Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
GEW: "Aus- und Fortbildung der Pädagoginnen und Pädagogen müssen geschlechtersensibel sein!"
Bildungsgewerkschaft zum Weltlehrertag
Mehr zu: Gleichstellung, Lehrerbildung, Weltlehrertag, SonderthemenAm Weltlehrertag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angeregt, die Aus- und Fortbildung der Pädagoginnen und Pädagogen stärker geschlechtersensibel auszurichten. Sie setzt sich für eine aktive Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterrollen ein. Die Bildungsgewerkschaft wirbt für einen differenzierten Blick auf die Lernenden, auf die Vielfalt der Geschlechter. "Geschlechtersensibles Lernen ist wichtiger denn je", sagte Anne Jenter, Leiterin des GEW-Arbeitsbereichs Frauenpolitik, am Mittwoch in Frankfurt am Main, "damit Bildungseinrichtungen nicht dazu beitragen, dass sich traditionelle Geschlechterrollen verfestigen. Geschlechterstereotype engen Jugendliche ein. Wir brauchen Mädchen- und Jungenförderung, die eine Reflektion der Geschlechterrollen ermöglicht."
Kinder und Jugendliche wollten partnerschaftlich leben und alternative oder auch unangepasste Vorstellungen der eigenen Männlichkeit oder Weiblichkeit entwickeln. Die Aus- und Fortbildung der Pädagoginnen und Pädagogen müsse dies stärker berücksichtigen. "Wir brauchen eine Pädagogik, die den Einfluss von Geschlechterkonstruktionen auf den Bildungserfolg analysiert", betonte Jenter. "Es besteht großer Nachholbedarf für mehr Geschlechterkompetenz der Pädagogen, damit Bildungseinrichtungen ihren Beitrag zur Gleichberechtigung der Geschlechter leisten können." Eine mädchen- oder jungenspezifische Pädagogik, die sich an deren vermeintlichen Neigungen oder Eigenschaften ausrichtet, verfestige Geschlechterstereotypen. Wichtig sei eine individuelle Förderung eines jeden Jungen oder Mädchens und eine bewusste Begleitung der Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenen.
Genderkompetenz befähige Lehrende, mit traditionellen Rollenmustern und Klischees bewusst umzugehen. In der Aus- und Fortbildung sollten Pädagoginnen und Pädagogen erfahren, dass im pädagogischen Alltag Geschlechterrollen konstruiert werden und wie sie selbst dazu beitragen. Sie müssten wissen, wie das die Persönlichkeitsentwicklung und den Bildungserfolg von Jungen und Mädchen, aber auch deren spätere Berufslaufbahn beeinflusst.
Ganzheitliche Bildung ermögliche es Kindern und Jugendlichen, ihre Lebensbedingungen selbstbewusst zu gestalten, solidarisch mit anderen zu leben, sich kritisch mit gesellschaftlichen Verhältnissen auseinanderzusetzen und diese zu gestalten. Dazu gehöre auch das Bewusstsein dafür, dass diese Prozesse etwas mit dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht zu tun hat.
Info: Der Weltlehrertag 2011 steht unter dem Motto "Lehrerinnen und Lehrer für Gleichberechtigung". Er wird seit 1994 alljährlich am 5. Oktober gefeiert. Die UNESCO, die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Bildungsinternationale (BI) haben den Weltlehrertag ins Leben gerufen. Der 5. Oktober ist für die internationale Bildungsbewegung ein herausragendes Datum: 1964 haben UNESCO und ILO die "Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer" angenommen. Zum ersten Mal war es damit gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrberufs in der Gesellschaft und die Verpflichtung der Politik zur Sicherung ausreichender Arbeits- und Lebensbedingungen für Pädagoginnen und Pädagogen festzuschreiben.
Mehr zum Thema "Geschlechtergerechte Bildung" unter: www.gew.de/geschlechtergerechte_bildung_2.html.
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