Landesregierung protegiert Gemeinschaftsschule ohne Beweis, dass dies die bessere Schulart ist
Mehr zu: Baden-Württemberg, Gemeinschaftsschule, Heterogenität, SchuleDer Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht die neuen Gemeinschaftsschulen von der neuen Landesregierung eindeutig auf die "Poleposition" geschoben und damit alle anderen Schularten benachteiligt. "Wer die Gemeinschaftsschulen so klar einseitig bevorzugt, wertet die Arbeit aller anderen Schulen ab", schimpft VBE-Chef Gerhard Brand.
Noch seien die Gemeinschaftsschulen nicht einmal im Schulgesetz verankert, da werde vom Leiter der Stabsstelle "Gemeinschaftsschulen, Schulmodelle, Inklusion" im Kultusministerium, Norbert Zeller, auf durchaus gut besuchten Veranstaltungen überall im Land diese neue Schulart, ,bereits als Erfolgsmodell verkauft, regt sich der VBE-Chef auf. Obendrein werde die Gemeinschaftsschule, die sich angeblich auch deutlich von einer Gesamtschule unterscheiden soll, bei der Lehrerstundenzuweisung - beim sogenannten Innovationspool - und dem Klassenteiler, der nur dort in der Sekundarstufe auf 28 statt 30 Schüler pro Klasse gesenkt werde, deutlich bevorzugt.
Der VBE befürchtet mit der neuen Gemeinschaftsschule einen herben Verlust der Fachlichkeit und damit verbunden ein Absinken des gesamten Leistungsniveaus, zumal als Bildungsplan - zumindest vorläufig - der der Realschule als Richtschnur gelten soll, was Schüler mit gymnasialer Ausrichtung in den neuen als das Nonplusultra gepriesenen heterogenen Lerngruppen ohne Klassenverband deutlich unterfordern und bisherige Hauptschüler heillos überfordern würde.
Scheiterte die neue Regierungskoalition wegen etlicher anderer Probleme wie Stuttgart 21 und den kontroversen Energiediskussionen, von denen sie ja auch noch getrieben wird, würde die Gemeinschaftsschule sicher bald schon wieder zum Auslaufmodell gemacht werden, ist sich der VBE-Chef sicher.
Investitionen in ein neues Schulmodell lohnen sich für Lehrer insbesondere dann, wenn sie von einer ansteckenden Aufbruchstimmung mitgerissen werden und von der Sache voll begeistert sind. Noch stecken in der Gemeinschaftsschule zu viele wissenschaftlich nicht abgesicherte Unabwägbarkeiten, zu wenig Realitätssinn und zu viele Visionen. Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat schon damals geraten, dass, wer Visionen habe, lieber gleich zum Arzt gehen solle. "Der schulische Alltag sieht zurzeit völlig anders aus als wie ihn die grünroten Visionäre wahrhaben wollen", fasst Brand das Durcheinander der aktuellen Bildungspolitik zusammen.
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