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Nordrhein-Westfalen

Löhrmann: "Wir führen den islamischen Religionsunterricht Schritt für Schritt ein"

Tagung in Münster: "Die Zukunft des islamischen Religionsunterrichts in NRW"

Mehr zu: Nordrhein-Westfalen, Religion, Schulgesetz, Unterrichtsgestaltung, Schule
Düsseldorf, 06.05.2011 -

Schulministerin Sylvia Löhrmann und Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles haben heute an der Universität Münster eine Tagung zur Zukunft des Islamischen Religionsunterrichts in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Ministerin Löhrmann stellte dabei die Grundzüge und das weitere Vorgehen zur Einführung des Faches vor.

"Wir gehen pragmatisch vor und werden den Islamischen Religionsunterricht Schritt für Schritt einführen. Das Angebot wird sich am Bedarf orientieren und nach und nach aufgebaut", erklärte Schulministerin Sylvia Löhrmann. "Wir wollen einen modernen, schülerorientierten Islamischen Religionsunterricht."

Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) betonte: "Es ist notwendig, daran zu arbeiten, dass sich so etwas wie ein europäisches Verständnis des Islam entwickelt. Dafür bietet die Universität Münster mit ihren starken theologischen Fachbereichen, dem Exzellenzcluster ,Religion und Politik` und dem ,Centrum für Religiöse Studien' eine herausragende Ausgangsbasis. Zudem bildet die Universität Münster bereits seit 2004 muslimische Religionslehrer aus: Wir haben somit einen großen Erfahrungsschatz und ein passendes Umfeld, um die Studierenden optimal auszubilden."

Mit der geplanten Einführung des Faches kann ab dem Schuljahr 2012/13 zunächst an den rund 130 Schulen begonnen werden, an denen bereits das Fach Islamkunde angeboten wird. Hier unterrichten etwa 80 Islamkundelehrkräfte. Darüber hinaus werden ca. 60 weitere Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen im Sommer 2011 einen Zertifikatskurs Islamkunde abschließen. Darauf aufbauend kann der Islamische Religionsunterricht schrittweise landesweit ausgeweitet werden. "Wir werden nicht sofort hunderte oder gar tausende Lehrerstellen benötigen. Denn wir können heute noch gar nicht exakt sagen, wie viele der über 320.000 muslimischen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen tatsächlich am Islamischen Religionsunterricht teilnehmen wollen. Die Eltern werden gegenüber der Schule erklären, ob ihr Kind am Unterricht teilnimmt", betonte die Schulministerin. Die Landesregierung und die Universität Münster streben gemeinsam an, islamische Religionslehrerinnen und Religionslehrer auszubilden, die dann ihren Dienst an den Schulen in Nordrhein-Westfalen aufnehmen.

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik an der WWU hob auf der Tagung in Münster hervor: "Das im Februar 2011 erzielte Einvernehmen über die Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts in NRW stellt einen Meilenstein in dieser Frage dar. Die Universität Münster freut sich sehr, dass wir mit der Aufgabe betreut sind, Lehrkräfte für diesen Unterricht aus- und weiterzubilden. Dazu bietet die WWU die besten strukturellen Voraussetzungen. Unsere Erfahrungen wird allen zugute kommen. Die islamische Religionspädagogik kann zudem von den Erfahrungen der katholischen und der evangelischen Fakultät profitieren, die europaweit hoch anerkannt sind."

Am 22. Februar dieses Jahres hatten der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und die nordrhein-westfälische Schulministerin eine Gemeinsame Erklärung zur Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts unterzeichnet. "Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es Bemühungen, einen bekenntnisorientierten Islamunterricht einzuführen. Mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung haben wir nach jahrelangen Gesprächen einen Durchbruch erzielt", erklärte Schulministerin Löhrmann. Die Erklärung sieht u. a. vor, dass dem Land Nordrhein-Westfalen ein Beirat als Ansprechpartner für die Einführung des Islamischen Religionsunterrichts zur Seite steht. Er vertritt die religiösen Grundsätze der Muslime gegenüber dem Land. Zu seinen Aufgaben gehören u. a. die Mitwirkung bei der Lehrplanentwicklung und die Bestätigung der Lehrkräfte für den Islamischen Religionsunterricht. Die Mitglieder des Beirats werden vom Schulministerium im Einvernehmen mit dem Koordinationsrat benannt. Alle Mitglieder sind muslimischen Glaubens.

Zur Einführung des Islamischen Religionsunterrichts und zur rechtlichen Absicherung des Beiratsmodells ist zunächst eine Änderung des Schulgesetzes notwendig. Ministerin Löhrmann: "Es wäre ein wichtiges Signal an die Muslime, wenn der Gesetzentwurf aus der Mitte des Parlaments käme. Damit wird die Einführung des Faches von einer breiten Mehrheit der Gesellschaft getragen." Sobald der Gesetzentwurf vorliegt, wird das Schulministerium eine Lehrplankommission einberufen. Für die Mitarbeit in dieser Kommission werden qualifizierte Religionsdidaktikerinnen und -didaktiker, Lehrkräfte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingesetzt. Die Kommission wird vom Schulministerium geleitet. Nach Fertigstellung des Lehrplans wird die bei Lehrplanverfahren übliche Verbändebeteiligung durchgeführt.

Die Rede von Schulministerin Sylvia Löhrmann

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