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Letzte Änderung: 26.05.2012, 10:55
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"Kinder sind Nachdenkende"

Philosophieren im Kindergarten – Interview mit Prof. Dr. Barbara Brüning

Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, Frühe Förderung, Frühkindliche Bildung, Werteerziehung, Kindergarten / Vorschule
Köln, 01.02.2011 -

Lara trifft eines Tages im Wald auf einen kleinen Saurier, der gern ihre Welt kennenlernen möchte. Er ist nur für sie sichtbar und gemeinsam machen die beiden sich auf, um Antworten auf die kleinen und großen Fragen des Lebens zu finden. Geschrieben hat dieses moderne Märchen, herausgegeben im Bildungsverlag EINS, die Hamburger Pädagogik-Professorin Dr. Barbara Brüning. Sie will damit Kindergartenkinder zum Philosophieren anregen. Im Interview erklärt sie, welchen Stellenwert das Philosophieren gerade für diese Altersgruppe hat.

Frau Dr. Brüning, ist Philosophieren mit Kindergartenkindern nicht ziemlich schwierig?

Barbara Brüning: Nein, denn sobald Kinder sprechen können, stellen sie Fragen über alles Mögliche, zum Beispiel "Wie kommt die Sonne an den Himmel" oder "Warum gibt es böse Menschen auf der Welt? Es wäre ja viel einfacher, wenn es die nicht gäbe". Kinder stellen uns diese Fragen zuhause oder im Kindergarten. Und philosophieren heißt dann, dass Erwachsene diese Fragen aufgreifen und gemeinsam mit Kindern darüber nachdenken.

Das heißt also, die Erwachsenen sollten weitere Fragen stellen?

Barbara Brüning: Ja, wenn ein Kind fragt "Woher kommt der Himmel?", dann ist das eine philosophische Frage, die man nicht mit einer eindeutigen Antwort bedienen kann. Stattdessen spielt man den Ball als Eltern oder als Erzieherin zurück und sagt "Was meinst du denn, woher er kommt? Wie stellst du dir das vor?" Natürlich können auch Erwachsene sagen, was sie dazu meinen. Philosophieren bedeutet, dass Kinder lernen müssen, mit offenen Antworten zu leben. Man findet vielleicht eine Antwort, die einen im Moment zufriedenstellt, aber dieses "wir denken weiter darüber nach, es könnte ja vielleicht auch alles ganz anders sein" - das bleibt. Das ist das Besondere am Philosophieren, dass es auf wichtige Sinnfragen mehr als nur eine Antwort gibt.

Können Erzieherinnen oder Eltern dabei auch etwas falsch machen?

Barbara Brüning: Falsch wäre nur, wenn man meint, man müsste den Kindern eine ganz eindeutige Antwort geben, wenn ein Kind fragt "Woher kommt der Himmel" und ich sage als einzig mögliche Antwort "Gott hat den Himmel geschaffen". Aber ansonsten sind alle Kinder und Erwachsene Nachdenkende, sie machen sich Gedanken, wie man diese Frage beantworten kann. Und das Schöne ist, dass man gleichrangig ist. Denn sowohl Erwachsene als auch Kinder beginnen Ideen zu sammeln, zu philosophieren.

Kinder und Erwachsene philosophieren also am besten gemeinsam?

Barbara Brüning: Beim Basteln, beim Spielen im Freien oder beim Vorlesen: Überall stellen Kinder Fragen und wollen auch darüber nachdenken. Wenn sie aber im Laufe der Jahre merken, Erwachsene interessiert das nicht, das sind ganz komische Fragen, auf die keiner eingehen möchte, dann verlernen sie diese Neugierde. Ich finde aber, es gehört einfach zu uns Menschen dazu, dass wir über uns selbst Bescheid wissen wollen. Deswegen halte ich diese Fragen für wichtig und empfehle Eltern und Erzieherinnen, jede Gelegenheit zu nutzen - das kann ja auch nur fünf Minuten dauern. Immer wenn ein Kind fragt, kann man sagen "Ach, das ist ja interessant. Nun wollen wir mal überlegen, wie das sein könnte". Wichtig ist, den Kindern das Gefühl zu geben, dass ihre Fragen interessant sind und dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, auch weil es Spaß macht.

Zur Person

Seit 2005 ist Prof. Dr. Barbara Brüning Professorin für Philosophiedidaktik an der Universität Hamburg und seit 2009 Professeur Associé an der Universität Luxemburg. Darüber hinaus arbeitet sie in der Lehrerfortbildung verschiedener Bundesländer und als Schulbuchautorin.

Bildung von Anfang an

Mit einem Angebot rund um die Bildung von Anfang an unterstützt der Bildungsverlag EINS Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer alltäglichen Bildungsarbeit in den Kindertagesstätten. Ausgangspunkt für das Angebot ist der ganzheitliche Bildungsgedanke, so wie ihn auch die Bildungspläne der Bundesländer vorsehen. Das Konzept des Bildungsverlag EINS ist darauf ausgerichtet, Schritt für Schritt alle Bereiche des Bildungsplans abzudecken. Erzieherinnen und Erzieher können so aus einer Hand alles erhalten, was sie in ihrer Bildungspraxis unterstützt.

Auch in diesem Jahr laden wir Sie herzlich ein, "Bildung von Anfang an" einmal hautnah zu erleben. Auf der didacta in Stuttgart, Halle 3, Stand 3G12 haben Sie vom 22. bis 26 Februar 2011 die Möglichkeit, sich über unser vielfältiges Produktprogramm zu informieren und in einem persönlichen Gespräch mit unseren Autor/-innen und Mitarbeiter/-innen Ihre Fragen und Anregungen zu diskutieren.

Barbara Brüning: Prinzessin Lara und der kleine Saurier
Ein Märchen zum Philosophieren über Menschen, Tiere und die Welt
ISBN: 978-3-427-50530-3, 2010, DIN A4, 96 Seiten, 19,90 Euro

Barbara Brüning. Mit Lara und dem kleinen Saurier philosophieren
Praxisbuch zum Nachdenken über Menschen, Tiere und die Welt
ISBN: 978-3-427-50531-0, 2010, DIN A4, 80 Seiten, 14,90 Euro

Musik zu "Prinzessin Lara und der kleine Saurier"
Das Lied: Ein Saurier tappt durch's Menschenland (Kostenloser Download)
www.bildung-von-anfang-an.de/50530/prinzessinLara.wma

Kinderbücher zum Philosophieren im Kindergarten und didaktische Literatur zu einzelnen philosophischen Themen, zusammengestellt von Barbara Brüning.
(Kostenloser Download) www.bildung-von-anfang-an.de/50531/Philosophieren.pdf

Pressekontakt zu dieser Meldung

Tanja Weppler
Marketing

Bildungsverlag EINS GmbH
Hansestraße 115
51149 Köln

Telefon: +49 2203 8982-8106
Telefax: +49 2203 8982-9810
E-Mail:
www.bildungsverlag1.de

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