Philologenverband Baden-Württemberg
Positive Weichenstellung in Bezug auf Parallelführung G8 und G9
Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) gratuliert der neuen Kultusministerin Warminski-Leitheußer und bietet konstruktive Zusammenarbeit an
Mehr zu: Baden-Württemberg, G8, Gemeinschaftsschule, Gymnasium, Realschule, Schule"Wir wünschen der neuen Kultusministerin einen guten Start in ihrem Amt und bieten ihr unsere Zusammenarbeit bei allen bildungspolitischen Themenstellungen an", so der PhV-Vorsitzende Bernd Saur in seiner Stellungnahme zur Vereidigung der neuen grün-roten Landesregierung am gestrigen Donnerstag.
"Vor allem im Bereich der Parallelführung von G8- und G9-Zügen sehen wir die Möglichkeit einer inhaltlichen Ausgestaltung dieser Öffnung, mit der eine PhV- Kernforderung der vergangenen Jahre erfüllt wird. So können die Gymnasien nun prüfen, ob aufgrund der speziellen Gegebenheiten am Schulstandort die Einführung eines G9-Zuges in Frage kommt. Bei der konkreten Ausgestaltung bieten wir von Verbandsseite auch Unterstützung an", so Saur weiter.
Auch die Forderung des Expertenrats "Herkunft und Bildungserfolg", den Fremdsprachenunterricht an der Grundschule erst in Klasse 3 beginnen zu lassen und mit den frei werdenden Stunden den Kompetenzerwerb in Deutsch und Mathematik zu fördern, findet beim Philologenverband Unterstützung. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund, bei denen Deutsch bereits die erste Fremdsprache ist, profitieren von einer Schulung der Sprachkompetenz im Fach Deutsch mehr als von einer zusätzlichen Fremdsprache Englisch oder Französisch in den ersten beiden Grundschuljahren.
Hingegen lehnt der Philologenverband Pläne zur Einführung von zehnjährigen Gemeinschaftsschulen ab, die Bernd Saur wie folgt kommentiert: "Es gibt aus der Bildungsforschung keinen einzigen überzeugenden Hinweis auf eventuelle Vorteile des "längeren gemeinsamen Lernens". Wohl aber gibt es - vor allem von Wissenschaftlern, die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung tätig sind oder waren - viele Hinweise darauf, dass ein "längeres gemeinsames Lernen" sowohl für die leistungsstärkeren als auch für die leistungsschwächeren Schüler erhebliche Nachteile bringt."
Da Frau Warminski-Leitheußer aus Nordrhein-Westfalen stammt, wird sie sicherlich wissen, dass dort bei gleichen intellektuellen und sozialen Eingangsbedingungen Realschüler gegenüber Gesamtschülern am Ende der Sekundarstufe I etwa in Mathematik einen Wissensvorsprung von etwa zwei Schuljahren haben, Gymnasiasten sogar von mehr als zwei Schuljahren.
Wir fordern die Kultusministerin auf, den fortgesetzt verwendeten Begriff der "individuellen Förderung" raschestmöglich zu konkretisieren. Es ist noch nicht hinreichend klar geworden, wie die konkrete Umsetzung dieses Vorhabens aussehen soll.
Zentrales Anliegen des Philologenverbands in den kommenden Jahren wird sein, bei allen angedachten Änderungen die Qualität des baden-württembergischen Gymnasiums auf dem gegenwärtig hohen Niveau zu halten. "Das sind wir unseren Schülerinnen und Schülern und auch den Eltern schuldig, die für ihre Kinder ein bislang bundesweit sehr anerkanntes Abitur anstreben, welches die Studierfähigkeit garantiert" so Saur abschließend.
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