GEW Schleswig-Holstein
Jährlich verschwinden 1.488 Lehrerplanstellen zwischen Planung und Wirklichkeit
Mehr zu: Lehrermangel, Schleswig-Holstein, Unterrichtsversorgung, SchuleDie Zahlen sprechen eine klare Sprache: Exakt 1488 Lehrerinnen und Lehrer fehlen an Schleswig-Holsteins Schulen. Das belegt eine Überprüfung der Stellenwirklichkeit durch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn am Montag, den 14. März in Kiel auf einer Pressekonferenz vorstellte.
"Wir haben es im Bildungsministerium mit systematischer Vernebelung von Lücken und Löchern zu tun. Jahr für Jahr verschleiert das Land den Fehlbedarf von knapp 1500 Planstellen. Jahr für Jahr müssen Kinder sowie Lehrerinnen und Lehrer dafür den Preis zahlen. Die Kinder, weil sie weniger Unterricht als vorgesehen erhalten; die Lehrerinnen und Lehrer, weil sie mehr Belastungen tragen müssen", sagte Matthias Heidn.
Die Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein sollen Unterricht im Gegenwert von 20103 Planstellen erhalten. Diese Zahl ergibt sich aus einer Umrechnung des vorgesehenen Unterrichts pro Klasse, der in der so genannten Stundentafel festgelegt ist, in Lehrerplanstellen. Beispiel Grundschule: 23 Unterrichtsstunden pro Woche pro Klasse x 4584 Klassen in Schleswig-Holstein = 105424 Unterrichtsstunden. Um diesen Bedarf abzudecken, werden bei einer wöchentlichen Pflichtstundenzahl von 28 Pflichtstunden pro Lehrkraft 3765 Lehrerstellen gebraucht.
Dazu kommen 4202 Planstellen, um andere gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, wie zum Beispiel Leitungszeit für Schulleitungen, G-8 und Verlässlichkeit in der Grundschule. Macht zusammen einen Planstellenbedarf von 24305 Stellen. Im Haushalt stehen aber nur 22817. Bleibt also ein Minus von genau 1488 Stellen.
Vermutlich gibt es diese Praxis schon seit mehreren Jahren. "Nehmen wir einmal an, sie besteht seit 10 Jahren, dann hat das Land auf diese Art und Weise 750 Millionen Euro (10 Jahre x 1500 Stellen x 50000 € Kosten pro Stelle pro Jahr) gespart", rechnete Matthias Heidn vor. "Das kann man Trickserei oder Schummelei nennen. Ich nenne das Unterschlagung von Unterricht zu Lasten von Kindern und Jugendlichen."
Vor dem Hintergrund der GEW-Berechnungen wirke es umso skandalöser, dass in Schleswig-Holstein 3650 Stellen bis zum Jahr 2020 gestrichen werden sollen, so der GEW-Landesvorsitzende. Schon im kommenden Schuljahr wolle Bildungsminister Dr. Klug damit beginnen und 300 Stellen einkassieren.
"Bildungsminister Dr. Klug hat es hier mit einer Erblast der vorherigen Regierungen zu tun. Er ist für diese Praxis nicht allein verantwortlich", nahm Matthias Heidn den Bildungsminister zunächst in Schutz. "Aber der Bildungsminister hat mit dieser unerträglichen Praxis leider auch nicht Schluss gemacht, sondern schreibt sie fort und setzt mit den Stellenstreichungen noch einen drauf. Deshalb fordere ich den Minister auf: Leisten Sie einen Offenbarungseid, Herr Dr. Klug! Räumen Sie die Stellenlöcher ein! Verzichten Sie auf die Stellenstreichungen, damit die Situation an den Schulen nicht noch schlechter wird!"
Die Berechnungen der GEW basieren allesamt auf öffentlich zugänglichen Zahlen. Die GEW-Rechner wühlten sich dabei durch einen Wust von Regierungs-Antworten auf Abgeordneten-Anfragen, Haushaltsplänen, Rechnungshofberichten und Erlassen. Zum Schluss wurde zusammengezählt und das Ergebnis minutiös in drei Tabellen festgehalten. Aufgefallen sind diese Unterschlagungen von Unterricht bisher kaum, weil von vornherein nicht erteilter Unterricht bei ca. 17754 Klassen an 880 Schulen nicht sofort auffällt.
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