GEW Sachsen-Anhalt
GEW zur Kritik an der Lehrerbildung im Vorbereitungsdienst: Reform ist sinnvoll aber noch nicht gelungen
Mehr zu: Bildungswesen, Föderalismus, Lehrerbildung, Sachsen-Anhalt, HochschuleZur Berichterstattung in der MZ vom 23.01.12 erklärte der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Thomas Lippmann:
"Die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes für angehende Lehrkräfte von bisher 24 Monaten auf nur noch 16 Monate ist grundsätzlich ein richtiger Schritt. Eine erneute Verlängerung würde für Sachsen-Anhalt im Wettbewerb um den künftigen Lehrkräftenachwuchs zu erheblichen Nachteilen führen." Inzwischen verkürzen praktisch alle Bundesländer ihren Vorbereitungsdienst – teilweise sogar auf nur noch zwölf Monate. Außerdem können bei feststehenden Haushaltsstellen so insgesamt mehr Lehrkräfte ihren Vorbereitungsdienst absolvieren, was mit Blick auf die teilweise langen Wartelisten ein erheblicher Vorteil für die jungen Lehrkräfte ist.
" Unsere Erfahrungen besagen auch, dass der Wunsch der jungen Kolleginnen und Kollegen nicht die Verlängerung sondern die Verbesserung der Ausbildung durch Entlastung ist," sagte der Chef der Bildungsgewerkschaft.
Für die Behauptung, dass in den 16 Monaten keine solide Ausbildung möglich sei, fehle jede Grundlage. Die neue Ausbildung hat gerade erst begonnen, so dass es noch gar keine Absolventen mit regulärer 16-monatiger Ausbildungsdauer gibt. Auch werde übersehen, dass die Mehrzahl der Lehrkräfte, die heute noch in unseren Schulen eine hervorragende Arbeit leisten, ihre schulpraktische Ausbildung in der DDR zum überwiegenden Teil in einem dreimonatigen "Großen Schulpraktikum" und erst ab Mitte der achtziger Jahre in einem zwölfmonatigen Vorbereitungsjahr absolvierten.
Richtig ist allerdings, dass den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst sehr viel abverlangt wird und schön längst Hinweise auf eine verbreitete Überlastungen der angehenden Lehrkräfte in dieser Ausbildungsphase bestehen. Eine kritische Überprüfung der Ausbildungsinhalte ist deshalb aus Sicht der GEW dringend geboten. Das hat aber wenig mit der Länge der Ausbildungsdauer zu tun, denn die Überlastung bestand auch schon bei der bisherigen Ausbildungsdauer von 24 Monaten.
Die GEW sieht die Reserven in der Verknüpfung von praxisorientiertem universitären Studium, Vorbereitungsdienst und einer betreuten Schuleingangsphase.
Gravierende Probleme liegen für die jungen Lehrkräfte und die Ausbildungsschulen besonders in den Regelungen zum eigenverantwortlichen Unterricht. Hier wird der Ausbildungssituation zu wenig Rechnung getragen, da der eigenverantwortliche Unterricht in zu hohem Maße auf die Unterrichtsversorgung der Schule angerechnet wird. "Wer in den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst vor allem Billiglehrkräfte sieht und nicht bereit ist, auch an dieser Stelle in die Qualität der Ausbildung zu investieren, muss sich über Kritik der Absolventen und zunehmende Verweigerung in den Schulen nicht wundern.", so Lippmann. Dies seien aber hausgemachte Probleme, die schnell und einfach beseitigt werden können.
Hinweis: Bereits 2009 war der Trend zur Verkürzung schon deutlich erkennbar. (Siehe Anlage) (PDF)
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