Schulen und Lehrkräfte werden gestärkt
Bildungsminister Rupprecht präsentiert gemeinsam mit Prof. Olaf Köller Qualitätspaket
Mehr zu: Ausstattung, Bildungsausgaben, Bildungsmonitor, Brandenburg, Föderalismus, Lehrerbildung, Medienkompetenz, Schulentwicklung, SchuleBildungsminister Holger Rupprecht hat heute in Potsdam gemeinsam mit Prof. Dr. Olaf Köller, dem Leiter der Ländervergleichsstudie 2010 und Leiter des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Qualität an Schulen präsentiert.
"Ich bin hochzufrieden, dass es uns – nur ein knappes halbes Jahr nach Veröffentlichung des Ländervergleichs – gelungen ist, ein umfassendes Qualitätspaket zu schnüren, mit dem wir künftig die Schulen und Lehrkräfte gezielter unterstützen können", so Rupprecht. Das Paket reihe sich ein in die zahlreichen Maßnahmen, die das Land seit PISA 2000 auf den Weg gebracht habe. Der Bildungsminister verwies trotz der zum Teil ernüchternden Ergebnisse in Deutsch und Englisch beim Ländervergleich im Juni 2010 darauf, dass sich beim letzten PISA-Ländervergleich in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften das Land ungeachtet schwieriger demografischer, wirtschaftlicher und finanzieller Rahmenbedingungen kontinuierlich und signifikant verbessert habe. "Das belegt, dass wir uns mit den bildungspolitischen Entscheidungen der vergangenen zehn Jahre grundsätzlich auf dem richtigen Weg befinden – diesen Weg setzen wir jetzt fort." Besonders erfreulich sei, dass das Maßnahmenpaket in enger Abstimmung mit Schulpraktikern und externen Bildungsexperten entstanden ist.
Die Maßnahmen im Einzelnen
Ausbau der Unterstützung für Schulen und Lehrkräfte:
- Das Beratungs- und Unterstützungssystem für Schulen wird ausgeweitet. Schulen mit stark unterdurchschnittlichen Ergebnissen und einem hohen Anteil an Abgängern ohne Abschluss werden im Rahmen einer "aufsuchenden Beratung" unterstützt. Derzeit sind zwölf Beraterteams an 30 Ober- und Gesamtschulen aktiv. Ab dem kommenden Schuljahr wird die aufsuchende Beratung auf Grundschulen ausgeweitet.
- In den kommenden Jahren erhalten Schulleiter spezielle Fortbildungen, in denen sie unter anderem lernen, Schulleistungsdaten effektiver zu nutzen.
- Um herausragende Leistungen von Pädagogen zu würdigen, werden zum Ende des Schuljahres 2010/11 erstmals die besten und engagiertesten Lehrkräfte nach Potsdam eingeladen.
Gezielte Fortbildungsangebote für Englisch-Lehrkräfte:
- Um die Sprachkompetenz der Lehrkräfte zu erhöhen, wird das Land insbesondere während der Ferien Intensivkurse mit Muttersprachlern anbieten und finanzieren. Die zehntägigen Ferienakademien werden erstmals in den Sommerferien 2011 für 160 Teilnehmer angeboten und in den folgenden Jahren weiter ausgebaut.
- Zur Weiterentwicklung von modernen Unterrichtsmethoden im Fremdsprachenunterricht werden neue Fortbildungsangebote entwickelt. Die Angebote richten sich nicht wie bisher an einzelne Lehrkräfte, sondern an die Englisch-Fachkonferenzen.
Stärkung der Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern:
- Die bis zum Ende der Jahrgangsstufen 2, 4, 6, 8 und 10 zu erreichenden Basiskompetenzen für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch werden durch Aufgaben verdeutlicht, die die Lehrkräfte in ihrer Unterrichtsarbeit unterstützen sollen. Die Aufgabenpräsentation wird im laufenden Schuljahr im Internet eingerichtet und fortlaufend ausgebaut.
- Für die Klassen 1 bis 4 wird ein verbindlicher Grundwortschatz im Fach Deutsch ausgewiesen, um den Erwerb von Rechtschreibstrategien zu unterstützen. Der Grundwortschatz Deutsch wird ab Februar 2011 vorgelegt und zum Schuljahr 2011/12 verbindlich eingeführt.
- Die Anzahl der im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht zu behandelnden Ganzschriften – Romane etc. – wird verbindlicher festgelegt. Ab dem nächsten Schuljahr werden für die Klassen 3 und 8 jeweils eine Auswahl von 4 bis 6 aktuellen Kinder- und Jugendbüchern empfohlen, aus der alle Schulen eine Ganzschrift verbindlich im Unterricht behandeln sollen.
- Fachwissenschaftler und Lehrkräfte werden bis zum Schuljahr 2012/13 den Rahmenlehrplan für das Fach Englisch in den Klassen 3 bis 10 überprüfen und erneuern.
Zusätzliche Zeiträume zum Üben ab dem kommenden Schuljahr:
- In den Jahrgangsstufen 1 und 2 wird es künftig durch die Einführung eines Bereichs "grundlegende Bildung" mehr Lernzeit für den Erwerb von Basiskompetenzen geben. Für diesen Bereich stehen in den ersten beiden Schuljahren künftig 34 Wochenstunden zur Verfügung – vier Wochenstunden mehr als bisher.
- In den Jahrgangsstufen 5 und 6 werden vier der bisher sechs verfügbaren Schwerpunktstunden ebenfalls den Kernfächern zur Übung zugeteilt.
- Zudem werden im Rahmen der Ganztagsangebote sowohl in der Primarstufe als auch in der Sekundarstufe I Lernzeiten zur Sicherung des Schulerfolgs und zur Förderung von Begabungen verbindlicher vorgegeben.
Überprüfung des Erreichens der Standards:
- Am Ende der Jahrgangsstufen 2, 4 und 8 werden in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch ab dem Schuljahr 2011/12 schrittweise zentrale Orientierungsarbeiten eingeführt.
- Die zentrale Prüfung am Ende der Jahrgangsstufe 10 im Fach Englisch wird ab dem nächsten Schuljahr um einen Teil "Hörverstehen" erweitert.
- Die Klassenarbeiten bei der Leistungsbewertung werden künftig stärker gewichtet und gehen ab Jahrgangsstufe 7 zur Hälfte in die Ermittlung der Zeugnisnote ein. Zudem wird die Mindestanzahl verbindlicher Klassenarbeiten neu bestimmt – dazu erfolgt derzeit eine Abstimmung.
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