Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Mehr als 7 Millionen Erwachsene können nicht richtig lesen und schreiben
Mehr zu: Analphabetismus, Bildungsausgaben, Grundbildung, Muttersprache, Statistik, SonderthemenAm 8. September wird – wie jedes Jahr – der Weltalphabetisierungstag der Vereinten Nationen begangen. Doch dieses Jahr ist manches anders. Erstmals liegen nicht nur Schätzungen, sondern Fakten zur Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland vor. Bund und Länder planen nun einen Grundbildungspakt, dem Verbände, Unternehmen, Gewerkschaften und andere Institutionen angehören sollen.
Die im Frühjahr veröffentlichte Leo-Level-One Studie der Universität Hamburg kommt auf 7,5 Millionen funktionale Analphabeten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, die keine Texte lesen oder schreiben können. Davon haben zwei Millionen sogar mit Wörtern Probleme. Die Zahl der Betroffenen mit Deutsch als Muttersprache beläuft sich auf 4,4 Millionen.
Derzeit besuchen allerdings weniger als 20.000 Erwachsene Alphabetisierungskurse. Nun soll ein Grundbildungspakt geschlossen und die Anzahl von Kursen drastisch erhöht werden. Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung setzt sich dafür ein, dass die Sozialkampagne "Schreib Dich nicht ab. Lern lesen und schreiben!" fortgesetzt und erweitert wird. "Man muss Werbung für Grundbildung machen, zum Lernen ermutigen und die Öffentlichkeit informieren", so Peter Hubertus, Geschäftsführer des Verbandes. Dies erfolgt bereits über TV-Spots, die vor allem von privaten Sendern ausgestrahlt werden sowie in einem vom Bundesbildungsministerium geförderten Projektvorhaben: Prominente wie Kaya Yanar und Jan Delay sprechen auf der Internetseite www.iCHANCE.de in Videostatements besonders junge Erwachsene an. Um mehr Betroffene zu erreichen, arbeitet der Verband auch mit Lernern zusammen. "Lerner sind die besten Botschafter, um Menschen mit Lese- und Schreibproblemen anzusprechen und zum Lernen zu motivieren", so Tim-Thilo Fellmer, der erst im Erwachsenenalter seine Probleme mit der Schrift weitgehend bewältigt hat und 2009 zum "Botschafter für Alphabetisierung" ernannt wurde.
Damit die Hilfsangebote zum nachträglichen Schrifterwerb gute Lernerfolge ermöglichen, muss auch die Ausbildung von Lehrkräften in der Erwachsenenbildung verbessert werden. "Kursleiter in der Alphabetisierung erhalten für ihre anspruchsvolle Aufgabe nur ein geringes Honorar und können sich deshalb Aus- und Fortbildungsangebote nur begrenzt leisten", schildert Peter Hubertus die prekäre Lage der Pädagogen.
Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. ist die einzige bundesweit tätige Fach-, Service- und Lobbyeinrichtung. Betroffene erhalten unter der kostenlosen Rufnummer 0800-53 33 44 55 beim ALFA-TELEFON anonyme Beratung und Informationen über ortsnahe Lese- und Schreibkurse. Der Verband arbeitet seit vielen Jahren im engen Kontakt mit Betroffenen und baut derzeit ein Netzwerk von Lernern auf, die sich in der Öffentlichkeitsarbeit engagieren. Auf der zentralen Veranstaltung zum Weltalphabetisierungstag am 8. September in der Bundespressekonferenz Berlin zeichnet der Bundesverband die "Botschafterin für Alphabetisierung" 2011 aus. Dieses Jahr wird Marion Döbert geehrt, die sich seit fast 30 Jahren unermüdlich in zahlreichen Aktionen, Vorträgen und Publikationen für die Belange der Lernenden, Unterrichtenden und Forschenden engagiert.
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