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Baden-Württemberg

Rechtschreibung ist so wichtig, wie die Gesellschaft es möchte

VBE weist Kritik an der Lehrerschaft zurück

Mehr zu: Baden-Württemberg, Deutsch, Rechtschreibung, Schule
Stuttgart, 30.11.2011 -

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg weist die Kritik des Rats für deutsche Rechtschreibung (Mannheim) an den Lehrern in aller Deutlichkeit zurück. Korrektes Schreiben ist ordentlicher Bestand­teil aller Bildungspläne, wird aber in der Realität stets nur so viel Gewicht haben, wie die Gesellschaft der Rechtschreibung de facto auch einräumt.

In den 70er-Jahren wurde auch in Folge der Thesen des englischen Soziologen Basil Bernstein zu den schichtspezifischen Ebenen der Sprache ("elaborierter Code" der Ober- und Mittelschicht und "restringierter Code" der Unterschicht) der Wert von Rechtschreibung an sich immer mehr infrage gestellt. Das Ge­wicht, das in den Schulen auf "korrekte" Sprache und orthographisch richtiges Schreiben gelegt worden war, wurde hinterfragt. Nicht auf das "Vehikel" Schrift komme es an, sondern ausschließlich der Inhalt sei von Bedeutung, hieß es. Das "Mündliche" bekam gegenüber dem "Schriftlichen" ein besonders Gewicht.

In den "Hessischen Rahmenrichtlinien" von 1972 fanden diese Gedanken Nie­derschlag und provozierten damals – auch im deutschen Blätterwald – heftige Diskussionen. Man machte man sich verstärkt Gedanken darüber, ob richtiges Schreiben durch das häufige Diktieren von Texten, wie es in der Grundschule üblich war ("das wöchentliche Diktat"), wirklich "erlernt" werden könne.

Die Rechtschreibreform zur Jahrhundertwende (1998) ließ die Diskussion über den Wert richtigen Schreibens wieder aufflammen. Auch da ging es in emotio­nal geführten Debatten darum, ob mit einer veränderten Rechtschreibung der Untergang des Abendlandes drohe. "Lehrer halten sich an die Vorgaben der Bildungspläne", weist VBE-Chef Gerhard Brand, die Kritik des Rechtschreib­rates an die Adresse der Lehrerschaft zurück. Wenn der Rat etwas verändern wolle, müsse er bei den Lehrplänen ansetzen. Außerdem sei in der Gesellschaft noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit richtiges Schreiben nicht nur in der Schule wieder als wertvoll angesehen werde. Zurzeit sei die Rechtschrei­bung – insbesondere bei Kurznachrichten (SMS), in Chaträumen und Online-Foren – nicht einmal zweitrangig, sondern völlige Nebensache. Erst bei Bewer­bungsschreiben greife man dann sicherheitshalber zum Duden.

Ansprechpartner

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Theodor Ickler, am 30.11.2011, 17:48

Nach langer Zeit meldet sich der Rat für deutsche Rechtschreibung wieder einmal mit einer Pressemitteilung. Er beklagt die schlechten Rechtschreibkenntnisse der Schüler und weiß auch, wer daran schuld ist: Die Lehrer sind es. Kein Wort über die Verwirrung, die durch drei größere und mehrere kleine Rechtschreibreformen innerhalb von zehn Jahren hervorgerufen wurde. Der Ratsvorsitzende Zehetmair, als Kultusminister selbst maßgebend an der Einführung und gnadenlosen Durchsetzung der seither so oft geänderten Reformschreibung beteiligt, schiebt nach altbewährter Weise den Untergebenen die Verantwortung für das Scheitern des ganzen Unternehmens zu. Hat er vergessen, was er einst ankündigte? Das korrekte Schreiben sollte doch erleichtert werden. Lehrer, die das bezweifelten und sich zu einem reformkritschen Verein zusammenschlossen, wurden von Zehetmairs Ministerium beschimpft und bedroht. Und dieser Mann, der heute vor dem Trümmerhaufen namens Rechtschreibreform steht, hat nichts Besseres zu tun, als wiederum den geplagten Lehrern die Schuld an seinem Versagen in die Schuhe zu schieben.

Übrigens ging es - entgegen der Meinung des VBE - nie "in emotio­nal geführten Debatten darum, ob mit einer veränderten Rechtschreibung der Untergang des Abendlandes drohe." Vielmehr haben die Kritiker, zu denen ich selbst gehöre, stets nur auf die unglaubliche Fehlerhaftigkeit der Reform hingewiesen und genau die Folgen vorhergesagt, die nun eingetreten sind.

von MichPape, am 13.12.2011, 16:17

Hallo!

So lange der Erstlese- und Erstschreibunterricht und in Gänze der Rechtschreibunterricht an den Kinder und Menschen vorbei gemacht wird, sollte sich gewissen Leute nicht wundern, wenn sich die Menschen abkoppeln. Erst einmal muss formuliert, werden wozu dient der Rechtschreibunterricht! Dient er dem Erwerb der Sprachkompetenz oder wird es als Aussortierungsinstrument gebraucht. Auf die Aussortierung reagierten die Menschen mit Aussortierung. „Abstimmung mit den Füßen“ nennt man so etwas. Die Sprache wird aussortiert, weggeworfen, wo immer es möglich ist. Das gilt sowohl für „dümmere“, als auch klügere Schüler/innen, es äußert sich nur unterschiedlich.

Das sich gerade ein Dialekt sprechender Bayer erdreistet, gibt dem Ganzen aber eine würzige und auch erheiternde Note!

Und diese Scheingefechte um die Deutsche Rechtschreibung werden schon im Bälde obsolet sein, weil es eine Angelegenheit für eine Minderheit ist.

Um es mit Nina Hagen zu sagen: Ich fass kein Buch mehr an, man bin ich belesen!“


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