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Philologen Bayern

Bayerischer Philologenverband startet mit Lehrertag Integrationsoffensive an den bayerischen Gymnasien

Max Schmidt: "Integration von Schülern mit Migrationshintergrund ist zentrales Zukunftsthema für unsere Gymnasien!"

Mehr zu: Bayern, Gymnasium, Migration, Muttersprache, Schule
München, 14.11.2011 -

Jeder vierte Schüler in Bayern hat einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Bis 2022 soll der Anteil der 6- bis 18-Jährigen mit Migrationshintergrund auf 34 Prozent anwachsen, so die amtlichen Prognosen.

"Hinter diesen nüchternen Zahlen steckt ein großes Potenzial für unsere Gesellschaft und gleichzeitig eine große Herausforderung für die Schulen. Wir Lehrkräfte an den Gymnasien neh­men diese Herausforderung offen, aktiv und engagiert an. Unser heutiger Lehrertag ´Heimat verlassen – Heimat finden´ ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg." So erläutert Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, den Hintergrund zur ganztägigen Fortbildungsveranstaltung für bayerische Gymnasiallehrkräfte, die heute in Nürnberg stattfindet.

Berufliche Oberschulen: Beitrag zur Chancengerechtigkeit für Migrantenschüler

An den Beruflichen Oberschulen haben bereits über 12 Prozent der Schüler einen Migrationshinter­grund. Dies entspricht dem Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund eines durchschnittlichen Schülerjahrgangs in Bayern. "Die Beruflichen Oberschulen leisten damit einen bedeutenden Beitrag zur Chancengerechtigkeit für Migrantenschüler", führt Schmidt aus und ergänzt: "Das reicht uns aber nicht."

Ausbau der Integration an den Gymnasien

"Wir wollen auch die Integration an den Gymnasien ausbauen", so Schmidt weiter. "Wichtig ist uns dabei zunächst, die Lehrkräfte für die Thematik zu sensibilisieren. Denn die eigene Heimat zu verlassen und eine neue Heimat zu finden, sich in einer anderen Kultur zurechtzufinden, eine fremde Sprache zu lernen und dabei eine eigene Zukunftsperspektive zu entwickeln – das sind enorme Herausforderungen für Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien." In einem weiteren Schritt, so der bpv-Vorsitzende, solle die Sprachförderung an den weiterführenden Schularten ausgebaut werden. "Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Förder- und Sprachprogrammen, doch häufig konzentrieren sie sich noch einseitig auf den Elementar- und Primarbereich." Auch an den weiterführenden Schulen sei aus Sicht des bpv neben den bestehenden Fördermöglichkeiten der systematische Ausbau der Sprachförderung für Migrantenschüler, etwa "Deutsch als Zweitsprache", sinnvoll und notwendig. "Systematische Sprachförderung für Migrantenschüler darf nach der Grundschule nicht plötzlich abreißen. Dies wird den steigenden sprachlichen Ansprüchen am Gymnasium einfach nicht gerecht. Klar ist dabei aber auch", unterstreicht Schmidt: "Integration funktioniert nicht zwischen Tür und Angel oder in übergroßen Lerngruppen. Wir brauchen die entsprechende Versorgung mit Personal und Zeit für echte individuelle Förderung."

Gelingende Integration durch Ausbau der Frühförderung und Elternberatung

Zwei weitere zentrale Schraubstellen für gelingende Integration sieht Schmidt im Ausbau der Frühförderung und der Elternberatung. "Sprachliche Frühförderung ist das A & O für Kinder mit Migrationshintergrund. Je früher sie die deutsche Sprache lernen, desto geringer ist die Gefahr, dass sie im späteren Schulalltag schnell hinter ihren Klassenkameraden mit Deutsch als Muttersprache hinterherhinken." Sprache gilt für alle Experten als zentraler Schlüssel zur Integration und gleichzeitig als "größte Hürde" für Schüler mit Migrationshintergrund beim Übergang auf weiterführende Schularten.

Außerdem sollten die Beratungsangebote für Migranteneltern und ihre Kinder ausgebaut werden. "Dies ist umso wichtiger", betont Schmidt, "als uns Studien zeigen, dass Einwanderer für ihre Kinder hohe Bildungsziele haben und Migrantenkinder vergleichsweise stark motiviert sind. Gleichzeitig sind sie aber oft nur unzureichend über unser Schulsystem, die vielfältigen Bildungswege und Fördermöglichkeiten informiert." Zentrale Ansatzpunkte hierfür seien aus Sicht des bpv-Vorsitzenden die staatliche Schulberatung und die Migrantenorganisationen in Bayern.

"Heimat verlassen – Heimat finden": Tipps aus der Praxis für die Praxis

Der heutige Lehrertag "Heimat verlassen – Heimat finden" gibt Lehrkräften an Gymnasien schulartspezifisch fundierte Einblicke in die Thematik und wertvolle Tipps aus der Praxis für die Praxis anhand von unterschiedlichen Vorträgen, Diskussionen, Film- und Projektbeispielen.

Der Bayerische Philologenverband führt die Veranstaltung gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) durch.

Zu "Heimat verlassen – Heimat finden" haben sich u. a. angekündigt:

  • Dr. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge,
  • MdL Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung,
  • Dr. Jo Baier, Regisseur (u.a. "Schwabenkinder"),
  • Arnulf Zöller, Leiter der Grundsatzabteilung am ISB,
  • Joachim Leisgang, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Mittelfranken.
  • Özlem Sarikaya vom Bayerischen Rundfunk wird den Lehrertag moderieren.

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