Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
Medienerziehung kommt an den Schulen zu kurz
Deutscher Kinderschutzbund und BLLV mahnen anlässlich des morgigen Safer Internet Days Stärkung der Medienkompetenz Heranwachsender an
Mehr zu: Bayern, Medienkompetenz, Prävention, Safer Internet Day, SchuleMedienerziehung muss an den Schulen deutlich aufgewertet werden. Obwohl Kinder und Jugendliche in eine Medienwelt hineingeboren werden und ganz selbstverständlich modernste Fernsehgeräte, Computerspiele, Internet, soziale Netzwerke und Handys nutzen, erfahren sie nur wenig über den bewussten Umgang mit den "Neuen Medien".
"Medienerziehung spielt an den Schulen eine eher untergeordnete Rolle. Dabei brauchen gerade Heranwachsende Hilfestellung und Anleitung, wie sie sich im Mediendschungel zurecht finden können und worauf sie achten müssen", erklären der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) Landesverband Bayern, Ekkehard Mutschler, und der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. Sie fordern anlässlich des morgigen Safer Internet Day, der Medienerziehung an Schulen größeren Stellenwert einzuräumen und den Lehrkräften genügend Möglichkeiten, Zeit und Raum an die Hand zu geben, Schülerinnen und Schüler in ihrer Medienkompetenz zu stärken. Auch Eltern müssten wissen, wie sie ihren Kindern Hilfestellung geben können und wo sie professionellen Rat bekommen. "Es ist wichtig, dass sie wissen, wo sich ihre Kinder im Internet aufhalten, mit welchen Computerspielen sie sich beschäftigen, was sie mit ihrem Handy machen und vor allem, was sie daran so fasziniert."
Medien bieten viele Möglichkeiten und Chancen. "Der Zugriff zum Internet eröffnet den Menschen neue Lern- und Erfahrungsbereiche. Medienkompetenz ist damit eine Schlüsselqualifikation in Bezug auf Bildung und mitentscheidend für die Lebensgestaltung junger Menschen", so Mutschler. "Das Lernen über und mit Medien ist in unserer Gesellschaft unverzichtbar geworden." Mediennutzung birgt allerdings auch Risiken und Gefahren. Die wenigsten Kinder und Jugendlichen surfen in moderierten Chats oder nutzen speziell für sie eingerichtete Netzwerke. Sie bevorzugen solche, die ursprünglich nicht für sie gedacht waren. Hier können sie in Kontakt mit Pädophilen, Drogendealern und Sekten kommen. Beim Surfen im Internet treffen sie auch auf bedenkliche und riskante Seiten. Manche suchen aus Neugier auch gezielt "verbotene Seiten" auf. Dabei stoßen sie auf rechtsradikale Inhalte, frei zugängliche Pornographie auch härtester Art, Gewaltdarstellungen oder Leichenbilder. Daneben entdecken sie Seiten, die Magersucht oder Selbstmord verherrlichen. Dies führt bei den Heranwachsenden nicht selten zu Überforderung und Verstörung sowie bei einigen zu langfristigen Störungen der psychischen Entwicklung.
Auch der aktive Umgang mit dem Netz muss gelernt sein: Das Web 2.0 lebt von Inhalten, die von den Nutzern selber erstellt werden. Gerade Jugendliche machen hier viele Fehler: Von Verstößen gegen das Persönlichkeits- und Urheberrecht bis hin zum Happy Slapping per Handy, wobei Schlägereien und Angriffe auf unbekannte Personen oder Mitschüler/innen mit dem Handy gefilmt und online gestellt werden. Rund 31% aller Jugendlichen haben laut der JIM-Studie 2010 (Jugend, Information, Multi-Media Basisuntersuchungen zum Medienumgang 12- bis 19Jähriger) Erfahrungen mit Happy Slapping, d.h. sie beobachteten, wie beispielsweise eine Schlägerei mit dem Handy gefilmt wurde.
"Kinder und Jugendliche müssen möglichst von klein auf einen reflektierten Umgang mit den Medien lernen. Sie müssen vor allem auch lernen, wie die vielen unterschiedlichen Informationen zu bewerten sind und wie sie an für sie relevante Informationen kommen. Hier ist nicht nur die Sensibilisierung in Bezug auf riskante Seiten gefragt, sondern auch ein Angebot an ´guten´ Seiten, die Heranwachsende ansprechen, aber nicht ´pädagogisieren´ ", erklärten Mutschler und Wenzel. Für Eltern sei es ganz entscheidend zu wissen, wo sich ihre Kinder im Internet bewegen, welche Websites sie aufrufen, in welchen sozialen Netzwerken sie sich bewegen und welche Spiele sie nutzen. Sie sollten Interesse signalisieren und ihre Kinder aktiv begleiten. "Wichtig ist es, Gefahren offen anzusprechen. Heranwachsende müssen von Erwachsenen auch hören, dass Gewalt und Pornografie nicht richtig sind und die entsprechenden Bilder hierzu nicht unbedingt die Realität widerspiegeln", betonte Wenzel.
Aus seiner Sicht spielt die Schulung der Medienkompetenz im Unterrichtsalltag eine zu geringe Rolle: "Angehende Lehrkräfte werden in ihrem Studium noch viel zu wenig auf diese Problematik vorbereitet. Die Vermittlung von Medienkompetenz muss von einer Nebensache zu einer Hauptsache werden." Dazu gehöre - neben entsprechenden Zeitbudgets und ausreichendem gut geschulten Personal - freilich auch die verbesserte Ausstattung der Schulen mit Computern. "Wie sollen Schüler den richtigen Umgang in der Schule lernen und üben, wenn es die dafür erforderlichen Geräte nicht gibt?"
Mutschler verwies auf das Medienkompetenzprogramm des Deutschen Kinderschutzbundes: "Wir versuchen alle Zielgruppen zu erreichen. Kindern und Jugendlichen vermitteln wir einen kompetenten Umgang, ohne dass sie den Spaß an der Sache verlieren. Eltern und Pädagogen geben wir Schulungsangebote und Hilfestellungen an die Hand, damit sie Kinder und Jugendliche sicher durch die Medienwelt begleiten können." Das Motto laute: "Prävention durch Vermittlung von Medienkompetenz."
Nähere Informationen zum Angebot des Kinderschutzbundes sind unter www.mediendschungel.de. zu finden. Anlässlich des Safer Internet Day 2011 startet der DKSB morgen eine Diskussion auf seiner Fanpage unter www.facebook.com.
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