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Baden-Württemberg

Kritik am Einsparmodell Einheitslehrer

Lehrkräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verabschieden Internationale Münchner Erklärung zur Lehrerbildung

Mehr zu: Baden-Württemberg, Bologna-Prozess, Lehrerbildung, Hochschule
Stuttgart, 20.05.2011 -

"Wir widersetzen uns dem Trend zu Nivellierung und fordern für Lehrkräfte, die ihre Schülerschaft auf anspruchsvolle universitäre Studiengänge vorbereiten, eine Ausbildung auf höchstem universitären Niveau", so Bernd Saur, der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbandes, wörtlich. Saur kritisiert: "Mancher Bildungspolitiker wünscht sich offenbar den billigen Einheitslehrer, der nach kurzer Ausbildung universell einsetzbar sein soll. Das Recht der Schüler auf Lehrer, die möglichst passgenau für ihre jeweiligen, höchst unterschiedlichen Anlagen und Bedürfnisse ausgebildet wurden, wird dabei aber geradezu mit Füßen getreten."

Die Lehrervertreter aus der Schweiz, Österreich, Bayern und Baden-Württemberg sehen in egalisierenden Tendenzen in der Lehrerbildung eine massive Bedrohung für die Bildungsqualität und damit letztlich auch für den Wohlstand in Zentraleuropa. "Wir können nicht tatenlos zusehen, wie andere Länder - etwa in Ostasien – in Bildung und Studium unbeirrt auf höchste Qualität setzen, bei uns jedoch ein schleichendes Downgrading immer weiter um sich greift", so Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes.

Einheitslehrer wird Unterschiedlichkeit der Schüler nicht gerecht

"Lehrer, die alles ein wenig können, können nichts hervorragend", heißt es daher in der 4. These; nicht minder klar These 3: Die Ausbildung von Einheitslehrern führt zwangsläufig zu einer Absenkung des Ausbildungsniveaus.

"So wenig wie ein Allgemeinmediziner Spezialist für alles und jeden sein kann, so wenig vermag ein Einheitslehrer den unterschiedlichen Schülertypen gerecht zu werden. Niemand würde bei Zahnschmerzen einen Augenarzt aufsuchen oder sich vom Neurologen am Blinddarm operieren lassen", bekräftigt Margit Kopp, die Präsidentin des im schweizerischen St. Gallen ansässigen Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands KMV. "Unsere Jugend verdient fachlich, fachdidaktisch und pädagogisch gleichermaßen top-gebildete Spezialisten, die sie entsprechend ihren unterschiedlichen Anlagen und Bedürfnissen individuell zu fördern vermögen."

Warnung vor dem Abschmelzen fachwissenschaftlicher Studienanteile

Die Lehrervertreter aus der Schweiz, Österreich, Bayern und Baden-Württemberg warnen vor dem Versuch, Fachwissenschaft und Fachdidaktik in ihrer Gewichtung gegeneinander auszuspielen: "Kein vernünftiger Mensch spart am Fundament, um mit den frei werdenden Ressourcen das Dach wasserdicht zu machen; denn letztlich könnte ihm das abgedichtete Dach auf den Kopf fallen", meint dazu Gerhard Riegler, Vorsitzender der Österreichischen Professoren Union. Zahlreiche Studien (u.a. COAKTIV) beweisen, dass Fachdidaktik und Pädagogik nur dann optimal wirken können, wenn sie auf dem soliden Fundament von Fachwissen zum Einsatz kommen.

Basis zur Gewinnung qualifizierten Nachwuchses: Gesellschaftliche Anerkennung und konkurrenzfähige Bezahlung

Zu den Sonntagsreden der Bildungspolitik, man wolle die Besten für die Lehramtstudien auswählen, bemerkt Riegler: "Angesichts eines drohenden Lehrermangels und prominenter Politiker, die das Ansehen des Lehrberufs mit Füßen traten und treten, wird bei zu geringen Bewerberzahlen die angekündigte Auswahl zur Farce."

Die gemeinsame Forderung lautet daher: eine Renaissance gesellschaftlicher Wertschätzung des Lehrberufs ebenso wie eine attraktive Entlohnung. Nur unter beiden Voraussetzungen werden sich junge Menschen wieder vermehrt für den Lehrberuf gewinnen lassen.

Lehrerbildung nicht an Bologna, sondern am Bildungsauftrag orientieren

Schließlich wird von den Lehrervertretern aus der Schweiz, Österreich, Bayern und Baden-Württemberg das "Diktat von BOLOGNA" für die Lehrerausbildung ebenso abgelehnt wie das PISA-Diktat für die Bildungspolitik.

Dementsprechend lautet die abschließende These: Die Lehrerausbildung hat nicht "Bologna", sondern der bestmöglichen Bildung junger Menschen zu dienen.

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