Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
Schulpolitischer Durchbruch nicht in Sicht
Zum Ende des Schuljahres zieht BLLV-Präsident Wenzel eine ernüchternde Bilanz / "Kultusministerium hält an Gewohntem fest und bewegt sich nicht"
Mehr zu: Bayern, Elternarbeit, Ferien, Schulentwicklung, Zensuren, Zeugnis, SchuleAn Bayerns Schulen gibt es zwar unzählige Neuerungen, ein entscheidender Durchbruch ist aber nicht in Sicht. "Während sich bundesweit die schul- und bildungspolitische Landschaft zu verändern beginnt, verweigert sich das Kultusministerium notwendigen Schritten." Dieses Fazit zieht der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, zum Schuljahresende. Am kommenden Freitag erhalten rund 1,4 Millionen Schüler/innen ihr Zeugnis.
"Ein Dokument, das viel über die Art und Weise aussagt, wie wir in Bayern mit den Potentialen junger Menschen umgehen, aber nur wenig über ihre tatsächlichen Fähigkeiten", erklärte Wenzel heute in München. Noch immer sei der Zeugnistag für viele Schüler/innen ein Schicksalstag, der über Zukunftschancen und Karrieremöglichkeiten entscheidet. Der BLLV-Präsident appellierte an Eltern, bei schlechten Noten möglichst gelassen zu bleiben. "Heranwachsende, die dem Leistungsdruck nicht standhalten können, schlechte Noten nach Hause bringen oder das Klassenziel nicht erreichen, sollten Unterstützung erfahren und nicht bestraft werden. Sie brauchen Perspektiven, die neue Chancen eröffnen und die sie nicht überfordern." Gute Noten sollten anerkannt werden.
Wenzel forderte das Kultusministerium auf, die Praxis der Notenvergabe zu überdenken. Erst vor wenigen Wochen, bei den willkürlich vorgenommenen Nachbesserungen beim Abitur, habe sich gezeigt, wie wenig Ziffernnoten über Kompetenzerwerb und individuelle Lernfortschritte aussagen - und wie beliebig sie sind.
Das zu Ende gehende Schuljahr habe den Schulen wieder zahlreiche Neuerungen gebracht, auf die viele Kollegien inzwischen aber gereizt reagierten. Meistens waren diese Neuerungen mit einem erheblichen zeitlichen Mehraufwand verbunden bei gleichzeitigem dramatischen Personalmangel, zu großen Klassen und zu wenigen Möglichkeiten, Schüler individuell zu fördern. Auf durchgreifende Reformen warteten die Lehrkräfte vergeblich. Die Situation werde sich aufgrund des massiven Lehrermangels weiter zuspitzen. "Ich befürchte, dass das Kultusministerium auch im kommenden Schuljahr an Gewohntem festhält und die Lern- und Arbeitsbedingungen schöner darstellt, als sie tatsächlich sind." Mit der bayerischen Blockadehaltung manövriere der Kultusminister den Freistaat ins Abseits, so die Einschätzung Wenzels. Wenn es beim frühen Aussortieren unserer Kinder bleibe, werden private Nachhilfeinstitute boomen und weitere Schulschließungen nicht verhindert werden können. "Ich befürchte, dass das Kultusministerium auch im kommenden Schuljahr keine alternativen Modelle zulassen wird, obwohl damit Standorte erhalten werden könnten." Während sich andere Bundesländer auf den Weg machen und neue Wege beschreiten, läuft der Freistaat Bayern Gefahr, zum schulpolitischen Schlusslicht zu werden", warnte Wenzel. Zwar werde an unzähligen kleinen Schrauben gedreht, dies führe aber nur dazu, dass die bayerische Schullandschaft komplex und kaum noch zu durchschauen sei. "Ich glaube, viele Schüler, Eltern und Lehrer haben die Nase gestrichen voll. Sie beobachten mit Staunen, was sich außerhalb der bayerischen Landesgrenzen an den Schulen tut und müssen zusehen, wie Bayern die Entwicklung verschläft."
Der BLLV-Präsident versprach, sich im kommenden Schuljahr mit aller Kraft für Verbesserungen einzusetzen. "Der BLLV lässt in seinen Forderungen nach einer gerechten und zeitgemäßen Schule nicht nach." Schülern, Eltern und Lehrern wünschte er schöne Ferien und eine erholsame Pause - "sie haben sie verdient."
An das Kultusministerium richtete er die Botschaft, die Not der Betroffenen ernst zu nehmen und bei allen schul- und bildungspolitischen Überlegungen die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen. Im jetzigen System stehe das Aus- und Umsortieren junger Menschen im Mittelpunkt.
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