Bayerischer Philologenverband (bpv)
16.000facher Protest gegen Sparbeschlüsse der Staatsregierung
Lehrerverbände übergeben offenen Brief an Staatskanzleichef Schneider
Mehr zu: Bayern, Bildungsausgaben, Demografische Entwicklung, Hilfslehrer, Junglehrer, Lehrerbildung, Lehrermangel, Vergütung, SchuleEin klares "Nein!" setzen die in der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) zusammengeschlossenen Pädagogenverbände gegen die jüngsten Sparpläne der Staatsregierung. Innerhalb kürzester Zeit haben sie 16.000 Unterschriften gegen die Sparvorhaben und für mehr Lehrkräfte gesammelt. Zusammen mit einem offenen Brief wurden sie am heutigen Dienstag um 12.30 Uhr Herrn Staatsminister Siegfried Schneider in der Bayerischen Staatskanzlei übergeben.
Der Brief richtet sich an die Bayerische Staatsregierung und fordert, dass nicht auf dem Rücken der Bildung gespart werden darf. Es kann nicht angehen, dass die Politik einerseits nicht müde wird, die Bedeutung von Bildung für Bayerns Zukunft zu betonen, andererseits aber nun gerade auf Kosten der Junglehrer, die durch die Pläne besonders betroffen sind, gespart werden soll. Das Versprechen der Staatsregierung, dass an Bildung nicht gespart wird, muss gehalten werden! An Lehrkräften zu sparen – und damit an der Bildung –, ist nicht nur Wortbruch, es gefährdet die hohe Qualität der Bildung in Bayern! Gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte sind die Grundlage für gute Bildung! An ihnen zu sparen, ist schlichtweg falsch!
Damit kleinere Klassen, bessere Schüler-Lehrer-Relationen und weniger Unterrichtsausfall Wirklichkeit werden können, müssen die im Koalitionsvertrag vereinbarten 1000 neuen Lehrerplanstellen jährlich auch tatsächlich geschaffen werden. Eltern und Schüler haben ein Recht auf! Nur durch zusätzliches Personal und Aufbau einer integrierten Lehrerreserve sind diese Ziele zu erreichen. Lediglich, wie jetzt suggeriert, die über die demografische Rendite und die am Gymnasium frei werdenden Stellen größtenteils im System zu belassen, reicht nicht aus und ist ein durchschaubarer Rechentrick, der unseren Schülerinnen und Schülern vor Ort nicht weiterhilft. Die zugesagten Planstellen müssen unbedingt geschaffen werden! Ohne sie könnten zudem tausende bestens qualifizierte Junglehrer, die jetzt ihre Ausbildung abschließen, im Herbst arbeitslos sein. Von einer nachhaltigen Einstellungspolitik, die die Qualität des Unterrichts fortschreibt und sichert, kann so keine Rede sein.
Außerdem wirkt die Absenkung der Eingangsbesoldung um eine Besoldungsgruppe auf unsere jungen, bestens qualifizierten und hoch motivierten Kolleginnen und Kollegen geradezu wie ein Schlag ins Gesicht! Schon jetzt ist die Nachwuchsgewinnung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern und beruflichen Fachrichtungen äußerst problematisch, da die Privatwirtschaft deutlich bessere Einstiegsgehälter bezahlt. Durch eine Absenkung der Eingangsbesoldung würde der Bildungsbereich weiter an Konkurrenzfähigkeit einbüßen und könnte nicht – wie immer wieder in Sonntagsreden angestrebt - die "besten Köpfe" für sich gewinnen. Unsere Schüler haben aber ein Recht auf Unterricht auf höchstem Niveau. Daher darf es keine Absenkung der Eingangsbesoldung geben!
Wichtig ist aber auch eine deutliche Anhebung der Anwärtergrundbeträge. Die Ausbildungsvergütung vieler Ausbildungsberufe liegt im dritten Lehrjahr deutlich über den Anwärtergrundbeträgen der Referendare. Ein Vergleich mit Universitätsabsolventen in Trainee-Programmen der Privatwirtschaft fällt noch verheerender aus: Während sich die Anwärtergrundbeträge (schulartabhängig) zwischen 1094,76 € und 1157,34 € bewegen, werden Trainees im Schnitt mit 3.166,00 € entlohnt. Oftmals sind Referendare wegen den niedrigen Ausbildungsgrundbeträgen, wenn sie in bayerischen Ballungsräumen eingesetzt werden, auf zusätzliche familiäre finanzielle Unterstützung angewiesen. Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände fordert deshalb, dass die Anwärtergrundbezüge der Referendare deutlich erhöht werden!
An Bildung nicht zu sparen bedeutet nicht zuletzt auch, an den Schulen qualifiziertes Lehrpersonal einzusetzen. Lehrkräfte müssen schulartspezifisch über ihr fachliches, fachdidaktisches und pädagogisches "Handwerkszeug" verfügen. Statt die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen zunehmend Seiteneinsteigern ohne ausreichende Qualifikation zu überlassen, muss systematisch auf qualifiziertes Lehrpersonal gesetzt werden! Die Lehrkräfte stellen sich täglich den verantwortungsvollen Aufgaben des Unterrichtens und Erziehens mit großem Engagement, mit Loyalität und Improvisationsgeschick. Sie leisten außergewöhnliche Arbeit. An ihnen zu sparen, fügt der Bildungsqualität im Freistaat erheblichen Schaden zu. So weit darf es nicht kommen! Deshalb appellieren die Verbände an die Verantwortlichen in Regierung und Parlament, von ihren Sparvorhaben Abstand zu nehmen!
Für den Inhalt verantwortlich: Wolfram Janke, Pressereferent des bpv, E-Mail: , Tel. 0172/8483399
Der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) gehören der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (brlv), die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) und der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen (VLB) an.
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