GEW Hamburg
GEW kritisiert Bildungsmonitor als zweifelhaft, neoliberal und unseriös
Mehr zu: Bildungsausgaben, Bildungsbericht, Bildungsmonitor, Föderalismus, Hamburg, MINT-Fächer, SchuleAls "reichlich zweifelhaft" beurteilt Klaus Bullan die Ergebnisse des aktuell veröffentlichten Bildungsmonitors. Der Vorsitzende der GEW verweist darauf, dass mit der Initiative 'Neue Soziale Marktwirtschaft' ein "ideologisch neoliberal durchtränkter Thinktank" den Auftrag für den Bildungsmonitor gegeben habe. Dass mit dem Institut der deutschen Wirtschaft eine arbeitgebernahe Einrichtung den Auftrag ausgeführt habe, beeinflusse ebenfalls die Ergebnisse.
Bullan: "Wer stets Neoliberalismus und Deregulierung aufs Schild hebt, will unbehelligt bleiben von sozialer Gerechtigkeit und Bildungschancen." Entsprechend wenig verwunderlich sei es, dass die Fortschreibung des Bildungsmonitors mit fragwürdigen Kriterien Input und Output des Bildungswesens der Länder messe und vergleiche.
Hamburg rutscht im Ranking des Bildungsmonitors auf Platz 14 ab. "Eigentlich kein Grund zur Sorge!", betont Klaus Bullan: "Die Platzierung wäre eigentlich angesichts der unseriösen und interessengeleiteten Untersuchung nicht der Rede wert, wenn nicht in Hamburg damit Politik gemacht würde. Der Schulsenator und andere interessierte Akteure stricken weiter an der Legende, der Streit um die Primarschule und die Schulstruktur hätten dazu geführt, dass die wirklich wichtigen Aufgaben in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden seien. Der Gedanke ist allein schon deshalb absurd, weil die Schulleistungen auf Daten von 2006 basieren, also lange bevor die Primarschule ein Thema in Hamburg war. Das angebliche Abrutschen Hamburgs, das der Bildungsmonitor vor allem auf die mangelnde Entwicklung im Hochschulbereich und hier besonders der unzureichenden Studienplätze in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik zurückführt, hat mit der Schulreform jedenfalls nichts zu tun."
Die mangelnde Seriosität des Bildungsmonitors werde auch im Länderranking deutlich: So liege Hamburg beim Anteil von Migrant_innen an den Abiturient_innen weit vor dem 'Siegerland' Sachsen. "Dass es in Sachsen so gut wie keine Migrant_innen gibt und dies selbstverständlich die Zahlen beeinflusst, erzählt uns der Bildungsmonitor nicht, das muss man sich eben dazu denken", kritisiert Bullan.
"Wir haben kein Interesse daran, Missstände im Bildungswesen schön zu reden", stellt der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft klar. "Es gibt viel zu tun und zu ändern: Die hohe Abbrecherquote, die mangelnden Bildungschancen für Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern, die auch international unzureichende personelle und finanzielle Ausstattung des Bildungswesens. Aber Sensationsheischende und unseriöse Untersuchungen wie der Bildungsmonitor, der Partei nimmt für Selektion im Bildungswesen und gegen eine finanziell bessere Ausstattung, sind dabei kontraproduktiv."
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