"Die Bildungsrepublik Deutschland ist und bleibt ein armes Land"
Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes, zum OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2010"
Mehr zu: Bildungsausgaben, Bildungsbericht, Fachkräftebedarf, Föderalismus, Frühkindliche Bildung, OECD-Studie "Bildung auf einen Blick", Statistik, Zeugnis, Sonderthemen"Die Bildungsrepublik Deutschland ist und bleibt ein armes Land. Das belegt einmal mehr die OECD in ihrem jährlichen Bericht "Bildung auf einen Blick". Dabei bringen Investitionen in Bildung auch der öffentlichen Hand erhebliche Renditen. Dennoch ist sie nicht bereit, die Bildungsausgaben in Deutschland im internationalen Vergleich auf Spitzenniveau anzuheben. Im Gegenteil: Laut OECD lagen die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen in Deutschland 2007 bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mit in den letzten Jahren rückläufiger Tendenz.
"Die Bildungsrepublik Deutschland ist und bleibt ein armes Land. Das belegt einmal mehr die OECD in ihrem jährlichen Bericht "Bildung auf einen Blick". Dabei bringen Investitionen in Bildung auch der öffentlichen Hand erhebliche Renditen. Dennoch ist sie nicht bereit, die Bildungsausgaben in Deutschland im internationalen Vergleich auf Spitzenniveau anzuheben. Im Gegenteil: Laut OECD lagen die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen in Deutschland 2007 bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mit in den letzten Jahren rückläufiger Tendenz. Deutschland belegt damit den 23. von 27 Plätzen auf der Rangskala und liegt damit weit hinter den Spitzenreitern USA, Korea und Dänemark zurück, die über sieben Prozent des BIP in Bildung investieren. Damit bestätigt die OECD Warnungen des Didacta Verbands über rückläufige Bildungsinvestitionen in Deutschland. Und noch schlimmer: die Zahlen liegen weit hinter dem eigenen Anspruch der deutschen Politik zurück, bis 2015 ebenfalls sieben Prozent des BIP zu erreichen. Daran ändern weder die Rechentricks der Finanzminister etwas, die die Bildungsetats der Bundesländer künstlich aufblähen wollen, noch die Sonntagsreden der Politiker, wonach Bildung die Zukunftsinvestition schlechthin sei.
Der beruflichen Bildung bescheinigt die OECD insgesamt ein gutes Zeugnis. Dennoch gibt es auch hier Verbesserungspotenzial. So nehmen beispielsweise nur weniger als ein Prozent der beruflich Qualifizierten ohne Abitur ein Studium an einer Universität auf. Zudem landen immer noch zu viele Schulabgänger im so genannten Übergangssystem. Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels sind dies alarmierende Zeichen.
Jahr für Jahr hält die OECD der deutschen Bildungspolitik mit ihrem Bildungsbericht den Spiegel vor. Trotz der eingeleiteten Reformen, bleiben die Kritikpunkte dabei im Wesentlichen unverändert. Für ein hochentwickeltes Land wie Deutschland ist dies beschämend. Bund, Länder und Kommunen dürfen sich nun nicht länger den Schwarzen Peter zuschieben. Sie müssen endlich eine gemeinsame Strategie zur nachhaltigen Bildungsfinanzierung entwickeln, die auch eine Aufhebung des Kooperationsverbots vorsehen sollte. Gemeinsam müssen sie soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen, die unserem Bildungssystem immanent zugrunde liegen. Gerade auch der Bund steht hier in der Pflicht.
Die Länder hingegen müssen die durch den Schülerrückgang freiwerdenden Mittel im Bildungssystem belassen, um den Bildungseinrichtungen mehr Freiräume zu gestatten und mehr Geld in die Ausbildung der Pädagogen zu investieren. Wer unter anderem mangelhafte Integration beklagt, der muss vor allem die Bildung der Kinder von null bis zehn Jahren stärken. Und er darf dabei nicht nur die Quantität der Angebote im Blick haben, sondern vor allem die Qualität. Um diese zu gewährleisten, brauchen wir eine neue Organisation der Bildungsprozesse und eine gemeinsame Philosophie im Elementar- und Primarbereich, ja im Bildungsverlauf insgesamt. Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die Kinder von null bis zehn Jahren begleiten und fördern können. Wir brauchen verbindliche Institutionen übergreifende Bildungspläne. Und wir brauchen gut ausgestattete Bildungseinrichtungen. Erst wenn solche Maßnahmen ausreichend finanziert werden, kann die Bildungsrepublik doch noch ein blühendes Land werden."
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