VBE zur Grundschrift
Ursachenbekämpfung nicht vergessen
Mehr zu: Baden-Württemberg, Deutsch, Grundschrift, Grundschule, Leseförderung, Lesekompetenz, Unterrichtsgestaltung, SchuleDer Versuch, die Grundschrift in einigen Grundschulen Baden-Württembergs zu erproben wird vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Südbaden argwöhnisch beäugt. Wie das Vorstandsmitglied des Landesbezirks, Silke Siegmund, mitteilt, sind vor allem die Begründungen aus dem Kultusministerium nicht nachvollziehbar.
"Wenn jemand feststellt, dass den Schülern heutzutage feinmotorische Fähigkeiten fehlen, sollte es das Ziel jeden pädagogischen Handelns sein, diese zu verbessern", meint Siegmund. Statt die Ursachen zu bekämpfen hat die bisherige Kultusministerin Marion Schick die Devise ausgegeben: "Ich will nicht, dass die Kinder sich an der Schrift abarbeiten. Ich will, dass sie ihren Hirnschmalz für Deutsch, Mathe und die anderen Fächer einsetzen." Siegmund: "Eine verbesserte Feinmotorik kommt nicht nur der Verbesserung der Schrift zugute, sondern hilft auch in vielen anderen Lebensbereichen. Deshalb ist der VBE überzeugt, dass die ministerielle Begründung keineswegs so strukturiert ist, dass die geplante Veränderung den Schülerinnen und Schülern zu Gute kommt. Außerdem befürchtet Siegmund, die Freiheit der Buchstabenkombinationen könnte gerade schwächeren Kindern optimale Abläufe der Motorik erschweren.
Der bundesweit agierende Grundschulverband hatte im Mai 2010 dieses Thema aufgegriffen und wissenschaftlich aufgearbeitet. Ziel ist, die "ins Museum gehörenden" Schriften abzuschaffen und durch eine druckschriftähnliche Grundschrift zu ersetzen. Die neue Grundschrift sei besonders formklar, funktional, geläufig schreibbar und könne zur individuellen Handschrift weiterentwickelt werden. Außerdem lässt sie den Kindern die Freiheit die Buchstaben aneinanderzureihen oder auch nicht.
Die seit 1951 geltende Lateinische Ausgangsschrift sei nicht unter schreibmotorischen, sondern unter ästhetischen Gesichtspunkten entwickelt worden. Mit ihren geflammten Aufstrichen, Drehrichtungswechseln und komplizierten Buchstabenverbindungen sei die Schrift heute nicht mehr zeitgemäß, ebenso wie die (zu) vielen in den Schulen verwendeten Schriften Auch im Computerzeitalter bräuchten Kinder eine gut lesbare, leicht und flüssig schreibbare Schrift.
Silke Siegmund: "Es gibt immer Wissenschaftler, die das ein oder andere ändern wollen und dieses auch mit sinnvollen Argumenten belegen. Allerdings waren alle vorhergehenden Änderungen ebenso sinnvoll wissenschaftlich begründet und werden heute teilweise wieder verworfen". Seit 1951 wurden, so der VBE, mit der Lateinischen Ausgangsschrift, mit der Vereinfachten Ausgangsschrift, mit der Schulausgangsschrift und mit der Druckschrift vier verschiedene Schriftarten mit teilweise sehr gewöhnungsbedürftigen Schriftbildern erprobt. Auch im Computerzeitalter sei Schreiben ein wichtiges Kulturgut. Ob dies mit dem ministeriellen Versuch wirklich richtungsweisend verbessert werden kann, bleibt abzuwarten.
Hintergrundwissen
www.badische-zeitung.de/fotos-lehrerverband-fordert-neue-grundschrift und: www.die-grundschrift.de und: www.zeit.de/2011/13/C-Schreibschrift
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