Volkshochschulen fordern nationale Offensive zur Verbesserung von Lese- und Schreibkompetenzen
7,5 Millionen Erwachsene sind funktionale Analphabeten
Mehr zu: Analphabetismus, Bildungsausgaben, Bildungschancen, Lebenslanges Lernen, Weiterbildung, Sonderthemen"Das Ausmaß an fehlender Grundbildung und unzureichender Schriftsprachkompetenz in Deutschland stellt eine zentrale Herausforderung an das Bildungs- und Weiterbildungssystem und an alle gesellschaftlichen Kräfte dar. Die Volkshochschulen fordern deshalb Bund, Länder und Kommunen auf, eine nationale Offensive zur Stärkung von Lese- und Schreibkompetenzen zu starten." Mit dieser Stellungnahme reagierte Prof. Dr. Rita Süssmuth als Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) auf eine Untersuchung der Universität Hamburg, nach der die Zahl der Erwachsenen, die nicht ausreichend schreiben und lesen können, größer ist als bisher angenommen.
Ziel müsse es sein, hinreichende Angebote zur Vermittlung schriftsprachlicher Kompetenzen flächendeckend und wohnortnah aufzubauen. Diese Angebote müssten den Menschen in jeder Lebensphase zur Verfügung stehen. Dazu, so Süssmuth, sei es notwendig, dass die Länder zusätzliche finanzielle Ressourcen für ein verlässliches, ausreichend dimensioniertes und qualitätsgesichertes Kursangebot bei den Volkshochschulen und anderen Trägern bereitstellen.
Begleitend bedürfe es aber auch einer bundesweiten medial gestützten "Ermutigungskampagne", die funktionale Analphabetinnen und Analphabeten motiviert, aus ihrer Anonymität herauszutreten und die Angebote zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz wahrzunehmen. Zugleich müssten Ansprechpartner der Betroffenen in Betrieben, Kommunen und Arbeitsverwaltung geschult werden, damit sie Interessierte über vorhandene Beratungsangebote kompetent informieren können. "Aber nicht nur der Staat, auch sämtliche gesellschaftlichen Kräfte müssen einbezogen werden", fuhr die Präsidentin fort. "Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Medien zum Beispiel können hier engagierte Partner sein." In diesem Zusammenhang begrüßte Süssmuth auch die Initiative der Bundesbildungsministerin für einen Grundbildungspakt.
Über die konkreten Erfordernisse dieser "Offensive" berät der DVV auf seiner ohnehin für Dienstag und Mittwoch nach Wiesbaden einberufenen Mitgliederversammlung.
Hinweis für die Redaktionen:
Der DVV hatte bereits in der vergangenen Woche zu einer Pressekonferenz übermorgen (Mittwoch, 2.3.11, 12 Uhr) nach Wiesbaden (Rathaus, Schlossplatz 6, Kl. Festsaal, Zimmer 102) eingeladen. Aus Anlass der aktuellen Entwicklung möchten wir unsere Einladung an die Medien gern erneuern. Für Ihre Fragen stehen Ihnen u.a. DVV-Präsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth, der DVV-Vorsitzende Dr. Ernst Dieter Rossmann, und die Autorin der vom Bundesbildungsministerium beauftragten Studie, Prof. Dr. Anke Grotlüschen zur Verfügung.
Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen die rund 1000 Volkshochschulen in Deutschland.
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