GEW Bremen
Dramatischer Abbau von Hortplätzen bedroht soziale und Chancengerechtigkeit
Mehr zu: Bildungschancen, Bremen, Kinderkrippe, KITA, Kindergarten / VorschuleDie SPD-Bürgerschaftsfraktion will weitere Grundschulen zu sogenannten "Verlässlichen Grundschulen Plus" (VGS+) umbauen. In diesem Zuge sollen nach Informationen der GEW in den kommenden zwei Jahren in Bremen hunderte von Hortplätzen abgebaut werden.
"Dieses Kürzungsprojekt bedroht die soziale und Chancengerechtigkeit in vielen Stadtteilen", zeigt sich GEW-Sprecher Christian Gloede empört. Die VGS+ stehe nur wenigen Kindern einer Grundschule offen, gehe in der Regel nur bis 15 Uhr, hat keine geregeltes Ferienangebot und auch die Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf sei nicht geklärt, so Gloede weiter. Im Gegensatz dazu stelle der Hort ein verlässliches Bildungs- und Betreuungsangebot bis in den späteren Nachmittag sowie während der Ferien dar.
Hinzu komme, dass ein Losverfahren durchgeführt werde, wenn mehr Kinder für die VGS+ angemeldet würden, als Plätze vorhanden seien. Dieses Losverfahren berücksichtige aber in keiner Weise individuelle Förder- und Unterstützungsbedarfe oder soziale Kriterien.
Die VGS+, die ab kommendem Schuljahr als "offenen Ganztagsschule" in ca. 20 Grundschulen eingeführt werden soll, lehnt die GEW als "Ganztagsschule light" ab. Bestenfalls könne sie als ergänzendes Angebot zu Horten konzipiert werden, bis die anzustrebende Umwandlung in "gebundene Ganztagsschulen" stattgefunden hat. Nur bei diesen ist der Ganztag verpflichtend für alle, was die Rhythmisierung des Schultages im Sinne der Kinder und ihrer Lernerfolge ermöglicht, so die GEW. Ungeklärt ist auch die berufliche Perspektive der Hortnerinnen und Hortner. Sie müssen offensichtlich mit einer "Zwangsumschulung" für die Arbeit mit unter-3jährigen rechnen, da die Bereitschaft der Bildungsbehörde, diese KollegInnen mit ihren Arbeitsverträgen zu übernehmen, bisher kaum vorhanden ist.
"Vor dem Hintergrund wachsender Armut in Bremen (ca. jedes dritte Kind in Bremen lebt unterhalb der Armutsgrenze) und dem engen Zusammenhang von Armut und unzureichendem Bildungserfolg konterkariert die rot-grüne Mehrheit in der Bürgerschaft ihr selbstgestecktes Ziel die Schere zwischen Arm und Reich im Bildungsbereich zu schließen", so die GEW weiter. Die Bildungsgewerkschaft fordert die Senatorinnen Stahmann und Jürgens-Pieper auf, unverzüglich ihre Pläne bzgl. der Horte und der Grundschulen offenzulegen. "Eltern müssen vor Anmeldebeginn im Januar wissen, woran sie sind. Die Umetikettierung von "VGS+" zu "offener Ganztagsschule" suggeriert eine Verbesserung, die sich mit jeder Hortschließung ins Gegenteil verkehrt!" Die GEW fordert zudem die Fraktionen von SPD und Grünen auf, bereits in den Deputationen diese Pläne zu stoppen.
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