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Lehrerbildung

Lehrerbildung: Chaos pur durch Bologna und Föderalismus

VBE fordert Harmonisierung der Lehrerausbildung

Mehr zu: Bologna-Prozess, didacta - die Bildungsmesse, Föderalismus, Junglehrer, Lehrerbildung, Mobilität, Vorbereitungsdienst, Hochschule
Berlin, 11.01.2011 -

"Die Bologna-Reform hat in der Lehrerausbildung zu einem Chaos pur geführt." Udo Beckmann, VBE-Bundesvorsitzender, und Oliver Arlt, Bundessprecher der Arbeitsgemeinschaft der jungen Lehrerinnen und Lehrer im VBE (AdJ), kritisieren, die Länder hätten sich nach wie vor nicht auf einheitliche Abschlüsse verständigen können. "Die KMK hat über Jahre die nötige Harmonisierung vor sich hergeschoben und sich in inhaltliche Standards für die Lehrerausbildung geflüchtet", so Udo Beckmann. Das sei Kleinstaaterei und kein vorzeigbarer Kulturföderalismus. Besonders in Zeiten des Lehrermangels verschärfe sich das Problem. "Der VBE erwartet von den Kultusministern dringend die Harmonisierung der Lehrerausbildung", betont Udo Beckmann. "Auch für Lehrer muss es endlich vergleichbare Abschlüsse geben. Absolventen von Lehramtsstudiengängen, die im eigenen Bundesland keine Chance in ihrem gewünschten Beruf bekommen, müssen ohne Hürdenlauf ins Nachbarland wechseln können, wenn dort händeringend junge Lehrer gesucht werden."

"Das Gerede von der besseren europäischen Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse klingt in den Ohren von Lehramtsstudierenden wie Hohn", sagt auch Oliver Arlt. "Überall wird Mobilität beschworen, aber für Lehrer ist an den jeweiligen Ländergrenzen Schluss, weil es keinerlei einheitliche Regeln für einen Bundeslandwechsel gibt."

So behalten Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen das Staatsexamen bei. Baden-Württemberg bildet den Lehrernachwuchs für Grund-, Haupt- und Realschulen als einziges Bundesland an Pädagogischen Hochschulen aus. In anderen Bundesländern schließt das Lehramtsstudium nur mit einem Master light ab und die fehlenden 60 Leistungspunkte zum vollen Master sollen im Vorbereitungsdienst erworben werden. Eine positive Ausnahme bildet NRW. Dort haben alle Lehramtsstudiengänge eine gleichlange universitäre Ausbildung und schließen mit einem vollen Master ab. Völlig inakzeptabel ist es, dass nicht in allen Ländern Bachelor-Absolventen ihr Lehramtsstudium mit einem Masterstudiengang weiterführen können, weil die Masterplätze nicht ausreichen. Ebenso unsicher ist die Berufsperspektive für Masterabsolventen, die in ihrem Land nicht im Vorbereitungsdienst unterkommen, weil die Plätze zu knapp sind.

"Wenn ein Lehrer wegen einer neuen Anstellung das Bundesland wechseln muss oder möchte, gilt es Hürden zu überspringen, die unüberbrückbar scheinen", stellt Arlt fest. "Nach Abschluss der mehrjährigen Lehreramtsausbildung mit Studium und Vorbereitungsdienst als Praxistest stehen den Junglehrern alle Wege offen, solange sie nicht eine Ländergrenze überschreiten müssen. Nur mit der Einführung vergleichbarer und vor allem gleichwertiger Abschlüsse lassen sich Arbeitsplatzwechsel über Ländergrenzen zügig und unbürokratisch durchführen. Nur mit einheitlichen Standards kann die Diskrepanz zwischen Lehrermangel in den einen und Lehrerüberschuss in den anderen Bundesländern beschleunigt aufgelöst werden."

Hintergrund: Struktur der Lehramtsstudiengänge nach Bundesländern

Mit Staatsexamen: BW, HE, MV, TH
Mit Staatsexamen und Bachelor-/Masterstudiengängen: BW, BY, RP, SL, ST
Mit Bachelor-/Master: BB, BE, HB, HH, NI, NRW, SH, SN

Auf der didacta - die Bildungsmesse informiert der VBE in Halle 1-C 81 unter anderem über die Struktur der Lehramtsstudiengänge in den Bundesländern.

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