesdelegiertenversammlung im Juni 2011 in Würzburg werden bereits entsprechende Diskussionspapiere erarbeitet. Im Oktober 2010 feiert der BLLV den 100. Geburtstag seiner Akademie, im Frühjahr 2011 finden Personalratswahlen statt und im Herbst 2011 gibt es die 150-Jahr-Feier des BLLV.

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