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Volkshochschultag 2011

Weiterbildung für alle – Kampf gegen Bildungsarmut

Süssmuth fordert 100-Mio.-Euro-Pakt für Alphabetisierung und Grundbildung

Mehr zu: Analphabetismus, Bildungsausgaben, Bildungschancen, Lebenslanges Lernen, Schavan, Weiterbildung, Weiterbildung
Berlin, 13.05.2011 -

"Deutschlands Zukunft hängt von einem offenen und chancengerechten Zugang zur Weiterbildung ab. Weiterbildung für alle ist genauso wichtig wie der Ausbau der frühkindlichen Bildung." Das erklärte die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV), Prof. Dr. Rita Süssmuth, vor 1.500 Gästen des XIII. Deutschen Volkshochschultages in Berlin. Der Volkshochschultag ist Europas größter Weiterbildungskongress.

In dem in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellten neuen Grundsatzprogramm "Die Volkshochschule – Bildung in öffentlicher Verantwortung" verpflichten sich die Volkshochschulen zu noch mehr eigenen Anstrengungen und Einsatz für mehr Weiterbildung und Bildungsgerechtigkeit für alle. So trat der DVV, in Anwesenheit von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan, der "Allianz für Bildung" bei – und wurde direkt konkret: DVV, VHS-Landesverbände, Volkshochschulen und die gemeinnützige Frankfurter Tochter telc stiften bis zu 2000 Stipendien für bildungsbenachteiligte Jugendliche. Damit werden Sprachkurse in Englisch und Türkisch mit Abschlusszertifikat möglich gemacht.

Um spezielle Bildungsangebote für bildungsbenachteiligte Erwachsene vorhalten zu können, fordern die rund tausend deutschen Volkshochschulen von Bund und Ländern sowie der Wirtschaft jährlich 100 Millionen Euro. Damit sollen künftig pro Jahr zusätzlich 50.000 funktionale Analphabeten Lesen und Schreiben lernen. Die langjährige frühere Bundestagspräsidentin reagierte damit auf eine jüngst von der Universität Hamburg vorgelegte Studie, nach der in Deutschland 7,5 Millionen Erwachsene so geringe Lese- und Schreibkompetenzen haben, dass sie am alltäglichen Leben nur schwer teilhaben können. Dieses "verheerende Ergebnis" verlange unverzügliches und entschlossenes Handeln. "Der von Bund und Ländern angekündigte Grundbildungspakt muss verbindliche Ergebnisse erbringen, um den Betroffenen schnellstens eine Verbesserung ihrer Lebenslage, Beschäftigungsfähigkeit und beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten zu ermöglichen. Deshalb müssen nicht nur der Staat, sondern auch sämtliche gesellschaftlichen Kräfte in den Grundbildungspakt einbezogen werden."

DVV-Vorsitzender Dr. Ernst Dieter Rossmann MdB kündigte in diesem Zusammenhang eine Innovationsoffensive der Volkshochschulen an. "Unsere Angebote werden den Betroffenen in jeder Lebensphase und auf unterschiedlichen Niveaustufen zur Verfügung stehen, vom Anfänger- bis zum Fortgeschrittenenkurs mit beruflicher Ausrichtung und anerkanntem Abschluss, als Weiter-bildungsangebot in der Volkshochschule oder zu Hause und am Arbeitsplatz unter Einsatz moderner digitaler Lernplattformen."

Begleitend bedürfe es aber auch einer bundesweiten, medial gestützten "Ermutigungskampagne", die funktionale Analphabetinnen und Analphabeten motiviere, aus ihrer Anonymität herauszutreten und die Angebote zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz wahrzunehmen. Zugleich müssten Ansprechpartner der Betroffenen in Betrieben, Kommunen und Arbeitsverwaltung geschult werden, damit sie Interessierte über vorhandene Beratungsangebote kompetent informieren können. Der Grundbildungspakt müsse "ein großer Wurf" werden, um in Deutschland endlich ein Recht auf Weiterbildung sowie eine zweite und dritte Chance für versäumte Bildung zu etablieren, forderten Süssmuth und Rossmann.

Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen die rund 1000 Volkshochschulen in Deutschland. Jahr für Jahr belegen über 9 Millionen Menschen einen der rund 700.000 VHS-Kurse mit insgesamt weit über 15 Millionen Unterrichtsstunden.

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1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Dozent0815, am 20.05.2011, 21:48

Volkshochschulen bieten ihren Lehrkräften keine sozial verträglichen Jobs an, sondern nur prekäre Beschäftigungsverhältnisse auf Hartz IV-Niveau.

Deshalb sollte man die 100 Mio. lieber in das öffentliche Schulsystem stecken. Kleinere Klassen heißt weniger Analphabeten.


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