GEW Thüringen
Aufruf zur Beteiligung an Online-Umfrage der GEW zur Zukunft der Grundschulhorte
Bevorzugt das Ministerium Kommunalisierung ohne Kenntnis der tatsächlichen Situation?
Mehr zu: Bildungsausgaben, Ganztagsschule, Grundschule, Thüringen, SchuleGerade zu Beginn des neuen Schuljahres lernen ca. 13.000 Erstklässler eine Einrichtung kennen, die deutschlandweit einmalig ist und Thüringen ob des Ganztagsschulcharakters in der Grundschule regelmäßig vordere Plätze bei Rankings und Befragungen einbringt: den Grundschulhort. Standen die Zeichen in diesen anerkannten und pädagogisch leistungsfähigen Einrichtungen vor dem Jahr 2006 auf Sturm, als die Althaus-Regierung die Übertragung der Horte auf die Kommunen und damit de facto deren Abschaffung plante, so hat sich seitdem durch eine weitgehend ausreichende Personalausstattung im Rahmen des Modellprojektes zur "Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule" die Situation in den teilnehmenden Landkreisen und Kommunen weitgehend entspannt.
Nun steht bis Ende des Jahres die Entscheidung an, wie es weiter gehen soll mit den Thüringer Grundschulhorten. "Minister Matschie hat der GEW bis heute kein diskussionsfähiges Konzept vorgelegt, welches den Erhalt der Grundschule und Hort als pädagogische Einheit, die dauerhafte Ausfinanzierung der notwendigen Stellen, die Verbesserung der zum Teil prekären Beschäftigungsbedingungen und die Sicherung der personellen Kontinuität in den Horten beinhaltet. Das erinnert fatal an die Diskussion um die Schulordnung. Statt dessen wird bekannt, dass das Ministerium die im Landesdienst beschäftigten Hortnerinnen ohne Konzept zur Weiterentwicklung der Grundschulhorte dem Finanzminister auf dem Silbertablett überreicht hat. Wird wieder in Hinterzimmern geschachert, um irgendwann die Beschäftigten und die sie vertretenden Gewerkschaften vor vollendete Tatsachen zu stellen? Das werden wir nicht mitmachen!" so Torsten Wolf, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen.
"Das TMBWK betreibt die Kommunalisierung der Horte offensichtlich ohne Wissen um die reale Situation in den Einrichtungen, die am Modellprojekt teilnehmen", kommentiert Torsten Wolf die Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Sojka. "Dem Ministerium liegen keine statistischen Daten über die Schulträger vor, die an den Erprobungsmodellen zur Weiterentwicklung der Thüringer Grundschulen teilnehmen. Demnach weiß das Ministerium nicht, wie viele Erzieherinnen und Erzieher in den kommunalen Einrichtungen beschäftigt sind und wie deren Arbeitszeiten und Beschäftigungsverhältnisse aussehen. Es ist daher unverständlich, dass noch vor Ablauf und Auswertung des Modellprojektes seitens des Ministeriums Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen", so Wolf weiter.
Der GEW ist aber bekannt, dass in den Modellkommunen bereits heute kaum mehr jemand unter 70% Stellenumfang eingestellt wird, da gutes Personal nicht zu Armutslöhnen arbeitet. Leider vergibt das Land seine Stellen nur zu 50% und sorgt so bei alleinerziehenden Frauen häufig dafür, dass diese mit Hartz IV aufstocken müssen.
Der Altersdurchschnitt von ErzieherInnen im Thüringer Landesdienst liegt nach Angaben des TMBWK bei 49,23 Jahren. In den Kreisen Weimar-Stadt, Altenburger Land, Kyffhäuserkreis und Saalfeld-Rudolstadt liegt er mit 51,9 bzw. 51,8 nochmals deutlich über dem Durchschnitt. Insgesamt wurden im Schuljahr 2010/2011 206 ErzieherInnen in den staatlichen Schulen eingestellt.
Für das Schuljahr 2011/2012 hat das TMBWK den Bedarf an HorterzieherInnen mit 1.616 Vollzeitbeschäftigten (VZB) festgestellt. Der GEW Thüringen liegen derweil andere Zahlen vor. "Wir gehen von einem Gesamtbedarf von 1.662 VZB an den staatlichen Grundschulhorten aus. Eine Differenz von ca. 50 Stellen im Vergleich zum TMBWK. Das käme einer kalten Einsparung von gut 2 Millionen Euro gleich, welche das Land gegenüber der notwendigen Personalausstattung an den Grundschulhorten heute schon vornimmt", erklärt Wolf.
Ein wesentliches Problem ist aber die völlige Intransparenz des Modellversuches. Das Land präferiert die Kommunalisierung der Grundschulhorte, ohne zu wissen, wie dies die einzelnen Schulträger durchgeführt haben. "Um den Schulfrieden zu wahren, ist es zwingend erforderlich, dass die Gelingensbedingungen der guten Modelle in den Landkreisen und Kommunen untersucht und zur Grundlage einer breiten Diskussion über die Zukunft der Thüringer Grundschulhorte als Ganztagsschulen gemacht werden. Die vorliegenden Studien beweisen nur, dass mit einer besseren Personalausstattung die prekäre Situation von vor 2006 behoben wird", so Wolf.
Um einen Einblick in die Situation an den Grundschulhorten auch und gerade in den am Modellprojekt teilnehmenden Einrichtungen zu gewinnen, hat die GEW Thüringen unter www.gew-thueringen.de eine Online-Umfrage gestartet. Sie ruft alle ErzieherInnen, GrundschullehrerInnen, SchulleiterInnen und Eltern auf, sich daran zu beteiligen und so Licht ins Dunkel zu bringen.
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