GEW Sachsen-Anhalt
Ganztagsanspruch macht Kitas noch nicht besser
GEW zur neuesten Kinderbetreuungsdebatte
Mehr zu: Bildungsausgaben, Frühe Förderung, Frühkindliche Bildung, Sachsen-Anhalt, Kindergarten / VorschuleSachsen-Anhalts Kinderbetreuungssystem hat seit der Reform im Jahr 2003 zwei zentrale Probleme – der auf einen Halbtagsplatz gekürzte Anspruch für Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil nicht arbeitet, und die drastisch verschlechterte Personalausstattung, die seit dieser Zeit zu übergroßen Gruppen führte und eine qualifizierte Bildungsarbeit mit den Kindern verhindert. Während Sachsen-Anhalt mit seinem flächendeckenden Angebot an Kita-Plätzen deutschlandweit noch immer eine Spitzenposition einnimmt, steht es mit seinen schlechten Betreuungsbedingungen am internationalen Pranger.
"Es hilft nicht, wieder alle Kinder ganztägig in die Einrichtungen gehen zu lassen, wenn sich die Bedingungen nicht spürbar verbessern", sagte der Vorsitzende der GEW, Thomas Lippmann, in Reaktion auf die Presseberichte zum Krach in der Landesregierung und in den Koalitionsfraktionen um den Gesetzentwurf zur versprochenen KiFöG-Novelle. "Schlecht ausgestattete Kitas jetzt wieder für alle Kinder" dürfe nicht Ziel der Landespolitik sein.
Es sei wichtig, dass schnellstmöglich wieder alle Kinder im Land die Kindertagesstätten so lange besuchen können, wie es die Eltern möchten, es sei aber mindestens genauso wichtig, die Gruppengrößen zu reduzieren und den Erzieherinnen und Kita-Leiterinnen Zeit für die Erfüllung ihres Bildungsauftrages einzuräumen. "Diese beiden Aufgaben können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wenn für beides gleichzeitig das Geld derzeit nicht reicht, dann muss eben beides schrittweise gemacht werden. Das ist dann auch kein Wahlbetrug sondern die Übernahme von Verantwortung gegenüber den Kindern, den Eltern und den Erziehrinnen in den Einrichtungen.", so Lippmann zur Bewertung der verschiedenen diskutierten Szenarien.
Die Erhöhung der Ausgaben für die Kindertagesstätten auch über mehrere Jahresschritte hinweg sei keine "Steuerverschwendung" sondern Investition im besten Sinne, die sich später vielfach auszahlen wird. Hierfür auch Kredite aufzunehmen sei deshalb durchaus mit wirtschaftlichem Handeln vereinbar, so Lippmann.
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