GEW Thüringen
Onlinebefragung offenbart die weitgehende Ablehnung der Hortkommunalisierung
86% der Erzieherinnen und Erzieher sehen den Grundschulhort in Landesverantwortung
Mehr zu: Bildungsausgaben, Thüringen, Kindergarten / VorschuleDie große Mehrheit der Erzieherinnen und Erzieher in den Horten plädiert laut den Ergebnissen der Onlinebefragung der GEW Thüringen dafür, die Verantwortung für den Thüringer Grundschulhort im Land zu lassen. Konkret sprachen sich 81,4% der Beschäftigten an Horten, die am Modellprojekt zur Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule teilgenommen haben, für die Landesverantwortung aus. Höher lag nur die Zustimmung bei den Beschäftigten, deren Horte weiterhin im Landesdienst sind.
"Ein klares Votum an das Ministerium, die Auswertung des Modellprojektes ergebnisoffen zu gestalten und die Expertinnen und Experten vor Ort ernst zu nehmen", so der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Thüringen. "Die pädagogische Einheit von Grundschule und Hort darf in keinem Fall aufgehoben werden. Dazu gehört auch die finanzielle Absicherung der Horte und Arbeitsverhältnisse."
Erschreckend ist die Zahl der Erzieherinnen, deren Einkommen allein nicht zur Finanzierung des Lebensunterhaltes ausreicht. Nahezu jede zweite der Beschäftigten im Modellprojekt (47%) gaben in der Onlinebefragung an, von ihrem Einkommen nicht leben zu können. Von den Landesbediensteten sagte dies nur jede Dritte. "Bei Beschäftigungsumfängen von 50 bis 80 Prozent verwundert das Ergebnis nicht. Es ist nicht hinnehmbar, dass hochqualifizierte Fachkräfte im Bildungsland Thüringen mit einem Hungerlohn abgefertigt werden. Besonders in den kommunalisierten Einrichtungen werden offenbar alle Einsparmöglichkeiten genutzt, am Ende auf Kosten der Beschäftigten und der Kinder", kritisiert Torsten Wolf das Ergebnis.
Ein weiteres Problem mit den geringen Beschäftigungsumfängen zeigt sich, wenn es um die Unterstützung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf geht. Zwar werden 82% der Erzieherinnen und Erzieher auch am Vormittag im Unterricht eingesetzt, was der Umsetzung der flexiblen Schuleingangsphase und der individuellen Förderung zugute kommt. Dieses Personal fehlt dann aber in der Nachmittagsförderung im Grundschulhort. So sagen 86% der ErzieherInnen im Landesdienst, aber auch 77% der Beschäftigten im Modellprojekt, dass ihnen am Nachmittag keine Unterstützung für die individuelle Förderung zur Verfügung steht.
"Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich: Die Kommunalisierung der Horte führt nicht zwangsläufig zu einer besseren Qualität in der Hortbetreuung, häufiger aber in prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit geringem Teilzeitumfang. Warum das Ministerium derzeit einseitig auf die Kommunalisierung setzt, kann daher nur einen Grund haben: Dem geforderten Personalabbau des Finanzministeriums entgegenzukommen. Denn wenn das Land seine Verantwortung ernst nimmt und eine verbindliche Finanzierung für die Horte auch weiterhin garantiert, dann handelt es sich nur um eine Verschiebung im Haushalt", so Wolf.
Die ansonsten geringen Unterschiede zwischen TeilnehmerInnen im Modellprojekt und Horten im Landesdienst in den Befragungsergebnissen zeigen, dass die Qualität eines guten Grundschulhortes nicht von der Kommunalisierung abhängt. Entscheidend sei vielmehr, den Grundschulen und ihren Horten im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule den notwendigen finanziellen und personellen Spielraum zuzugestehen.
Die GEW Thüringen wird am Samstag, den 3. September 2011 gemeinsam mit Eltern- und Schülervertretungen, Parteien und Lehrerverbänden eine Gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Thüringer Grundschulhorte abgeben.
Für Rückfragen steht Ihnen Torsten Wolf selbstverständlich unter 0151-14806071 zur Verfügung.
Zum Hintergrund:
An der Onlinebefragung der GEW Thüringen nahmen vom 04.07. bis 29.08.2011 insgesamt knapp 250 Personen teil. 113 von ihnen sind ErzieherInnen an Einrichtungen, die am Modellprojekt teilnehmen, 50 von ihnen sind ErzieherInnen im Landesdienst. Dies entspricht in etwa der Relation, wie weit die Hortkommunalisierung durch das Modellprojekt gediehen ist. Fast zwei Drittel der Landkreise und kreisfreien Städte haben sich für das Modellprojekt entschieden.
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