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Bayern

Beschwerden wegen Kombiklassen häufen sich

BLLV liegen Protestschreiben erboster Eltern vor / Präsident Wenzel: "Sie haben das Gefühl, hier wird zu Lasten der Kleinsten an Personal gespart"

Mehr zu: Bayern, Bildungsausgaben, Grundschule, Klassenfrequenz, Kombiklassen, Schulverwaltung, Schule
München, 27.06.2011 -

Die Einführung jahrgangskombinierter Grundschulklassen sorgt immer wieder für Ärger. Immer dann, wenn das Kultusministerium die Klassenbildung für das kommende Schuljahr bekannt gibt, häufen sich beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) die Beschwerden erboster Eltern. "Uns liegen erneut zahlreiche Protestschreiben vor", informierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München.

Dabei hätten Kombiklassen viel pädagogisches Potential und machten durchaus Sinn, betonte er, "vorausgesetzt, die erforderlichen Rahmenbedingungen stimmen." Doch leider sei es so, dass Schulleiter und Lehrer Kombiklassen einführen und Eltern beruhigen sollen, obwohl sie wissen, dass das dafür erforderliche Personal fehlt. Lehrkräfte sind also gezwungen, Überzeugungsarbeit für eine fragwürdige und unpädagogische Vorgehensweise des Kultusministeriums zu leisten. Sie wissen: Jahrgangskombinierte Klassen sind nur dann erfolgreich, wenn jedes Kind individuell begleitet und gefördert werden kann. Von Jahr zu Jahr wachsen nun an den Schulen Misstrauen, Wut und Empörung. "Eltern haben das Gefühl, dass es nicht um das Wohl ihrer Kinder geht, sondern darum, ein Einsparmodell zu Lasten der Kleinsten zu etablieren", sagte Wenzel. Dazu würden pädagogische Argumente bemüht, die am Ende der Grundschulzeit hinfällig seien und an den weiterführenden Schulen keine Rolle mehr spielten.

Ärger gibt es derzeit zum Beispiel an der Grundschule Rückersdorf im Nürnberger Land. Das Schulamt will hier eine jahrgangskombinierte Klasse einführen. Dadurch, so die Betroffenen in einem Brief an Wenzel, würde der Grundschule eine Lehrkraft verloren gehen, so dass sich die Klassenbildung an den maximal zulässigen Obergrenzen orientieren müsste. In dem Schreiben heißt es weiter: "Wie uns erklärt wurde, muss das Schulamt alle ihr zur Verfügung stehenden Lehrkräfte gerecht auf ihr gesamtes Zuständigkeitsgebiet aufteilen. Für uns als Laien ist es jedoch nur schwer verständlich, warum gerade die Schwächsten in dieser Kette, nämlich die neu eingeschulten Erstklässler und die Zweitklässler, unter dieser Einteilung leiden müssen. Denn dadurch entstehen gerade hier die großen Klassen. Außerdem ist uns unklar, welcher Schule die unseren Kindern fehlende Lehrkraft zugute kommt."

Nächstes Beispiel: Die Grundschule Alesheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Für das kommende Schuljahr sind hier eine Kombiklasse 1/2 sowie eine Kombiklasse 3/4 vorgesehen. Betroffene Eltern haben sich auch hier an den BLLV-Präsidenten gewandt, weil sie mit dem Vorhaben nicht einverstanden sind und Nachteile für ihre Kinder befürchten. Insbesondere für die geplante Kombiklasse 3/4 würden die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Die Eltern weisen darauf hin, dass die Entwicklungsstufen der Kinder in Kombiklassen noch unterschiedlicher als in Regelklassen seien und berichten auch von negativen Erfahrungen, die andere Schüler bereits gesammelt hätten. Danach fühlten sich Schüler oft verunsichert, seien unruhig und Eltern müssten öfter Hilfestellung leisten. Hinzu komme die Angst vor dem bevorstehenden Übertritt. Nicht nur Schüler, auch die Eltern würden dies als große Belastung empfinden. Wörtlich heißt es: "Aus Erfahrung wissen wir, wie intensiv Lehrkräfte gerade in diesem Schuljahr mit ihren Viertklässlern arbeiten müssen. Hat in dieser Zeit eine gleichzeitige Beschulung mit Drittklässlern noch Platz? Wir meinen: Nein!"

"Die Widerstände sind groß, die Argumente der Eltern nachvollziehbar", erklärte Wenzel und wies darauf hin, dass allein für Mittelfranken 30 Kombiklassen in den Jahrgangsstufen drei und vier geplant sind. Dabei seien Angst und Verunsicherung besonders groß, wenn Kinder vor dem Übertritt stehen. "Das macht auch deutlich, wie wenig ein an sich innovatives Unterrichtskonzept in ein Schulsystem passt, das Kinder nach nur vier Grundschuljahren auf andere Schultypen verteilt." Wenzel forderte das Kultusministerium auf, schnell zu handeln, um die Verunsicherung vieler Eltern zu entkräften. "Jahrgangskombinierte Grundschulklassen dürfen nicht kaputt gespart werden. Sie funktionieren nur dann, wenn genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Eltern brauchen jetzt ein deutliches Signal, dass es tatsächlich um das Wohl ihrer Kinder geht."

Der BLLV-Präsident wies außerdem darauf hin, dass das Hauptanliegen des Kultusministers in der individuellen Förderung der Schüler liegt. "Um seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden, muss er an den Grundschulen Personal einstellen. "Bestens ausgebildete und hoch motivierte Lehrerinnen und Lehrer gibt es schließlich genug. Derzeit stehen über 1500 junge Lehrkräfte auf der Straße und hoffen auf einen Job. An den Grundschulen werden sie dringend gebraucht.

Ansprechpartner

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Joachim Schaupp, am 15.07.2011, 21:01

An der Grunschule VG Elfershausen wird es künftig nur noch kombiklassen geben. Differenzierubgsstunden wurden bisher 2 Stunden zugesichert. Das soll das KM mit seinem Hauptanliegen der individuellen Föderung in Verbindung bringen.

Kombiklassen sind ein Sparmodelle um Schulstandorte zu erhalten und dienen nicht dem Wohl unserer Kinder. Die mündige Wählerschaft kann den Aussagen der Politik kein Glauben mehr schenken die Befürchtungen der Eltern sind begründet.


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