GEW Bayern
GEW Bayern zum dritten PISA-Test: Wieder kein Grund zum Jubeln!
Mehr zu: Bayern, Bildungschancen, Bildungsstandards, Lernstandserhebung, PISA (Studie), Weiterbildung, SchuleNach den vorab bekannt gewordenen PISA-Ergebnissen gibt es in Deutschland leichte Verbesserungen, was die Schulleistungen betrifft.
Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: "Anstatt über ´eher zufrieden stellende Ergebnisse´ zu jubeln und ´den Fokus auf die Veränderungen zu legen´ (Klieme), müssen wir das Hauptaugenmerk auf das legen, was sich leider wohl nicht verändert bzw. verbessert hat: die Bildungschancen sind in Deutschland nach wie vor abhängig vom sozialen Status und von der Herkunft."
Offensichtlich haben sich die Ergebnisse von SchülerInnen mit Migrations-hintergrund nicht verbessert. Der Aktionismus insbesondere der bayerischen Staatsregierung kann nach Ansicht der GEW keine nachhaltigen Erfolge zeigen, solange es sich um Einzelmaßnahmen handelt. Ein Sprachkurs hier, eine Förderstunde dort, zwei Intensivierungsstunden in der gesamten Gymnasialzeit, nach wie vor zögerlicher Ausbau von Ganztagsklassen…
Neubäcker: "Was wir brauchen, ist ein Gesamtkonzept und eine neue Schulstruktur. Solange Kinder nach der vierten Klasse in Schubladen sortiert werden, kann es keine Chancengleichheit geben, denn niemand kann künftige Entwicklungen von 10-jährigen zuverlässig voraussagen. Die viele Zeit, die für das Feststellen von angeblichen "Eignungen" für eine bestimmte Schulart verloren geht, könnte viel sinnvoller fürs Lernen und Üben genutzt werden. Was wir ebenso brauchen, ist eine bessere Aus-, Fort- und Weiterbildung von PädagogInnen. Dies alles ist nicht ohne erhebliche finanzielle Mittel zu erreichen. Wenn Deutschland die von der Bundeskanzlerin ausgerufene Bildungsrepublik werden will, muss sofort sehr viel Geld in Bildung investiert werden. Vom von der Bundeskanzlerin genannten Ziel, 7 % des Bruttoinlandsprodukts in Schulen zu investieren, sind wir um Lichtjahre entfernt. Insbesondere Bayern steht mit ca. 4,7 % selbst innerhalb der Bundesrepublik schlecht da. Sollten unsere genannten Forderungen erfüllt werden, hätte Deutschland die besten Aussichten auf einen Spitzenplatz bei künftigen PISA-Studien."
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Wenn man tief genug nachforscht wird man den Ursprung der Mehrklassengesellschaft im mittelalterlichen Leibeigenen und Kastensystem wiederfinden. Das Ganze hat eine Evolution durchlaufen, als sich die Arbeiterklasse, während der Industrialisierung bildete. Diese tiefen Wurzeln erklären auch die Hartnäckigkeit, warum die Politiker an dem 3-gliedrigem Schulsystem geradezu krankhaft festhalten. Sie sind besessen von der Idee „Weizen vom Spreu“ zu trennen. Wie bei der Mülltrennung werden die Kinder bewertet, getrennt, ausgelesen und sortiert. Dabei sind Noten eine Momentaufnahme und im subjektiven Ermessen des Lehrers. Sie sagen überhaupt nichts über den beruflichen oder sozialen Erfolg eines Menschen aus. Das Argument die leistungsstarken Kinder zu trennen und zu fordern oder die leistungsschwachen in Sonderschulen zu fördern entspricht nicht der gesellschaftlichen Realität. In der Arbeitswelt kann keiner einen Ingenieur brauchen, der sich nicht so ausdrücken kann, dass auch die Schlosserlehrlinge es verstehen oder umgekehrt ein Betriebsleiter der nicht die Bedürfnisse, seiner Mitarbeiter verstehen kann, weil er nur mit Menschen aus der eigenen Schicht zu tun hatte. Der Mensch ist weder „Weizen“ noch „Spreu“ vor allem, ist es die Persönlichkeit jedes einzelnen, die nur in einer heterogenen Umwelt zur Geltung kommen kann. Wenn das Argument der besseren Förderung durch das 3-gliedrige Schulsystem stimmen würde, dann müsste Deutschland im weltweiten Vergleich an der Spitze liegen. Dabei haben Länder mit Einheitsschulen besseren Bildungsstand als ihre deutschen Altersgenossen. Woran das liegen mag? Statt an den Inhalten zu arbeiten, jedes Kind zu fördern und die Talente zu stärken, versucht man sie zu frustrieren. An allem wird gespart, an Lehrmittel, Räume, Personal, Schulen, nur der Faktor Mensch, unsere Kinder werden maßlos vergeudet, frustriert, weggeekelt, unterdrückt und demoralisiert. Dabei zeigt uns der demographische Wandel, dass die Kinder immer weniger werden und in wenigen Jahren die Schulen, Unis, Betriebe um jedes Kind werben müssen, damit sie ihren Betrieb aufrechthalten können. Die Politiker sollten endlich aufhören über die Bildung zu versuchen, die Gesellschaft zu formen, sondern beginnen das Bildungssystem den Bedürfnissen der Gesellschaft anzupassen.
Es sind die Haupt- und Gesamtschulen, die die deutschen PISA-Ergebnisse nach unten ziehen
Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)
Erneut schlechte PISA-Ergebnisse für deutsche Gesamtschule
"Frage nach der Schulstruktur ist nicht überflüssig, sondern eindeutig beantwortet." / "Gesamtschulen schöpfen das Potential ihrer Schüler nicht aus."
Bonn, 07.12.2007
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) hat bei PISA 2006 erneut schlecht abgeschnitten. Nach Analyse des Deutschen Lehrerverbandes (DL) rangiert die IGS trotz einer hinsichtlich Begabung und Herkunft vergleichbaren Schülerschaft und trotz erheblich besserer Personalausstattung um rund 50 PISA-Punkte hinter der Realschule. Das ist mehr als ein Schuljahr.
Lehrerverbandschef Josef Kraus erklärte dazu: "Die Integrierte Gesamtschule in Deutschland stagniert auf niedrigem Niveau. Sie rangiert mindestens ein Lernjahr hinter der Realschule und rund drei Lernjahre hinter dem Gymnasium. Dass die Haupt-schule noch etwas schwächere Ergebnisse als die IGS hat, ist vor allem mit ihrer unvergleichlich schwierigen Schülerklientel zu erklären. Die Aufmerksamkeit der Schulpolitik sollte deshalb vor allem der Hauptschule gelten, aber nicht generell der Strukturfrage. Letztere ist eindeutig beantwortet, zumal die Gesamtschule nicht einmal in der Lage scheint, die Potentiale ihrer Schülerschaft auszuschöpfen."
PISA-Ergebnisse 2006 - differenziert nach Schulformen (in PISA-Punkten)
Naturwissenschaften Lesen Mathematik
Hauptschule 431 407 420
Integrierte Gesamtschule 477 463 464
Schulen mit mehreren Bildungsgängen 498 481 481
Realschule 525 515 509
Gymnasium 598 581 591
Alle Schulen 516 495 504
Quelle: PISA 2006 (München/New York/
München/Berlin 2007)
"mit ihrer unvergleichlich schwierigen Schülerklientel" Mit solchen Sätzen werden Bevölkerungsgruppen zu Sündenböcken abgestempelt.
Wer immer noch meint es geht hier um die eine oder andere Schulart, hat die Aufgabenstellung nicht verstanden und verdient eine 6 wegen Themaverfehlung.
Es geht um die Zukunft unserer Kinder und um die Zukunft Deutschlands. Die Einstellung sich selbst vom "schwierigen Klientel" abzugrenzen und mit Pauschalurteilen rauszureden, ist keine Lösung, sondern höchst gefährlich und diskriminierend. Der Gedanke, dass Menschen in ein "schwieriges Klientel" hineingeboren werden, ist nicht mit den demokratischen Grundsätzen der Chancengleichheit zu vereinbaren. Jedes Kind hat das Recht auf eine gute Bildung und Chancengleichheit, egal aus welcher Herkunft und "Klientel" er stammt. Der soziale Stand oder die ethnische Herkunft darf nicht den Bildungslaufbahn eines Kindes bestimmen, was ja in Bayern laut internationalen Bildungsberichten beanstandet wird. Statt mit Arroganz und Hochmut an diese Berichte heranzugehen, sollte man Lösungskonzepte schaffen um das "schwierige Klientel" auch die gleichen Chancen auf Bildung zu geben. Es kann sein, dass manche Politiker Sündenböcke brauchen um populistische Politik zu betreiben, aber Deutschland braucht diese Politiker nicht, sondern Kinder, egal von welchem "Klientel", die zu verantwortlichen, gut gebildeten Erwachsenen erzogen werden.
schon mal die Lebensgeschichte von Mr. Pisa Schleicher betrachtet: der durfte nicht aufs Gymnasium, weil der 10jährige ja "zu unbegabt" gewesen ist - also ging es über den Umweg Waldorfschule zum Abitur - der "unbegabte Schüler" hat nachher Physik studiert und einen Master in Statistik --- soviel zu der Zuverlässigkeit, eine Begabung bei einem 10jährigen Kind festzustellen und ihn danach einzusortieren.
Humboldt würde sich im Grabe umdrehen: er wollte das Standesdünkel tilgen, in dem alle Kinder aller Schichten gemeinsam auf einem Gymnasium für alle lernen sollten. Die Klassengesellschaft wurde in DE durch dieses Schulsystem faktisch nie aufgehoben, weil man sich den Abgrenzungsmechanismen nie entledigt hat.
Erschwerend hinzu kommt der Tatbestand, dass auch das Berufsbildungswesen nicht modernisiert wird, nur weil man unbedingt noch Berufe für Real/Hauptschüler braucht, während anderswo massenhaft Berufe wie Logopädie, Frühpädagogik, Pflege und andere anspruchsvolle Berufe akademisiert wurden, werden diese hier nicht modernisiert, obwohl die theoretischen Ansprüche gestiegen sind und dies rechtfertigen würde.
ich persönlich würde nie ein Kind im deutschen Schulwesen einschulen. Das ist ein Relikt des 19. Jahrhunderts - wir sind aber in einer Demokratie des 21. Jahrhunderts.
Realschüler haben massenweise das Potential fürs Gymnasium und die Selektion in der Grundschule ist wohl eher ein Zufallsresultat. Der 2. Bildungsweg dauert für viele zu lange - allein die Einkommensverluste bis dahin -- und all das nur, weil man an ein dreigliedriges Schulsystem festhält - dafür haben viele Kinder später nicht mal Berufswahlfreiheit und werden durch das Bildungswesen in Niedriglohnjobs kanalisiert - dabei würde dort das Lohnniveau steigen, wenn mehr Berufswahlfreiheit für alle bestehen würde. Ich könnte nicht mit gutem Gewissen Grundschullehrer werden, denn wer gibt mir das Recht zu entscheiden, wie leistungsfähig später ein Mensch sein wird und wie wenig oder viel er verdienen darf -- da werden Lebenswege teilweise unwiderruflich festzementiert --- ein Gesellschaft, die so mit ihren Kindern umgeht, hat es verdient, eine derart niedrige Geburtenrate zu haben.
ich beobachte die Bildungssysteme anderer Länder hobbymäßig schon genau, ich denke ich kann beurteilen, ob etas gut oder schlecht gemacht ist.
eine Frage zur Pisa-Studie
mich würde interessieren, wieviele Hauptschüler überhaupt beteiligt wurden?
des weiteren unterteilt man in den Südländern ja Hauptschüler in sogenannten Praktikerklassen und m-Klassen. Ich habe gelesen auf der HP des baden württembergischen Handwerks, dass man bei dem nationalen Bildungsvergleich in BaWü nur Hauptschüler an der Studie beteiligt hat, die in den m-Klassen waren und einen mittleren Bildungsabschluss erreichen sollen, ergo die Besseren. Macht man das bei Pisa genauso, dass man im Süden einfach die schlechteren Schüler der Hauptschüler herausrechnet durch Nichtbeteiligung? Andere Bundesländer haben diese Möglichkeit ja nicht, da dort nicht die Schüler innerhalb der Hauptschule noch mal selektiert werden in "rein praktisch Begabte" und andere.
so kann man natürlich ein gewünschtes besseres Resultat erzielen.
www.youtube.com/watch?v=w7nKc-P6fDQ Doku über m- und p-Klassen an Hauptschulen )
Es sind meistens gar nicht "die Politiker", die da selektieren und formen wollen. Von denen gibt es nicht wenige, die sich gemeinsames Lernen usw auf die Fahnen geschrieben haben. Nein, die Eltern wollen ihre Kinder möglichst früh und schnell und endgültig von "der Spreu" trennen. Kein Elternpaar würde sein Kind, das theoretisch auch fürs Gymnasium zugelassen wäre, trotzdem auf eine Gesamtschule schicken. Kann man ihnen auch nicht wirklich verdenken, sobald es um einen Chancenvorsprung des eigenen Kinds geht, hört halt die Solidarität auf. Hier müsste man auf wundersame Art und Weise die Leute dazu kriegen, ganz selbstlos das Große Ganze zu sehen. So wie es jetzt ist, scheitert das System Gesamtschule doch von vornherein: es ist eben nie und nirgends "gesamt". Wirklich schade drum.
Man kann die PISA Ergebnisse nicht vergleichen, weil die Bedingungen, unter denen die Schüler in den einzelnen Staaten lernen, zu unterschiedlich sind:
Beispiel Japan. Fragt deutsche Eltern, ob sie bereit sind bis zu 10.000 € für den Nachhilfeunterricht in Klase 9 auszugeben!
Beispiel Finnland. Fragt deutsche Politiker, ob sie bereit sind, Klassen mit über 20 Schülern von 2 Lehrern unterrichten zu lassen!
Wir sind genau da, wo wir - gemessen an den Ausgaben für Bildung - hingehören: Durchschnitt, Mittelmaß, Ende!
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