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Pressemeldung
GEW Bayern
Übertrittszeugnis

GEW Bayern zu den Übertrittszeugnissen

Bayern bald allein auf weiter Flur

Mehr zu: Bayern, Grundschule, Hauptschule, Übertritt, Schule
München, 28.04.2011 -

Am kommenden Montag werden es alle Viertklasskinder wieder schriftlich in der Hand haben - das Übertrittszeugnis. Es wird klarstellen, "wohin sie gehören": an die Haupt- bzw. neuerdings Mittelschule, an die Realschule oder ans Gymna- sium. Eltern, die die Einzelnoten ihrer Kinder in den drei "wichtigen" Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht sorgfältig notieren und auch wissen, wie sie zu gewichten sind, haben längst ausgerechnet, welche Schulart ihr Kind ab September besuchen kann.

Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: "Dennoch ist es für Kinder und Eltern ein beschämendes Gefühl, schwarz auf weiß lesen zu müssen, dass sie zu den ca. 30 % "Aussortierten" gehören, die nur für die Hauptschule "geeignet" sind. Weitere ca. 30 % werden die Wahl zwischen Real- und Hauptschule haben, und ca. 40 % werden sich fürs Gymnasium entscheiden, auch wenn ihnen alle drei Schularten offen stehen. Wenn sich an dieser Zuordnungspraxis nichts ändert, werden die bayerischen Kinder ab dem kommenden Schuljahr die einzigen sein, die zum Ende der Grundschulzeit verbindlich in drei Schubladen sortiert werden. Baden-Württemberg wird mit der neuen Regierung diesen alten Zopf endlich ab- schneiden, und in den anderen Bundesländern gibt es so gut wie keine Haupt- schule mehr."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft weist erneut darauf hin, dass Schulnoten keine haltbare Grundlage für Schullaufbahnentscheidungen sind. Seit Jahrzehnten ist bekannt und wissenschaftlich belegt, dass Noten mit Ur- teils- und Messfehlern behaftet sind. Z. B. wurde bereits in den 70-er Jahren des letzten Jahrtausends nachgewiesen, dass die Erwartungshaltung von Lehrkräf- ten die Leistung von SchülerInnen (unbewusst) beeinflusst. Schätzt eine Lehre- rin einen Schüler als "schwach" ein, hat dieser Schüler es faktisch schwerer, gute Leistungen zu erbringen, als eine Schülerin, die als leistungsfähig ein- geschätzt wird. Die PISA-Studien haben zudem nachgewiesen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien und aus Migrationsfamilien tendenziell schlechter benotet werden, als Kinder aus sog. bildungsnahen Familien. Außerdem können Noten sich immer nur auf das beziehen, was Kinder schon gelernt haben und wiedergeben können, nie auf das, was sie künftig werden leisten können.

Dazu Neubäcker: "Diese Kritik an den Übertrittszeugnissen und an der zu praktizierenden Notengebung richtet sich nicht an die LehrerInnen, sondern an das System. LehrerInnen arbeiten engagiert und sind durch den Spagat zwischen ihren Verpflichtungen und der Sorge um und die Verantwortung für die Kinder hin und her gerissen, was nicht selten zu Erkrankungen führt. Eine große Mehr- heit lehnt diesen Auslesezwang ab und würde Kinder gern in Bezug auf ihren per- sönlichen Fortschritt beurteilen. Stattdessen muss eine vorgegebene, große Zahl an für alle gleichen Probearbeiten in den genannten Fächern nachgewiesen werden.

Kinder sind in Ranglisten innerhalb der Klasse einzuordnen, Rücksicht auf den individuellen Entwicklungsstand einzelner Kinder ist nicht vorgesehen. Nur so kann das bayerische Schulsystem wieder besseres Wissen künstlich am Leben er- halten werden. Die GEW fordert dagegen seit langem die Überwindung des Schul- systems vergangener Jahrhunderte zugunsten einer Schule für alle Kinder bis zum Ende der Pflichtschulzeit. Als Zwischenschritt fordert die GEW die sofortige Abschaffung der Übertrittszeugnisse. Dies würde enormen Druck von Kindern, Eltern und Lehrkräften nehmen und entspannteres und dadurch erfolgreicheres Lernen ermöglichen. Die Entscheidung, welche Schulart ein Kind besuchen soll, ist aus unserer Sicht den Kindern zusammen mit ihren Eltern zu überlassen!"

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