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Cornelsen Verlag
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Die ersten Schritte: Wie die Eingewöhnung in die Kita gut gelingt

Mehr zu: Erzieherinnenausbildung, KITA, Ratgeber, Übergänge, Weiterbildung, Kindergarten / Vorschule
Berlin, 27.06.2012 -

Immer mehr Kinder unter drei Jahren besuchen eine Kindertageseinrichtung. Die Eingewöhnung dieser jungen Kinder in der neuen Umgebung birgt besondere Anforderungen an Eltern, Erzieher/innen und natürlich die Kleinen selbst: Mit dem Besuch der Kita beginnt ein Veränderungsprozess, der unter anderem die Beziehung der Eltern zum Kind in entscheidendem Maß beeinflusst. Wie können alle Beteiligten die Eingewöhnungsphase gut meistern? Einige Fragen dazu an Christel van Dieken, Diplom-Pädagogin, Beraterin zahlreicher Kitas und Fachbuchautorin.

Welche Rolle spielt denn die Eingewöhnung in die Kita bei der weiteren Entwicklung des Kindes?
Christel van Dieken: Die Eingewöhnung ist in der Regel die erste längerfristige Trennung, die das Kind von seinen Eltern erlebt. Die Erfahrungen in dieser ersten Übergangsphase verursachen neben der Freude am Neuen auch Schmerz - und manchmal Ängste. Forschungen belegen, dass wir die Erfahrungen, die wir in einer Übergangsphase machen, auf eine andere übertragen. Wie diese erste Trennung vom Kind erlebt und verarbeitet wird, hat also Einfluss auf das Erleben und die Bewältigung aller weiteren sogenannten Übergangssituationen im Leben des Kindes und auch auf seine Gefühle, sein Verhalten und sein Selbstbild. Wir müssen im Leben immer wieder Übergänge bewältigen: von der Krippe in den Kindergarten, vom Kindergarten in die Schule, weg von der Familie in eine Ausbildung usw. Wenn das Kind diese Phase bewusst erleben kann, kann es die Erfahrung machen, dass auch negative Gefühle sein und ausgedrückt werden dürfen und nach einer Zeit des Schmerzes und des Abschieds kann eine Zeit positiver neuer Erfahrungen kommen. Das sind wichtige Erfahrungen, auf die man im weiteren Leben immer wieder zurückgreifen kann. Für das Kind ist diese neue Lebensphase eine Herausforderung.

Warum fällt es manchen Kindern so schwer, sich von ihren Eltern zu trennen?
Christel van Dieken: Es fällt den Kindern schwer, weil sie eine Bindung zu ihren Eltern aufgebaut haben, die ihnen die Sicherheit gibt, dass immer jemand da ist, wenn sie ihn brauchen. Die Erzieher/innen, die Kinder und auch die Räume der Kita sind für das Kind zunächst fremd. Die Gefühle, die das auslöst, kann man sich vielleicht so vorstellen, wie das Gefühl, dass wir auch als Erwachsene haben, wenn wir in eine uns neue fremde Institution kommen, zum Beispiel an einen neuen Arbeitsplatz. Man kann das Gefühl mit "nervöser Spannung" bezeichnen, das heißt, es ist Neugier und Freude auf Neues dabei, aber gegebenenfalls auch Unruhe und Ängstlichkeit, was die Situation bringen wird. Wenn die Eltern das Kind nun in der Kita zurücklassen, muss es mit all diesen Gefühlen zunächst einmal ohne die ihm vertraute Bezugsperson klar kommen. Es muss Vertrauen zu den ihm fremden Personen entwickeln, dass diese ihm auch die Zuwendung und Unterstützung geben, die es bis dahin von seinen Eltern bekommen hat. Außerdem haben ganz junge Kinder noch kein Zeitgefühl und wissen nicht, was es bedeutet, wenn die Erwachsenen versprechen, dass Mama "bald" wiederkommen wird. Und als letztes müssen sie ja, um sich sicher zu fühlen, zunächst einmal die mehrmalige Erfahrung gemacht haben, dass es sich nur um eine begrenzte Zeit handelt, in der sie sich in der Kita aufhalten und dass Mama danach wirklich immer zuverlässig wiederkommt.

Was sollten pädagogische Fachkräfte bei der Eingewöhnung besonders beachten?
Christel van Dieken: Pädagogische Fachkräfte sollten planen, dass sie sich als gesamtes Team mit der Frage der Gestaltung der Eingewöhnungssituation auseinandersetzen und ein für alle verbindliches Vorgehen absprechen. Dann sollten sie sich einfühlen in die Situation des Kindes und der Eltern, für die diese Situation mit vielen Fragen und Emotionen verbunden ist. Eltern möchten, dass es ihrem Kind gut geht und aus der Sorge darum entstehen manchmal Befürchtungen und Ängste, ob die Pädagogen so auf das Kind eingehen können, dass es ihm dort auch gut geht. Das sollten Erzieher/innen ernst nehmen und auch den Eltern ermöglichen, schrittweise und in ihrem jeweiligen Tempo Vertrauen aufzubauen. Dann muss die Personalsituation von allen Beteiligten in der Kita so geregelt sein, dass die Erzieherin, die das neue Kind empfängt, auch wirklich "den Rücken frei hat" für die Gestaltung einer einfühlsamen Eingewöhnungssituation. Sie muss beobachten, wie es dem Kind geht und dementsprechend erproben, was es ihm erleichtern würde, Vertrauen zu ihr und den anderen Kindern aufzubauen.

Und was können wiederum die Eltern tun, um ihrem Kind den Prozess der Eingewöhnung zu erleichtern?
Christel van Dieken: Eltern müssen sich Zeit nehmen, ihr Kind in der Eingewöhnungszeit zu begleiten und zu unterstützen. Sie sollten klare Absprachen mit den Pädagogen vor Ort treffen und fragen, was von ihnen erwartet wird. Sie sollten sich einerseits auf die Erfahrungen der Pädagogen in der Kita verlassen und ihnen vertrauen, andererseits sollten sie wachsam sein dafür, was ihr Kind ihnen zeigt. Kinder machen in der Regel sehr deutlich, ob sie den Schritt der Trennung mitgehen können, oder ob sie die weitere Unterstützung der Eltern noch brauchen. So können dann Eltern und Erzieher/innen in täglichen kurzen Reflexionsgesprächen besprechen, wie die jeweils nächsten Schritte sein können, die dem Kind ermöglichen, eine Beziehung zu den Pädagogen und anderen Kindern aufzubauen und sich in der Kita wohl und sicher zu fühlen.

Bild: Cornelsen Verlag

Ganz nah dabei – Eingewöhnung von 0- bis 3-Jährigen in die Kita
Von Christel und Julian van Dieken
DVD mit Begleitbuch
Eur (D) 29.95 / Eur (A) 30,80 /sFR 45,60 (Preise bis 30.06.2012)
ISBN 978-3-589-24760-8
Cornelsen 2012


Christel van Dieken hat gemeinsam mit Julian van Dieken den Film Ganz nah dabei – Eingewöhnung von 0- bis 3-Jährigen in die Kita entwickelt, der zahlreiche Beispiele aus der Praxis und Gespräche mit Experten präsentiert. Anschaulich wird gezeigt, wie der einjährige Jakob, sein Vater und die Erzieherin Anna die Eingewöhnung gemeinsam meistern. Der Film eignet sich für Elternabende, Fortbildungen oder Teambesprechungen.
www.cornelsen.de/erzieher

Christel van Dieken ist Diplom-Pädagogin, Fortbildnerin und Organisationsberaterin für Kitas. Lange Jahre war sie Fachberaterin für Kindertagesstätten in Hamburg. Christel van Dieken leitet das Institut für Bildungsinnovation/Lernwerkstatt van Dieken und ist Autorin zahlreicher Fachpublikationen.

Pressekontakt zu dieser Meldung

Judith Krieg
Cornelsen Schulverlage
Mecklenburgische Str. 53
14197 Berlin
Tel.: 030/89 78 51 86
Fax: 030/89 78 55 99

www.cornelsen.de/presse
www.cornelsen.de

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